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Kommentar

Die Sparkassen-Struktur bricht an der Online-Welt

Veröffentlicht: 24.04.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 24.04.2019
Sparkassen-Logo an einer Fassade

Es könnte das nächste Kapital in Deutschlands schwieriger Beziehung zur Digitalisierung werden: Die Sparkasse will eine eigene Online-Bank aufbauen, um die junge und online-affine Zielgruppe anzusprechen. Denn die Sparkassen haben offenbar erkannt, dass diese Zielgruppe nicht mehr in die alten Bankhäuser laufen will, um ein Konto zu eröffnen und zu verwalten.

Immerhin kommt diese Erkenntnis nicht allzu spät. Gut, als Vorreiter kann die Sparkasse sich hier nicht mehr positionieren, das haben StartUps und Digital-Unternehmen wie beispielsweise N26 längst erledigt. Dass aber zumindest N26 derzeit Negativschlagzeilen mit Sicherheitsproblemen und Geldwäsche-Vorwürfen fährt, dürfte der Sparkasse in die Hände spielen – wenn man denn jetzt schon sein Digital-Bank-Angebot stehen hätte.

Das Image der Sparkasse ist angestaubt

Dem ist aber leider nicht so. Und dass die Sparkassen dieses Angebot nun auch schnell auf die Beine stellen werden, ist ebenfalls alles andere als sicher. Denn die Bank ist bislang noch alles andere als ein dynamisches, digital denkendes Unternehmen. Allein, dass Sparkassen-Bundesobmann Walter Strohmaier den behäbigen Satz „Eine Online-Bank mag der Idee der Sparkassen von vor 200 Jahren widersprechen, aber die Welt hat sich verändert“ im Jahr 2019 spricht, sagt einiges.

Die Banken, die lange als Zeichen für Stabilität und Sicherheit standen, wirken in Zeiten des Internets angestaubt und unflexibel. Eindrucksvoll wurde das auch mit Paydirekt unter Beweis gestellt: Der vermeintliche PayPal-Killer aus Deutschland kam nicht wirklich vom Fleck und droht zu scheitern – falsche Kundenansprache, zu wenig Bekanntheit und ein zu später Einstieg in den Markt dürften ihr Übriges dazu beigetragen haben.

Es scheitert an der Struktur

Die Sparkassen haben bei ihrem Vorhaben zur Online-Bank aber ein weiteres, großes Problem: Die Online-Bank soll die 400 regionalen Sparkassen bundesweit unter einen Hut bringen. Damit bricht das Online-Angebot mit der regionalen Organisationsform der Sparkassen. Die Struktur der Bank müsste also von Grund auf neu gestaltet werden, damit das Vorhaben nicht im Chaos endet. Und ob die Sparkasse dazu bereit und überhaupt in der Lage ist, einen solchen radikalen Einschnitt zu wagen, ist mehr als unsicher.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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