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Studie zur neuen Zahlungsdiensterichtlinie PSD2

Online-Händlern drohen Milliardenverluste durch die starke Kundenauthentifizierung

Veröffentlicht: 05.06.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 11.06.2019
Zwei-Faktor-Authentifizierung

Online-Händler müssen sich auf eine neue EU-Richtlinie einstellen: Am 14. September 2019 tritt die EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 in Kraft. Die Richtlinie macht unter anderem die sogenannte Zwei-Faktor-Authentifizierung bei Online-Einkäufen zur Pflicht. Online-Händler selbst werden dafür voraussichtlich keine Änderung an ihrem Shop vornehmen müssen, da die Umsetzung dieser Vorgabe Aufgabe der Zahlungsdienstleister ist (wir berichteten).

Trotzdem könnte die neue Richtlinie spürbar negative Auswirkungen auf den Online-Handel haben: Eine aktuelle Studie der Payment-Plattform Stripe und 451 Research prognostiziert der europäischen Online-Wirtschaft Mindereinnahmen in Höhe von 57 Milliarden Euro in den ersten zwölf Monaten nach Inkrafttreten der PSD2. Im Rahmen der Studie wurden 500 qualifizierte Zahlungsexperten aus Online-Unternehmen und 1.000 Verbraucher in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Spanien befragt.

Vor allem kleinere Unternehmen sind unvorbereitet

Nur 40 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass sie darauf vorbereitet sind, die Anforderungen zu erfüllen. Vor allem kleine Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern seien mit der SCA (Strong Customer Authentification) genannten Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht vertraut, planen nicht, vor September regelkonform zu arbeiten, oder sind unsicher, wann sie die neuen Vorgaben umsetzen können. In großen Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern sei es dagegen nur einer von 25 Zahlungsexperten, der sich nicht über die anstehenden Änderungen im Klaren ist.

„Die SCA-Richtlinie ist ein einschneidendes Ereignis für den europäischen digitalen Handel, das umfassende Änderungen nach sich zieht“, erklärt Jordan McKee, Analyst bei 451 Research. „Viele Unternehmen – insbesondere kleinere – haben die weitreichenden Auswirkungen noch nicht vollständig erfasst.“

Ausnahmen für die zusätzliche Authentifizierung

Viele Unternehmen beabsichtigen laut der Stripe-Studie, die Anzahl der Kaufabschlüsse zu reduzieren, bei denen eine zusätzliche Authentifizierung nötig sein wird. Die Unternehmen hoffen hier offenbar auf die Ausnahmen von der zusätzlichen Authentifizierung – dazu zählen beispielsweise wiederkehrende Zahlungen oder Beträge von unter 30 Euro. Der Studie zufolge werde der Verwaltungsaufwand hier aber von den Unternehmen unterschätzt: 50 Prozent der Befragten wollen das Management komplett intern übernehmen. So sei es für kleinere Unternehmen sehr komplex zu erfassen, wie Kartennetze und tausende Banken in ganz Europa die Ausnahmeregelungen anwenden werden.

„So sind beispielsweise Käufe unter 30 Euro von SCA ausgenommen – aber sobald ein Kunde fünf solcher Transaktionen durchgeführt hat bzw. mehrere kleine Transaktionen im Gesamtwert von über 100 Euro tätigt, fordert dessen Bank eine zusätzliche Authentifizierung ein, ansonsten wird die Zahlung abgelehnt“, heißt es in der Studie.

Kunden werden mit einem weiteren Hindernis konfrontiert

Stripe zufolge werde die neue Richtlinie „die geringe Toleranz von Verbrauchern gegenüber schwierigen Bezahlprozessen verschärfen“, wodurch die Zahl der Kaufabbrüche steigen könne. Ohnehin seien nur 47 Prozent der europäischen Verbraucher der Meinung, dass Online-Kaufprozesse heute sehr einfach sind. 74 Prozent der „Generation Z“-Kunden, also der 15- bis 25-jährigen, haben im vergangenen halben Jahr einen Online-Kauf aufgrund eines unbefriedigenden Kaufprozesses abgebrochen.

Die neue Richtlinie könnte dieses Problem nach Ansicht der Studienmacher verschärfen, da sich 73 Prozent der Käufer der neuen Authentifizierungsanforderungen nicht bewusst sind. Sie stehen dann ab September vor einem für sie unerwarteten zusätzlichen Authentifizierungsprozess, der sie zum Kaufabbruch verleiten könnte.

