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Zuckerberg vor dem EU-Parlament: Wieder nichts gelernt

Veröffentlicht: 23.05.2018 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 23.05.2018

Mark Zuckerberg ist vor dem EU-Parlament erschienen. Mehr als Allgemeinplätze und Beteuerungen gab es auch diesmal nicht. Was aber vor allem am fragwürdigen Format der Anhörung lag.

Mark Zuckerberg im EU-Parlament
© Alexandros Michailidis / Shutterstock.com

Wenn der Boss des größten sozialen Netzwerks der Welt vor dem EU-Parlament antritt, um sich den Fragen der europäischen Politiker zu stellen, und im Nachhinein vor allem über das Format der Inhalte diskutiert wird und nicht über die Inhalte, dann ist offenbar etwas schief gegangen. Fast in letzter Sekunde konnten sich EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani und Mark Zuckerberg darauf einigen, die Anhörung live ins Internet zu streamen. Das allerdings lässt das EU-Parlament nun in einem ziemlich schlechten Licht dastehen.

Viele Fragen, keine Antworten

Dass Mark Zuckerberg nun alles konkretisieren würde, was er vor dem US-Senat noch im Ungefähren ließ, war ohnehin nicht zu erwarten, aber dafür hätte er auch gar Zeit gehabt. Angesetzt waren nur 70 Minuten, am Ende wurden es 90, den Großteil davon stellen die Parlamentarier Fragen. Fragen wie die des CSU-Mannes Manfred Weber, ob Zuckerberg Facebook für ein Monopol halte oder wie die von Linken-Fraktionschefin Gabi Zimmer, ob es nicht Zeit sei, Facebook den Stecker zu ziehen. Fragen also, die Zuckerberg selbst mit der nötigen Zeit weder konkret noch erhellend beantworten würde oder könnte.

Über eine Stunde lang gefielen sich die Politiker darin, Zuckerberg mit wohlformulierten und sich oft wiederholenden Fragen zu überhäufen. Antworten des Facebook-Chefs waren da noch nicht vorgesehen, die sollten erst im Anschluss kommen. So hatte er selbst dann im Anschluss noch etwa 20 Minuten, um sich auszusuchen, worauf er antwortet und was er ignoriert. Nachfragen von Parlaments-Seite waren dann wiederum nicht vorgesehen. Wirklich durchdacht war das nicht, um es vorsichtig auszudrücken. Zum Schluss musste Zuckerberg immerhin noch versichern, alle offenen Punkte im Nachhinein schriftlich zu beantworten.

Plattitüden und Beteuerungen

Wirklich Erhellendes musste der Facebook-Chef dann auch nicht preisgeben. Natürlich wolle bei Facebook niemand Fake News, Regulierung sei notwendig, sie dürfe technologische Innovationen aber nicht verhindern, Facebook leiste, etwa wie nach den Terroranschlägen in Berlin oder Paris auch Gutes, indem es Menschen vernetze und Informationen liefere. Das Übliche. Zuckerberg gestand wie schon vor dem US-Kongress ein, dass man in den vergangenen Jahren nicht genug getan habe, um zu verhindern, dass mit dem sozialen Netzwerk Schaden angerichtet werde. Facebook hat, etwa bei Fake News oder beim Missbrauch von Daten, nicht genug getan. „Das war ein Fehler und es tut mir leid.“

Zuckerberg musste gar nicht viel tun, um als Gewinner aus dieser fragwürdigen Veranstaltung hervorzugehen. Nicht, weil er aufschlussreiche Antworten lieferte, sondern weil sich das EU-Parlament mit seinem Frage-Antwort-Format selbst sabotierte. Dabei hätte man gerade angesichts der in Europa aktuell über allem schwebenden DSGVO beim Thema Datenschutz unangenehm werden können, hätte mehr Erklärung und Abbitte in der Causa Cambridge Analytica, mehr als Plattitüden und Beteuerungen einfordern können. Die Chancen wurden ungenutzt gelassen. Zuckerberg hat in den USA und in Europa die Kritik der Politik erfolgreich abgeblockt, ohne großartig in Eigenleistung gehen zu müssen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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Kommentare  

#1 Hein 2018-05-24 10:02
Ja, ja das EU Parlament,

darin uns kleine Händler zu gängeln sind sie perfekt.
Wenn es dann aber um gravierende Verstösse der Großen geht kommt nichts mehr.

Warum habe ich jetzt nur den Eindruck das es nur darum geht uns kleine Händler kaputt zu machen? Oder liegt es vielleicht daran das die gar keine Ahnung haben weil alles von den Lobbyisten kommt?
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