Zahlungsdienstleister

Unzer bleibt hinter den Erwartungen zurück

Veröffentlicht: 13.08.2021 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 13.08.2021
Bezahlung in einem Café

Der Heidelberger Zahlungsdienstleister Unzer, der bis 2020 unter dem Namen Heidelpay agierte, hat es derzeit nicht leicht. Nachdem erst vor wenigen Wochen bekannt wurde, dass das Unternehmen mit dem wegen Bankbetrugs verurteilten Ruben Weigand zusammengearbeitet hatte und deshalb von der BaFin untersucht wird, musste Unzer auch noch kurzfristig einen Geschäftspartner wechseln, weil ihm die Lizenz entzogen wurde. 

Umsatz und Gewinn verfehlen das Ziel

Wie die WirtschaftsWoche nun berichtet, sollen interne Zahlen zudem weitere Missstände bei dem Unternehmen zeigen. Die Zahlen seien „nicht wirklich vorbildlich für ein vermeintliches Wachstumsunternehmen“, heißt es. Und: Unzer sei „geschrumpft statt gewachsen“. Was ist an dieser Einschätzung dran?

Unzer habe einer internen Präsentation zufolge im ersten Halbjahr 2021 Zahlungen im Umfang von rund 4,4 Milliarden Euro abgewickelt und 63,4 Millionen Euro Umsatz erzielt. Damit lag das Unternehmen zwölf Prozent unter den Prognosen, ist aber weiterhin im Wachstum. Der Bruttoertrag soll dem Bericht zufolge 20 Prozent unter dem Ziel und 30 Prozent unter dem Vorjahr liegen.

Grund für diese Entwicklung dürften die Investitionen sein, die Unzer in sein Wachstum getätigt hat. So standen in der letzten Zeit unter anderem einige „Mergers & Acquisitions“, also Fusionen und Übernahmen, an, die auf die Bilanz drücken – für ein Wachstumsunternehmen nicht ungewöhnlich. 

Zahlungen im stationären Geschäft sind eingebrochen

Dazu kommen die Auswirkungen der Coronakrise: Der lange Lockdown ließ die Zahlungen im stationären Einzelhandel spürbar einbrechen. Doch das POS-Geschäft macht einen großen Teil von Unzer aus, weshalb das Ergebnis im ersten Halbjahr offenbar spürbar belastet wurde. Das Online-Geschäft lief dagegen besser für Unzer, weil sich mehr Kunden für die Ratenzahlung entschieden hätten. Bei dieser Zahloption verdienen die Zahlungsdienstleister mehr als bei Transaktionen, bei denen die Kunden sofort bezahlen. Das Unternehmen kommentierte die Zahlen nicht. 

Unzer gilt bei einigen Branchenexperten als neuer Hoffnungsträger der deutschen Zahlungsabwickler, nachdem Wirecard im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden musste und in Folge des Skandals zerschlagen wurde.

Über den Autor

Michael Pohlgeers
Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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