#MeinungsMicha

Bei den Pinky-Gloves wurde eine Grenze überschritten

Veröffentlicht: 20.04.2021 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 20.04.2021
Tampon auf rotem Untergrund

Eine Woche kochte das Internet nun über und das Thema Menstruation war in aller Munde. Auslöser des Ganzen: Der Pitch des StartUps Pinky in der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“. Die beiden Gründer – zwei selbsternannte „Frauenversteher“ – stellten ihre Erfindung vor, die sie als Problemlöser für Frauen positionierten: Einen Gummihandschuh mit Klebestreifen, durch den die Entnahme des Tampons hygienischer ablaufen solle und dieser dann diskreter entsorgt werden könne. Und natürlich wurde das Produkt pinkfarben gestaltet.

Männer, die auf Tampons starren

So weit, so daneben. Menstruation wurde wieder als Tabuthema gehandelt, als abstoßend und beschämend stigmatisiert, dazu noch die farbliche Sexismuskeule. Dass sich dann weder Judith Williams, noch Dagmar Wöhrl, wohl aber Ralf Dümmel für den Deal begeistern konnte, schlug dem Fass den Boden aus. Drei Männer, die ein „Frauenproblem“ lösen – ohne, dass eine Frau irgendwie an der Sache beteiligt ist oder viele Frauen (und auch Männer) überhaupt ein Problem verorteten. Da wurden schon so einige Alarmglocken bei allen Beteiligten ignoriert.

Was folgte, war heftige Kritik, die sich zum Shitstorm entwickelte. Wohin man in der letzten Woche auch sah, auf jedem sozialen Kanal tauchten die Pinky-Gloves auf und wurden in Grund und Boden kritisiert. Das erste Statement der Gründer, man sei „von zahlreichem Feedback überwältigt“, konnte die Wogen kaum glätten. Das offenbar abgelesene Video-Statement kam wenig überzeugend daher, aber zu dem Zeitpunkt war es vermutlich ohnehin ein Kampf auf verlorenem Posten. 

Anfeindungen bis zu Morddrohungen

Nach einer Woche Shitstorm und Kritik haben die Gründer und Ralf Dümmel dann die Reißleine gezogen: Pinky gibt auf, das Produkt wird vom Markt genommen. „Der Markt hat geregelt“, würden wohl einige sagen. Und trotzdem wurde eine Grenze überschritten: Denn die Pinky-Gründer erklären in ihrem letzten Instagram-Beitrag, dass sie das Geschäft auch aufgeben, weil sie sich heftigsten Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sahen. „Wir werden auf offener Straße attackiert und beschimpft“, schreiben die beiden Gründer. Auch ihre Familien und Angehörigen seien angegriffen und bedroht worden. 

So problematisch das Produkt und die Idee dahinter auch war, bei Gewaltandrohungen hört jede Kritik auf. Sachliche, auch deutliche und heftige, Kritik an einem Produkt ist wichtig und nötig, aber wer Menschen und deren Familien Morddrohungen schickt, sollte selbst einmal das eigene Handeln reflektieren. Wie so oft gilt: Wer schreit, verliert – und wer im Netz hasst und hetzt, genauso.

Über den Autor

Michael Pohlgeers
Michael Pohlgeers Experte für: Marktplätze

Micha gehört zu den „alten Hasen“ in der Redaktion und ist seit 2013 Teil der E-Commerce-Welt. Als stellvertretender Chefredakteur hat er die Themenauswahl mit auf dem Tisch, schreibt aber auch selbst mit Vorliebe zu zahlreichen neuen Entwicklungen in der Branche. Zudem gehört er zu den Stammgästen in den Multimedia-Formaten OnAir und OnScreen.

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