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Video der Woche

„Sag nicht ja. Sag nicht nein. Sei einfach nur eine Lady“

Veröffentlicht: 28.02.2020 | Autor: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 28.02.2020
Frau isst Nudeln

„Sei eine Lady, sagten sie. Dein Rock ist zu kurz. Dein Shirt ist zu tief ausgeschnitten. Zeig nicht so viel Haut. Bedecke dich. Überlasse etwas der Fantasie. Sei keine Verführerin. Männer können sich nicht beherrschen. Männer haben Bedürfnisse. Sieh sexy aus. Sieh heiß aus.“ – Aussagen, die widersprüchlicher kaum sein könnten. Und zugleich sind es Sätze, die Frauen hören, wenn es um ihr gesellschaftlich akzeptiertes Verhalten geht. 

Eben diese Sätze sagt die Politikerin und US-Schauspielerin Cynthia Nixon in einem dreiminütigen Video – und trifft damit einen Nerv. Der Clip ging direkt viral, wurde nicht nur auf YouTube Hunderttausende Male geklickt, sondern auch mehrfach in weiteren sozialen Netzwerken geteilt und kommentiert. 

Die Idee, die sich hinter Aussagen wie „Sag nicht ja. Sag nicht nein. Sei einfach eine Lady“ verbirgt, ist alles andere als neu. Auch stammt der rezitierte Text der Autorin Camille Rainville bereits von 2017, damals veröffentlichte sie den Text auf ihrem Blog „Writings of a Furious Woman“.

Gesellschaftlicher Druck auf Frauen auf den Punkt gebracht

Dennoch: Das Video bringt den Druck, dem sich Frauen aufgrund der Erwartungshaltung der Gesellschaft ausgesetzt sehen, auf den Punkt. Parallel zur fortlaufenden Aneinanderreihung gegensätzlicher Aufforderungen werden Frauen bei der Körperenthaarung, mit Esstörungen, bei der Geburt oder mit operierten Brüsten gezeigt. Zudem ist Filmproduzent Harvey Weinstein zu sehen – der erst am 24. Februar dieses Jahres vom Obersten New Yorker Gericht wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt wurde. Alles zusammen passt in die Erfahrungswelt vieler Frauen, die aufgrund ähnlicher Erlebnisse den eigenen Selbstwert infrage stellen und auch in die Sexismus-Debatte, die im Netz u. a. durch das Twitter-Hashtag #metoo entfacht wurde.

Auch Cynthia Nixon selbst setzt hier ein starkes Zeichen. Bekannt ist sie als Schauspielerin in der Rolle der Anwältin Miranda Hobbes aus „Sex and the City“ – einer Serie, die fragt, ob, wie oft, unter welchen Umständen und mit wem Frauen Sex haben können. Zudem ist Nixon eine demokratische US-Politikerin, die u. a. eine gesetzliche Krankenversicherung, eine Schulreform für mehr Chancengleichheit sowie umfassende Frauenrechte in den USA forderte.

Werbefeminismus – aber treffend

Allerdings wurde das Video auch von dem High-Fashion-Magazin „Girls. Girls. Girls.“ publiziert, das sonst eher weniger kontroverse Mode- und Beauty-Themen behandelt und eher befördert, was hier angeprangert wird. Auf Bento wurde das Video unter anderem deshalb mit dem Etikett „Werbefeminismus“ versehen und kritisiert, weil viele Facetten der Benachteiligung von Frauen weltweit an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben. Damit reihe es sich zu Spots, die lediglich Feminismus als Vorwand für Produktwerbung nutzen – etwa, als Rasierproduktehersteller Gilette in einem Werbefilm eine „neue Männlichkeit“ einforderte. 

Nichtsdestotrotz erhielt der Spot mit Cynthia Nixon nicht nur sehr viel Aufmerksamkeit, sondern veranschaulicht deutlich, wie unerfüllbar Erwartungshaltungen an Frauen in einer Gesellschaft sein können – unser Video der Woche:

Über den Autor

Hanna Behn Experte für Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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