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Das Handy wird zum Portemonnaie

Veröffentlicht: 06.03.2013 | Autor: Redaktion | Letzte Aktualisierung: 06.03.2013

Die Kreditkarte ist inzwischen im deutschen Online-Handel das häufigste Zahlungsmittel und hat das Zahlen durch Lastschrift auf Rang Zwei verwiesen, stellt der im Januar veröffentlichte E-Commerce-Report 2010 der Deutsche Card Services fest. Dabei setzen die Kunden die Kreditkarte relativ häufig bei Warenkorbwerten unter zehn Euro ein. In der Fachzeitschrift e-commerce-Magazin wird derweil schon spekuliert, wie das Bezahlverhalten der Kunden in Zukunft aussehen wird. Nicht nur im Internet, auch im täglichen Leben werden demnach bargeldlose Verfahren die Oberhand gewinnen. Martin Ott vom Vorstand des 2001 in London gegründeten E-Geld-Instituts Moneybookers ist sich sicher: „In fünf Jahren werden weniger als 50 Prozent der Transaktionen noch mit Bargeld abgewickelt. Schon heute ist es oftmals für große Supermarktketten günstiger, EC- und Kreditkarten statt Bargeld zu akzeptieren.“

Es zeichne sich ab, dass die Kunden der Zukunft komfortabel auch kleine Beträge mit dem Handy zahlen werden. Allerdings nicht mit dem heute etwa bei Vodafone üblichen Verfahren, bei dem das Geschäft eine Kurznachricht mit einem Bezahlcode an die angegebene Mobilfunknummer versendet. Abgerechnet wird dieser Betrag derzeit mit der Telefonrechnung. Stattdessen werden die Smartphones der Zukunft mit einem RFID-Chip ausgestattet sein. Near Field Communication (NFC) heißt das Stichwort, das für den Sommer 2011 erwartete, neue I-Phone 5 und Googles Nexus S sollen das schon können. Die Kreditkarten oder Bankkonten wären dann in eWallet-Systemen gespeichert, Zahlungen könnten mit einem einfachen Tastendruck vorgenommen werden. Der Funkchip sendet die Zahlungsdaten über eine Distanz einiger Zentimeter direkt an die Supermarktkasse oder den Fahrkartenautomaten. Die Deutsche Bahn testet das dort als „Touch&Travel“ bezeichnete E-Ticketing-System für Bahnkunden schon seit einiger Zeit mit 3.000 Testkunden.

„Auf einen einheitlichen Standard für die Abwicklung der Transaktion hat man sich allerdings noch nicht geeignet“, schreibt Experte Ott. Die großen Kreditkartenbetreiber wie Visa würden etwa in England großen Wert darauf legen, nicht nur Handys, sondern neu ausgegebene Karten standardmäßig mit derartigen Nahfunk-Chips auszurüsten. Datenschützer gerade in Deutschland befürchten jedoch, dass die Funktechnik dazu missbraucht werden könne, unbemerkt persönliche Finanzdaten auszuspähen oder Bewegungsprofile der Kunden anzulegen.

Dass eine an sich gute Idee nicht immer auf die notwendige Akzeptanz bei der Bevölkerung trifft, wird bei der Geldkarte deutlich. Sie ist zwar das in Deutschland derzeit am weitesten verbreitete Geldbörsensystem, weil es in nahezu allen EC-Karten integriert ist. Jedoch nutzt kaum ein Bürger dieses System, was auch daran liegt, dass es nur wenige Anwendungsmöglichkeiten gibt. Die großen Geldinstitute müssen daher neben der technischen Umsetzung auch dafür sorgen, dass möglichst viele Kunden einen eigenen Nutzen in den künftigen Bezahlsystemen sehen.

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