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#MeinungsMicha

Dürfen die Löwen in diesen Tagen brüllen?

Veröffentlicht: 10.03.2020 | Autor: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 11.03.2020
Die Löwen untersuchen ein Produkt

Keine Frage: Die Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“ gehört zu den beliebtesten Formaten, die das private Fernsehen in den vergangenen Jahren gestartet hat. Und ich wünschte sooo sehr, dass ich einen Meinungsartikel schreiben könnte, ohne auf das allseits präsente Coronavirus einzugehen. Glauben Sie mir, ich habe lange darüber nachgedacht und verschiedene Themen betrachtet – aber in diesen Tagen kommt man an den Meldungen eben nicht vorbei.

Damit scheitert auch mein Versuch, etwas zu schreiben, was einmal nicht mit Covid-19 zusammenhängt. Zwecklos. Meldungen über das Coronavirus trudeln seit Tagen im Minutentakt ein: Die Zahl der Infizierten in Deutschland steigt, Italien erklärt das gesamte Land zur Sperrzone, die Wirtschaft leidet, die Aktienmärkte brechen reihenweise ein, Marktplätze untersagen den Verkauf von Mundschutz und Desinfektionsmittel zu Wucherpreisen und Donald Trump wackelt in Regenjacke und Basecap durch ein Labor.

Wie groß wird die Schere sein?

Angesichts der aktuellen Lage kann und muss man sich fragen: Wie passend ist da nun der Start der aktuellen DHDL-Staffel? Vox hatte die sechste Staffel in zwei Teile getrennt, um den treuen Fans der Show die Wartezeit auf die nächste Runde zu verkürzen. Der zweite Teil der sechsten Staffel – inzwischen einfach zur Staffel 7 umgebrandet, damit die Zuschauer möglichst wenig, aber doch ein bisschen verwirrt werden – fällt nun mitten in die Corona-Krise. 

Und während die Aktienmärkte unter Druck stehen, flimmert eine Sendung über die Bildschirme, in denen am laufenden Band über Wachstum, Skalierbarkeit und das nächste große Ding geredet wird. Wie groß ist die Schere zwischen einer abgeriegelten Region, die gegen das Virus kämpft, und einem Frank Thelen oder Carsten Maschmeyer, der sich über die wahnwitzige Millionenbewertung eines Jungunternehmens echauffiert?

Dazu kommt, dass die Löwen bei gemeinnützigen Unternehmen wie etwa dem Pfandring, der eine sichere Möglichkeit zum Abstellen von Pfandflaschen an öffentlichen Orten für Bedürftige, oder der Gafferwand, die bei Unfällen die Opfer und Retter vor Schaulustigen schützen soll, immer mehr als zurückhaltend agiert haben. Denn, so das Argument der Investoren, derartige Produkte sind nur schwer zu vermarkten, bringen keinen wirklichen Gewinn und skalieren in etwa so gut wie ein Stein. 

Opium für's Volk?

Jetzt muss man natürlich festhalten, dass es weder die Schuld der Investoren, noch der Show-Macher ist, was gerade passiert. Und zum Zeitpunkt des Drehs (irgendwann im Frühjahr 2019) gab es den Covid-19 genannten Stamm des Coronavirus noch gar nicht. Dass die Sendung deshalb in irgendeiner Art und Weise auf die aktuelle globale Entwicklung eingeht, ist unwahrscheinlich. 

Im besten Fall bringt die neue DHDL-Staffel ein wenig Ablenkung in die Corona-überladene Medienlandschaft. Brot und Spiele, Opium für's Volk, Löwen gegen Corona – und ja, auch ich werde mir die Sendung anschauen. Realitätsfern wird es an der ein oder anderen Stelle aber unweigerlich werden. Aber das „Reality“ in Reality TV steht ja schon lange nicht mehr für die tatsächliche Realität...

Über den Autor

Michael Pohlgeers Experte für Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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