Geleakte interne Dokumente

Facebook weiß: Instagram ist schädlich für junge Menschen

Veröffentlicht: 15.09.2021 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 15.09.2021
Instagram

Eigentlich versucht Facebook, bei jeder Gelegenheiten die Vorteile seiner Portale herauszustellen und mögliche Gefahren herunterzuspielen oder umzudeuten. Doch offenbar weiß der Konzern sehr genau, welche schädlichen Effekte vor allem das Bildernetzwerk Instagram für junge Menschen hat. Dies geht nun zumindest aus internen Dokumenten hervor, die dem Wall Street Journal vorliegen. Forschungen – ausgerechnet im Auftrag von Facebook selbst – sollen demnach seit Jahren zu dem Schluss kommen, dass Instagram schädliche Auswirkungen hat.

Dies gelte vor allem für Mädchen. Denn jede dritte Jugendliche auf Instagram habe eine negative Wahrnehmung des eigenen Körpers. Gerade die Tendenz, eher die guten als die schlechten Momente bei Instagram zu teilen, könne zu negativem Verhalten führen. Ein großer Teil der Teenager habe gar wegen des sozialen Netzwerks suizidale Gedanken. Die internen Dokumente, auf die sich das Wall Street Journal stützt, stammen der Zeitung zufolge von einem anonymen Whistleblower aus Facebook-Kreisen.

Facebook wiegelt ab

In den internen Dokumenten kommt Instagram nicht gut weg. Teenager würden Instagram für Angstzustände und Depressionen verantwortlich machen. Eine der Forschungen sieht einen expliziten Zusammenhang zwischen Instagram und negativen Folgen für das psychische Wohlbefinden, weil es bei Instagram um soziale Vergleiche und um den Selbstwert anhand von Attraktivität oder Erfolg gehe. Andere soziale Netzwerke wie TikTok und Snapchat seien dagegen weniger gefährlich, weil es hier eher um die Entertainment-Komponente gehe.

Immerhin: Instagram habe nicht auf alle NutzerInnen negative Auswirkungen, überwiegen würden die Vorteile. Und das scheint auch der Strohhalm zu sein, an den sich Facebook nun in der Außendarstellung klammert. Karina Newton von Instagram hat als Antwort auf den Bericht des Wall Street Journals einen Blogpost veröffentlicht, um die Vorwürfe zu relativieren. Sie verteidigt dabei die in Auftrag gegebene Forschung und betont, dass man sich verpflichtet fühle, komplexe und schwierige Probleme zu verstehen und den Betroffenen dabei zu helfen. Newton wolle die Forschung im Kontext verstanden wissen. Wissenschaftliche Forschung zeige immer sowohl positive als auch negative Auswirkungen. Zudem kündigte sie an, dass Facebook künftig die Ergebnisse der eigenen Untersuchungen transparenter darstellen wolle.

Sie sind selbst depressiv oder haben Suizid-Gedanken? Dann kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge im Internet oder unter den kostenlosen Hotlines 0800 1110111 und 0800 11102223.

Über den Autor

Christoph Pech
Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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