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Google und Mastercard kooperieren – um Kunden noch besser analysieren zu können

Veröffentlicht: 03.09.2018 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 03.09.2018

Der Online-Riese Google und das Finanzunternehmen Mastercard wollen Kunden über alle Kanäle hinweg tracken und analysieren. Im Rahmen einer Zusammenarbeit sollen dabei auch Daten eingekauft worden sein. Und zwar offenbar ohne das Wissen der betroffenen Kunden.

zwei Mastercard-Karten auf einer Tastatur
© Africa Studio / Shutterstock.com

Um Werbung und Angebote noch passgenauer ausspielen zu können, muss Google möglichst viel über seine Kunden wissen. Nicht nur Online-Suchen und -Einkäufe stehen dabei im Fokus, denn der US-Konzern will auch wissen, welche Käufe die Nutzer auch im stationären Handel gemacht haben.

Google kauft Daten von Mastercard

Um dies herauszufinden, scheint Google eine Kooperation mit dem Zahlungsdienst Mastercard eingegangen zu sein – im Rahmen der Berichte ist die Rede von einer bisher geheimen Vereinbarung zwischen Google und Mastercard: „Google kauft massenhaft Kreditkarten-Transaktionsdaten von Mastercard und korreliert sie mit den Klicks seiner Benutzer auf Online-Werbung“, schreibt Heise mit Verweis auf die Nachrichtenseite Bloomberg. Bloomberg selbst beruft sich wiederum auf vier anonyme Quellen, die mit der Sache vertraut sein sollen.

Diese Daten soll Google im vergangenen Jahr dann auch seinen Werbekunden zur Verfügung gestellt haben. Mit dem Ziel, zu überprüfen, „ob sich der Klick auf eine Online-Anzeige mit einem Offline-Kauf per Kreditkarte in einem US-Einzelhandelsgeschäft verknüpfen ließ“. Kritisch ist dabei der Aspekt, dass die Kunden bzw. Karteninhaber nichts von dem Tracking gewusst haben sollen.

Google arbeitet schon länger an verknüpfter Online- und Offline-Analyse

Der Strategie des Datenkaufs von Mastercard und der kanalübergreifenden Analyse von Nutzern soll Google dabei helfen, sich gegen wichtige Konkurrenten wie etwa Amazon zu stärken. Nicht umsonst soll der Konzern mehrere Millionen Dollar bezahlt haben, um an die wertvollen Daten zu kommen. „Werbekunden seien zunehmend daran interessiert, nicht nur die Verbindung von Online-Werbung zu Klicks auf Webseiten und Online-Shopping zu erkunden, sondern auch zum Offline-Kaufverhalten“, heißt es bei Heise weiter.

Bereits im Frühjahr 2017 hatte Google ein neues Werbetool in der Betaphase gestartet. Auch dieses Tool mit dem Namen „Store Sales Measurement“ sollte die Klicks auf Online-Werbung mit Kreditkartenkäufen im stationären Handel abgleichen. Damals habe Google darauf verwiesen, dass man Einblicke in 70 Prozent der Daten aller US-amerikanischen Kredit- und Debitkarteninhaber habe. Woher genau diese Daten kommen und wie der Zugriff gelingt, erklärte der Konzern jedoch nicht. Weder Google noch Mastercard haben sich bisher zu den aktuellen Berichten geäußert.

Update – Mastercard: „Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt“

Nach der Berichterstattung meldete sich eine Sprecherin von Mastercard zu Wort und nahm Stellung zum entsprechenden Thema. Sie verwies auf Folgendes: „So wie unser Netzwerk funktioniert, kennen wir keine einzelnen Artikel, die ein Verbraucher in einem physischen oder digitalen Warenkorb kauft. Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt. Das entspricht den Erwartungen an die Privatsphäre von Verbrauchern und Händlern auf der ganzen Welt. Bei der Bearbeitung einer Transaktion sehen wir den Namen des Händlers und den Gesamtbetrag des Kaufs des Verbrauchers, nicht aber bestimmte Artikel.“

Um Werbekampagnen von Händlern und Dienstleistern zu verbessern, gebe es die Möglichkeit, über den Media Measurement-Service die Effektivität von Kampagnen zu messen. „Händler geben uns Informationen über ihre Werbekampagne, wie z. B. Start- und Enddatum, und Mastercard liefert ihnen eine Einschätzung, wie sich innerhalb dieser Zeit die Ausgaben entwickelt haben“, schreibt das Unternehmen weiter. „Mit diesem Service stellen wir Händlern und deren Dienstleistern nur Trends zur Verfügung, die auf aggregierten und anonymisierten Daten beruhen, wie z. B. der durchschnittlichen Ticketgröße und dem Verkaufsvolumen des Händlers. Es werden keine individuellen Transaktions- oder Personendaten zur Verfügung gestellt (die wir auch gar nicht haben, da wir nur die 16-stellige Nummer in unserem Netzwerk sehen. Wer sich hinter der 16-stelligen Nummer verbirgt, weiß nur die Bank, die die Karte herausgibt). Wir bieten keine Einblicke, die die Werbewirkung einzelner Konsumenten verfolgen, aufbereiten oder gar messen.“

Über den Autor

Tina Plewinski Experte für Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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