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Kommentar

Schwaches Finale und ein Abschied: Das war die sechste DHDL-Staffel

Veröffentlicht: 13.11.2019 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 13.11.2019
Die Löwen

In den vergangenen elf Wochen ging es wieder um Ideen, Produkte und Gründer: Die sechste Staffel der Vox-Gründersendung „Die Höhle der Löwen“ endete mit der gestrigen elften Folge. Dabei war der Abschluss der letzten Folge vergleichsweise zurückhaltend. Anstatt die bahnbrechendste Geschäftsidee, die für einen wirklichen Knaller hätte sorgen können, zum Abschluss zu bringen, lassen die Verantwortlichen die Staffel mit einem beruhigenden Konzept eines neuen Kakao-Erlebnisses auslaufen. Ein Pitch, so entspannt wie eine Kakao-Zeremonie in den Bergen. Eine bewegende Geschichte, aber eben kein bahnbrechendes Highlight.

Aber von derartigen Knallern gab es in dieser Staffel ohnehin wenig. Da wurden eher Kosmetikprodukte für das Fitnessprogramm, Rattenstopper für Boote oder Polster für die Staubsaugerbürste vorgeführt.

Goodbye, Frank!

Der große Aufreger zum Finale fiel dann außerhalb der Sendung: Am Tag vorher verkündete Frank Thelen, seit der Premiere dabei, dass er nach der Staffel aufhören werde. Angesichts des Mangels an großen Tech-Innovationen, die eben genau sein Gebiet sind, überrascht das wenig. Da konnten auch die letzten Skateboard-StartUps nichts mehr rausreißen. Dass bei Thelen irgendwie die Luft raus war, war ihm in dieser Staffel dann doch auch anzumerken. 

Hand aufs Herz: Ich war nie der größte Thelen-Fan, aber dass der Schöpfer von Dauerbrennern wie „Das skaliert nicht“ oder „Eure Umsätze sind Mickey-Maus“ die Sendung verlässt, stimmt mich dann doch etwas wehmütig. Vox täte jedenfalls gut daran, einen Tech-Experten als Nachfolger in die Sendung zu holen, sonst droht DHDL eben zum Teleshopping-Schaukasten zu verkommen.

Dümmel top, Kofler flop

Eine weitere Erkenntnis dieser Staffel: Ralf Dümmel ist und bleibt der beliebteste Investor. Das hat die Gründerszene in einer Leserumfrage Anfang Oktober festgestellt. Dümmel dürfte wegen seiner Begeisterungsfähigkeit und seiner großen Investitionsaktivität in der Gunst der Zuschauer stehen. Zudem ist er eigentlich immer fair, selbst wenn er ein Produkt schlecht findet, hat er meistens doch irgendwie noch motivierende Worte für die Gründer übrig.

Unbeliebtester Löwe ist dagegen Georg Kofler, den 22 Prozent der Gründerszene-Leser gern aus der Jury kicken würden. Kofler hat vor allem in dieser Staffel, die eigentlich seine erste war, mit seiner aufbrausenden Art für Aufsehen gesorgt. Beim Pitch von Sirplus platzte Kofler die Hutschnur, er warf den Gründern vor, als Moralapostel aufzutreten, aber eigentlich „obergierige Kapitalisten“ zu sein. Auch in anderen Folgen zeterte Kofler immer mal wieder plötzlich los. 

...und dann spricht Kofler von „rotgrünen Illusionen“

Irritierend war dann seine Äußerung auf Twitter nach der letzten Sendung der aktuellen Staffel: Nachdem er sich bei den anderen Löwen und dem Vox-Team bedankt hatte, unterstrich er die Bedeutung des Unternehmergeistes in Deutschland, politisierte dabei aber seine Aussage: „Je mehr rotgrüne Illusionen propagiert werden, desto wichtiger ist solides und realistisches Unternehmertum“, so Kofler. Eine Aussage, die angesichts der „Friday for Future“-Bewegung nicht mehr wirklich zeitgemäß ist.

Dass Kofler als Unternehmer kein Fan der SPD, Linken oder Grünen sein dürfte, geschenkt. Muss er auch nicht sein. Aber von propagierten „rotgrünen Illusionen“ zu schwadronieren, ist schon ein starkes Stück. Zumal man sich diese Politisierung durchaus hätte sparen können.

Keine Chance für Nachhaltigkeit

Aber gut, in der Höhle der Löwen geht es eben darum, Ideen zu unterstützen, die möglichst schnell möglichst viel Gewinn abwerfen. Das war noch so eine Auffälligkeit dieser Sendung: Es gab einige Unternehmen, die Ideen für mehr Nachhaltigkeit (Kaffeekapseln aus Holz oder eben ein Marktplatz für abgelaufene Lebensmittel) oder anderen gemeinnützigen Bereichen (Sichtschutz vor Gaffern bei Unfällen) vorgestellt haben. 

Und obwohl die Löwen einvernehmlich geäußert haben, dass es super wichtig sei, hielten sie sich dann beim Investment doch zurück. Zu viel Arbeit, zu wenig Umsatzpotenzial, zu schwieriger Markt – Nachhaltigkeit und gemeinnützige Ideen sind eben doch kein Geschäft für die Löwen. 

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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