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Einheitlicher Bezahldienst geplant

Besiegeln die deutschen Banken das Ende von Paydirekt?

Veröffentlicht: 06.09.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 06.09.2019
Paydirekt App

Paydirekt ist bisher noch nicht so wirklich vom Fleck gekommen. Der einst als deutscher PayPal-Killer gehandelte Dienst hat in den vergangenen Monaten fortlaufend an Antrieb verloren und anscheinend auch das Vertrauen der Banken zusehends verloren. Nun könnte das Ende der erfolglosen PayPal-Alternative besiegelt sein: Wie Heise Online berichtet, wollen die deutschen Banken und Sparkassen ihre Bezahldienste offenbar unter ein Dach bündeln. Das habe zuerst das Handelsblatt unter Berufung auf Insider berichtet.

Der neue Service soll den Namen X-Pay tragen, wobei es sich nicht nur um ein neues Markendach handele. Die Angebote der deutschen Banken und Sparkassen sollen dem Bericht zufolge vielmehr in ein neues Zahlungssystem zusammengeführt werden. „Es gibt die Intention, alles zusammenzuwerfen“, so ein Insider. Bereits im September oder Oktober sollen entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet und eine neue Gesellschaft für X-Pay ins Leben gerufen werden.

Die bisherigen Lösungen überzeugen nicht

Hinter dieser Entscheidung dürfte der Wunsch stecken, endlich eine erfolgreiche Alternative zum US-amerikanischen Zahlungsanbieter PayPal aufzubauen. Denn während PayPal sich zu einem der beliebtesten Online-Bezahldienste gemausert hat, kommen die Angebote der deutschen Banken auf keinen grünen Zweig. Heise zufolge werden Paydirekt und auch GiroPay „bei Studien zu Marktanteilen eher im Bereich ‚Sonstige‘“ verbucht. 

Auch der Mobil-Dienst Kwitt kann die Kunden nur mäßig begeistern. Das dürfte wohl daran liegen, dass der Dienst nur Zahlungen von Nutzer zu Nutzer bei den Sparkassen ermöglicht. Kunden anderer Banken sind damit außen vor – in der vernetzten Welt eine erhebliche Einschränkung. Die Girocard, die bei der Zahlung im stationären Geschäft durchaus verbreitet ist, kann im Online-Handel nicht genutzt werden. Die Angebote der Banken sind damit bislang zerstückelt und nicht kanalübergreifend gestaltet. Und inzwischen müssen die Institute nicht nur einen Rückstand aufholen, sondern haben mit Apple Pay und Google Pay auch noch neue US-Konkurrenz bekommen.

Europäische Lösung angestrebt

Thomas Ullrich, Chef der DZ-Bank, hatte zuvor bereits Pläne für einen nationalen Bezahldienst angekündigt. Privatbanken, Sparkassen, Landesbanken sowie die Genossenschaftsinstitute sollen unter dem Stichwort #DK („Deutsche Kreditwirtschaft“) an einem Verfahren arbeiten, das eng ans Girokonto geknüpft ist. Eine solche nationale Lösung könne Ullrich zufolge aber nur der erste Schritt sein. Danach müsse es „zügig Richtung Europa gehen“. 

Für Paydirekt scheint sich der Vorhang in jedem Fall zu schließen. Im Frühjahr dieses Jahres hieß es noch, die beteiligten Banken wollten 60 Millionen Euro in den Bezahldienst pumpen, um ihm auf die Sprünge zu helfen. Denn kurz zuvor machten Meldungen die Runde, dass Paydirekt lediglich 40.000 Transaktionen im Monat abwickle. Mittlerweile ist die Stimmung aber wohl deutlich negativer. Kaum jemand glaube noch, dass Paydirekt ein Erfolg werden könne, so ein Insider gegenüber dem Handelsblatt. 

Auf Nachfrage von Heise Online heißt es von Paydirekt übrigens, dass der Zahlungsdienst „ein wichtiger strategischer Baustein im zunehmend digitalen Zahlungsverkehr der Banken und Sparkassen“ sei. Der Service genieße „das volle Commitment seiner Investoren, die in die Weiterentwicklung von paydirekt investieren.“

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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