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört zu er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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Kommentare  

#18 Redaktion 2019-06-11 13:58
Hallo H.K.,

allerdings geschieht die 2-Faktor-Authen tifizierung bei Paypal auf freiwilliger Basis. Der Kunde entscheidet, ob er diese Kontrolle möchte. Ab September ist das dann verpflichtend.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#17 Redaktion 2019-06-11 13:45
Hallo Herr Krüger,

danke für Ihre Nachricht. Die Händler müssen eigentlich nichts machen, solange sie nicht selbst Zahlungen abwickeln. Die BaFin hat Lastschrift und Rechnungskauf von der Pflicht ausgenommen. Als Händler könnten Sie aber ihre Kunden proaktiv über die kommenden Änderungen informieren und so die Verunsicherung reduzieren. Ansonsten könnten Sie noch einmal bei ihren Zahlungsdienstl eistern nachfragen, falls Sie Fragen haben oder unsicher sind.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#16 Redaktion 2019-06-11 13:41
Hallo Susanne,

wir haben es noch einmal nachvollzogen, Verzeihung für die Verwirrung und lieben Dank für den Hinweis. Du hast recht, dass "unter 30 Euro" tatsächlich nicht korrekt war. Wir haben es nun im Text entsprechend angepasst.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#15 Redaktion 2019-06-11 13:00
Hallo Susanne,

das klingt doch soweit prima. Darüber hinaus könntest du ggf. noch die Kunden selbst informieren, um deren Unsicherheit vorzugreifen und eventuelle Kauf-Abbrüche zu vermeiden.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#14 Susanne 2019-06-11 12:15
Hallo Redaktion,
ja das dachte ich auch.
Aber was ist denn dann die Regel?

Denn Ihr schreibt ja im ersten Satz:
"...viele Unternehmen beabsichtigen laut der Stripe-Studie, die Anzahl der Kaufabschlüsse zu reduzieren, bei denen eine zusätzliche Authentifizieru ng nötig sein wird – dazu zählen beispielsweise wiederkehrende Zahlungen oder Beträge von unter 30 Euro."

Und diesen Satz verstehe ich genau gegensätzlich. Ich dachte es muss "über" heißen.
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#13 Redaktion 2019-06-11 11:59
Hallo Susanne,

nein, es geht um Zahlungen von unter 30 Euro, die von der Regelung ausgenommen sind.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#12 Redaktion 2019-06-11 11:57
Hallo Stephan,

danke für deine Nachricht. Der Zahlungsdienstl eister muss in diesem Fall tätig werden. Wir beziehen uns in dem Artikel auf eine Studie laut der die kleinen Unternehmen weniger über die Änderung im Bilde als sind die großen Unternehmen. Daher werden die kleinen Unternehmen die Auswirkungen stärker spüren.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#11 Tobias 2019-06-09 22:36
Von Seiten der supranationalen EU-Pseudo-Regie rung kommt nichts als Gängelung und Kontrolle. Genau deshalb ist zu fordern dass die volle Kontrolle bei den nationalen Parlamenten bleibt. Parteien und Politiker die dies andern sehen gehören abgewählt und zwar bei der nächsten Möglichkeit. Aktuell gibt es nur noch eine Partei die in dieser Thematik klar sieht!
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#10 Krüger Klaus 2019-06-08 08:57
Sehr hilfreich wäre wenn man schon die kleinen Händler mit der Sache konfrontiert, Ihnen auch konkret sagt, was genau zu tun ist. Die großen Zahlungsabwickl er sind ja in der Regel in die Shops eingebunden und bestimmt bereits mit der Materie vertraut. (Somit auch zuständig für die zweifache Autorisierungsd aten Prüfung) Ich kann es somit nicht ganz nachvollziehen, bitte klären Sie mich deshalb auf, was werde ich persönlich ändern müssen, was meine Bezahldienste nicht schon machen, worauf ich ja kein Einfluss habe, es auch nicht einsehen kann. Vielen lieben Dank
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#9 Elmar 2019-06-08 08:42
Kommt bitte mit Fakten, Maßnahmenkatalo g, etc. Aber macht nicht all die Leute hier verrückt, nur um die Rechtsabteilung en zu füttern.
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