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Personalisierte Werbung

US-Unternehmen baut Schleichwerbung in Netflix-Serien ein

Veröffentlicht: 08.01.2020 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 08.01.2020
Streamingdienste

Product-Placement ist so alt wie das Fernsehen selbst. Filmstudios schließen Verträge mit Autoherstellern, Fastfood-Ketten oder Getränkemarken und bauen deren Produkte in ihre Produktionen ein – mal sehr auffällig, mal eher subtil. Für die Studios ist das ein lukratives Geschäft, die Hersteller lassen sich gut platzierte Schleichwerbung einiges kosten. Statista zufolge stiegen die Ausgaben für Produktplatzierung allein in den USA zwischen 2012 und 2019 von 4,75 Milliarden Dollar auf 11,44 Milliarden Dollar.

Mit Produktplatzierungen verdient auch das 2012 gegründete US-StartUp Triplelift sein Geld, will dies künftig aber auf neue, revolutionäre Weise tun, wie das Handelsblatt vorstellt. Triplelift will nämlich auf personalisierte Schleichwerbung setzen. Je nachdem, welche Daten Netflix, Amazon und Co. über den Zuschauer haben, will es Triplelift ermöglichen, unterschiedliche Produkte zu präsentieren. In der Serienepisode steht dann bei dem einen Zuschauer eine Cola-Dose auf dem Tisch, bei dem anderen eine Tee-Tasse.

Triplelift setzt auf Computer-Vision

Der Unterschied zum klassischen Product-Placement: Die Werbung wird erst im Nachhinein in die jeweilige Folge integriert. „Wir können die verschiedenen Marken nach der Produktion per Computer einfließen lassen und auf den einzelnen Kunden abstimmen. Sie werden das noch 2020 in Ihrem Wohnzimmer sehen“, erklärt Ari Lewine, Mitgründer von Triplelift. Der ehemalige Fox-Manager Michael Shields soll künftig die Türen in die Chefetagen der großen Produktionshäuser öffnen.

Für die Werbeform nutzt das Unternehmen Computer-Vision, also Programme, die Bilder und Videos analysieren und errechnen, wo im Bild etwa ein Tisch zu sehen ist, um dann ein Produkt darauf zu positionieren. Das ist eine Weiterentwicklung zur klassischen nativen Werbung, mit der Triplelift angefangen hat. Werbung, die sich also der jeweiligen Webseite anpasst, wie man es zum Beispiel von Advertorials kennt. Da diese Art der Werbung nicht nur wohlwollend aufgenommen wird, platziert sein Unternehmen bewusst Werbung, die auch als solche zu erkennen ist.

Das Unternehmen, das 2019 einen Umsatz von 300 Millionen Dollar gemacht hat, wurde von Forbes zuletzt auf die Liste der kommenden Milliardenunternehmen gesetzt. Überraschend ist das nicht. Die Konkurrenz im Streamingmarkt wächst, günstige Preise locken Kunden, das Geld für die eigentlich werbefreien Angebote muss also auf andere Art erwirtschaftet werden. Wann die Technologie von Triplelift aber so ausgereift ist, dass eine nachträglich per Computer eingebaute Chipstüte in „Stranger Things“ auch wirklich täuschend echt aussieht und also von Netflix ohne Bauchschmerzen genutzt wird, muss sich zeigen. Die Industrie nehme das Angebot immerhin „bisher sehr gut an“, so Lewine.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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