Antwort auf Facebooks Libra

Bundesbank gibt „Digitalem Euro“ hohe Priorität

Veröffentlicht: 16.03.2020 | Geschrieben von: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 16.03.2020
1-Euro-Münze

Bislang habe die Bundesbank dem „digitalen Euro“ eher skeptisch gegenüber gestanden, heißt es. Hinter den Kulissen sieht das aber offenbar anders aus. Ganz im Gegenteil habe das Thema „hohe Priorität“, äußerte Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz gegenüber dem Handelsblatt. Man habe eine Taskforce gegründet, die Chancen und Risiken eines digitalen Zentralbankgeldes analysieren soll. Facebooks Kryptowährung Libra sei ein Weckruf gewesen. Als Antwort darauf hatte die Unionsfraktion im vergangenen Sommer eine eigene Kryptowährung, den „digitalen Euro“, vorgeschlagen.

Äußerungen von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann und Vizepräsidentin Claudia Buch wurden bisher als eher skeptisch aufgefasst, es gebe etwa in der Öffentlichkeit keine Notwendigkeit für digitales Zentralbankgeld. Balz räumte nun mit diesen Vorurteilen auf: „Wenn ein privates Unternehmen mit einer so großen Nutzerzahl und globalen Präsenz wie Facebook mit einem Vorschlag wie Libra kommt, muss man das ernst nehmen“.

Verschiedene Szenarien werden geprüft

Zunächst müssten sowohl Chancen als auch Risiken genau analysiert und bewertet werden, erst dann könne man entscheiden, ob ein digitales Zentralbankgeld notwendig sei. Viele offene Fragen müssten noch geklärt werden, so Balz: „Wir als Bundesbank können heute noch nicht abschließend beurteilen, ob die Risiken, die durch die Ausgabe digitalen Zentralbankgelds entstehen würden, am Ende nicht größer sind als der Nutzen, den wir generieren“.

Aktuell prüfe man daher verschiedene Szenarien, zum Beispiel die Einführung einer digitalen Währung nur für den Bankenbereich. So könnte man zunächst Erfahrungen sammeln und eine mögliche Einführung in den privaten Bereich besser einschätzen. Die Sparkassen etwa zeigen sich nach wie vor skeptisch. Es könnte „gravierende Auswirkungen auf die Finanzstabilität, die Funktionsfähigkeit und die Effizienz des Bankensystems haben“, wenn die traditionelle Geldschöpfung des Bankensystems umgangen werde. Eine Möglichkeit, die man Balz zufolge bei der deutschen Zentralbank aber im Blick habe.

Braucht man Bargeld und digitales Zentralbankgeld?

„Die Bürger, die derzeit Zentralbankgeld nur in der Form als Bargeld verwenden können, erhielten auch eine digitale Variante“, so Balz. Es sei allerdings fraglich, ob es notwendig ist, sowohl Bargeld als auch digitales Zentralbankgeld für die Bürger herauszugeben. Es stelle sich etwa die Frage, ob das Bankensystem durch das digitale Geld in Teilen obsolet werden könnte. „Wollen wir das wirklich?“, fragt Balz. „Diese Fragen werden diskutiert, und zwar sehr intensiv.“ Im Sommer könne man laut Balz mit einem ersten Zwischenergebnis der Analyse rechnen.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für: Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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