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„Damascus“: Paypal sperrt Konto wegen kritischer Betreffzeile

Veröffentlicht: 25.02.2016 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 25.02.2016 | Gelesen: 7416 mal

Paypal gilt gemeinhin als unkompliziertes und sicheres Zahlungsmittel in der digitalen Welt und wird daher von vielen Händlern und Kunden geschätzt. Doch ab und an kommt es vor, dass Konten gesperrt und Gelder eingefroren werden. Den Nutzern bleibt dann in aller Regel nicht anderes übrig, als zu warten und zu hoffen. In einem aktuellen Fall wurde ein Konto nur wegen eines Wortes in der Betreffzeile gesperrt.

 Messer

(Bildquelle Messer Damaszenerstahl : Kondor83 via Shutterstock)

 

Es ist ein kurioser Fall: Ein deutscher Computerspieler namens „Gamekiller48“ hat sich für das Ego-Shooter-Spiel „Counter Strike, Global Offensive“ eine Erweiterung gekauft – ein virtuelles Messer (M9 Bayonet), das in der realen Welt aus Damaszenerstahl besteht. Den fälligen Betrag für diesen virtuellen Gegenstand hat der Spieler per Paypal an einen Freund überwiesen. So weit, so gewöhnlich. Was die Situation jedoch außergewöhnlich macht: Nach dem Kauf wurde das Konto des Spielers gesperrt.

Paypal-Kontensperrung durch Sanktionen gegen Syrien

Der Grund dieser Kontosperrung ist nicht etwa eine illegale Handlung oder Transaktion. Er liegt in der angegebenen Betreffzeile bei der Bezahlung: Der betroffene Paypal-Nutzer gab nämlich lediglich das Wort „Damascus“ an, da das Messer eben aus „Damascus steel“ geschmiedet wird.

Hinter der Kontosperrung stehen nach Angaben der Faz Sanktionen, mit denen die USA Syrien belegt haben. Diese Sanktionen werden vom amerikanischen Amt für Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC) festgesetzt, die dann für alle amerikanischen Unternehmen bindend sind. „Falls bei einer Zahlung der Verdacht besteht, dass ein Verstoß gegen die OFAC-Sanktionen besteht, ist Paypal verpflichtet, die Zahl genauer zu prüfen“, kommentierte Paypal gegenüber dem Blatt. Da Damaskus die Hauptstadt von Syrien ist, schlugen die Warn-Algorithmen des Bezahldienstes Alarm.

Wird ein Verstoß gegen Wirtschaftssanktionen vermutet, gehört es zur Standard-Verfahrensweise, dass bei Paypal das entsprechende Konto einschränken wird.

Im aktuellen Beispiel der Paypal-Kontensperrung ging es also nicht – wie von einigen Usern vermutet – um eine Terrorismuswarnung oder den illegalen Kauf eines Messers. Hier zeigt sich vielmehr, wie weitreichend Sanktionen gehen können.

Kommentare  

#5 Thomas 2016-02-25 18:40
Hallo,
das ist doch mal wieder was gutes!! LOL

Wenn ich also einen ungeliebten Mitbewerber schaden will dann kauf ich was bei dem und schreibe als Betreff "Kuba" dazu und schon hat der ein Problem.

Deutschland ein Land voller Narren!
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#4 Fa. Christel Geyer 2016-02-25 13:05
Für ebay kann ich eine ähnliche Praxis bestätigen. Früher haben wir immer mal wieder Briefmarken der Länder Kuba, Nordkorea und Iran eingestellt. Nach kurzer Zeit wurden die Artikel komplett gelöscht mit dem Hinweis auf bestendes Handelsverbot. Dabei hatten wir die Artikel im deutschen Großhandel erworben. Da hilft es nur einfach das Land wegzulassen, was für den Verkauf nicht gerade förderlich ist. Noch besser ist es, auf Ebay ganz zu verzichten.
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#3 Ralf Ternes 2016-02-25 10:13
Einen ähnlichen Fall hatten wir auch. Ein Käufer hatte bei uns über Ebay einen Japan und einen Kuba Aufnäher gekauft und diese beiden Artikel via Paypal bezahlt. Ein paar Tage später war unser Paypal Konto gesperrt mit der Begründung, wir würden Waren aus Kuba verkaufen, was wegen dem Embargo gegen Kuba ja verboten ist. Erst dachte ich, es handelte sich um Fake Benachrichtigun g und die Realität wurde mir erst bewusst, als kein Käufer mehr mit Paypal bezahlen konnte. Erst mit einem Anruf bei Paypal konnte der Sachverhalt Gott sei Dank ziemlich schnell geklärt werden.
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#2 Olli 2016-02-25 09:29
Mir ist das 2014 auch passiert: Weil ich bei einer direkt über Paypal getätigten Zahlung "Havana Club" als Betreff drinstehen hatte, wurde mein Paypalkonto wegen "Verstoß gegen Handelsbeschrän kungen"(USA-Cub a) gesperrt.
Ettliche Telefonate und auch das faxen von angeforderten Unterlagen brachte nichts. Ich wurde nur vertröstet(Tut mir leid, aber Paypal ist ein amerikanisches Unternehmen und wir haben da unsere Vorgaben aus USA?!?!?!), das das erst geprüft werden müsse. Erst als ich dann mit dem einschalten eines Rechtsanwalts und mich an den Händlerbund zu wenden drohte, da es laut IHK in DEUTSCHLAND keine Handelsbeschrän kung mit Cuba gebe und ich als in DEUTSCHLAND tätiger Händler auch nach DEUTSCHEM(und nicht amerikanischem) Recht handeln würde, wurde es dann wieder freigeschalten.
Das Problem war aber, daß ich aufgrund der Kontosperrung keine Artikel mehr in meinem Ebay-Shop einstellen konnte! Denn ohne Paypalkonto(ges perrtes Konto = kein Konto) kann man bei Ebay keine Artikel mit Festpreis einstellen.
Das bedeutete dann: ca 14 Tage kein Paypalkonto und einen Verlust von mehreren Tausend Euro.
Dem Verkäufer, den ich bezahlt hatte, wurde das Konto auch gesperrt. Aber der war nicht darauf angewiesen und nahm die Sache ganz locker.
Ich schreibe seither als Betreff nur noch "wie besprochen" und meinen Ebay-Namen.
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#1 Manfred Kuhn 2016-02-25 09:08
Das ist nichts Neues und ich würde Paypal auch nicht als unkompliziert bezeichnen. Seit langem schon gibt es immer wieder Kontensperrunge n und Geld wird einbehalten, wenn im Artikel oder im Betreff "Cuba" oder "Havanna" vorkommen, ebenfalls wegen des Handelsembargos der USA gegen den Inselstaat. Man kann es nur verhindern, indem man Paypal keine dieser Informationen mehr zur Verfügung stellt, ich pbermittle z.B. nur noch die Artikelnummer, aber keine Texte mehr. Die Aussage der Paypal-Hotline war damals sehr bezeichnend: "Sie arbeiten mit einem amerikanischen Unternehmen zusammen und müssen sich eben an eben die amerikanischen Richtlinien halten. Sie müssen die entsprechenden Artikel aus dem Sortiment nehmen." Soweit käme es noch, daß mir ein Ami vorschreibt, was ich in Deutschland zu tun und lassen habe ...
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