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Interview mit Loupus - Coupons mit Biss.

Veröffentlicht: 18.06.2012 | Autor: Redaktion | Letzte Aktualisierung: 18.06.2012
Interview mit Loupus - Coupons mit Biss.

Hallo Loupus, schön euch kennen zu lernen. Stellt euch und eure Plattform doch bitte kurz unseren Lesern vor.

Wir sind vier Freunde und eine Französische Bulldogge. Unsere Charaktere liegen sich allesamt diametral entgegen - und genau hierin liegt unsere Stärke. Gemeinsam werden wir eine zweite Werbe-Revolution von Leipzigs Boden aus starten. 1895 wurde hier die Mustermesse erfunden, 2011 das erste Do-It-Yourself Coupon-System. Jeder Unternehmer kann sich in wenigen Minuten seine eigene Coupon-Kampagne kostenlos erstellen. Dabei kann er Rabatthöhe, maximale Ausgabemenge, Laufzeit, etc. individuell festlegen. Die Kampagne kann jederzeit den aktuellen Geschehnissen angepasst werden. Der Unternehmer zahlt lediglich für jeden ausgedruckten Coupon den Gegenwert einer Briefmarke – 55 Cent. Die Kunden profitiert natürlich auch: Sie erhalten die Coupons kostenlos und beim Anbieter den angebotenen Rabatt.

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen? Was macht euch besonders?

Durch einen erinnerungswürdigen Zufall! Mein Hund Loupus biss im Spiel einen Autowäsche-Coupon in einer Ausgabe der Sachsen Sonntag ziemlich exakt aus. Als überzeugter Radfahrer hatte ich zwar keine Verwendung für den Gutschein, gleichzeitig konnte ich ihn allerdings auch nicht einfach wegwerfen, fand ich doch die damit verbundene Geschichte viel zu rührend.

Während eines Spazierganges mit meinem heutigen Partner Jörg Petzschler zückte ich den ausgebissenen Coupon und wollte ihm diesen schenken – natürlich nicht ohne zu erwähnen, was es damit auf sich hat. Schmunzelnd erklärte er mir, dass er aller 14 Tage sein Auto mit genau solch einem Coupon bei Clean-Car in der Lützner Straße waschen geht.

Als absoluter Coupon-Leihe fragte ich nach, worin genau der Sinn besteht, wenn ein Unternehmen in jeder Zeitungsausgabe mit einem 50% Rabatt wirbt. Diese Frage war das Stichwort für Jörg. Endlich hatte er jemanden gefunden, bei dem er mit seinem frisch erworbenen BrandEins-Magazin-Wissen über die US-Couponplattform coupons.com brillieren konnte. In den kommenden Stunden konzipierten wir einen Großteil des heutigen Portals. Noch bevor wir von unserem Spaziergang wieder zu Hause waren, hatte unser Projekt einen Namen: Loupus – Coupons mit Biss! Selbstredend befindet sich der ausgebissene Clean-Car Coupon noch immer in unserem Besitz, wenn auch (noch) nicht im eigens dafür gebauten Tresor, obgleich es etliche Parallelen mit Onkel Dagoberts Glückskreuzer gibt.

Welche Hürden hattet ihr bei der Gründung zu meistern und wie habt ihr die Plattform finanziert?

Der formale Akt der Gründung bereitete uns wenig Probleme, da Jörg als studierter Betriebsökonom immenses theoretisches Vorwissen mitbrachte. Allerdings war das natürlich nur der Startschuss.

Ein fortwährendes Problem ist das Finden und Binden von talentierten Programmierern. Zunächst suchten wir mit witzigen Stellenausschreibungen im Quellcode-Stil an der Universität und HTWK Leipzig. Mit Hilfe der Dozenten fanden wir einen Promotionsstudenten, der bereits Erfahrung als Projektmanager bei der Unister GmbH gesammelte hatte. Allerdings unterschätzten wir ganz gehörig die Zeit, die für eine erfolgreiche Promotion benötigt wird. Die Entwicklung verlief so schleppend, dass wir uns nach einer Alternative umsahen. Wir wendeten uns an eine Werbeagentur. Rückblickend war das der größte Fehler, den wir begangen haben. Auch wenn wir uns anfangs hervorragend betreut gefühlt haben, waren wir offenbar die ganze Zeit über für das Team lediglich eine goldene Kuh, die gemolken werden sollte. Wir beendeten unsere Zusammenarbeit, als wir die fälschlicherweise mitgesendeten Logfiles ausgewertet haben. Die Abweichung zwischen geleisteter und abgerechneter Arbeit betrug 74 Stunden zu 280 Stunden. Wie bei vielen Trennungen, endete auch unsere vor Gericht. Letztlich einigten wir uns mit auf einen Vergleich. Das zurückerstattete Geld war dringend nötig, da wir von der Agentur lediglich einen mehr oder minder klickbaren Dummy bekommen haben, mit dem wir nicht live gehen konnten. Während der gesamten Projektzeit haben wir insgesamt mit sieben Entwicklern intensiv zusammengearbeitet. Unsere anfänglich sehr optimistischen Einschätzungen in Bezug auf die Entwicklung und Verbreitung von Loupus, sehen wir mittlerweile etwas realistischer. Es ist viel Zeit und Anstrengung nötig, um ein neues StartUp wirklich erfolgreich zu machen. Das sollte man auf keinen Fall unterschätzen.

Wie habt ihr Loupus bei Verbrauchern und potentiellen Gutschein-Anbietern bekannt gemacht?

Wir sind sehr einfallsreich, was wir aufgrund unserer finanziellen Mittel auch sein müssen. Mit Guerilla-Marketing und den verschiedenen Spielarten (Ambient, Ambush und Viral Marketing) versuchen wir auf uns aufmerksam zu machen. So wird beispielsweise im Winter kurzerhand der Schnee auf den Autos zur Werbefläche. Diese, bei Petrus gesponserte Werbemöglichkeit, nennen wir kurz „Snowbranding“. Im Sommer montierten wir beispielsweise Basketball-Körbe an sämtliche Mülleimer im Leipziger Johanna-Park. Wir wollten nachweisen, dass man mittels Spaß die Menschen positiv beeinflussen kann.

Nun könnte der Leser meinen, die Verbraucher und potentiellen Gutschein-Anbieter rennen uns nach solch einer Aktion das Portal ein. Leider ist dem nur bedingt so. Es fehlt uns bisher jemand im Team, der es schafft, gezielt die Medien auf uns aufmerksam zu machen. Denn der Nachteil all dieser Aktionen ist es, dass sie räumlich stark zentriert sind.

Auf eurer Website steht: Gemeinsam mit unseren Facebook Fans entwickelt. Was heißt das genau?

Unsere Wunschvorstellung ist es, dass wir jedem interessierten Nutzer einen Platz direkt neben uns am virtuellen Schreibtisch einräumen. So nutzen wir die kollektive Intelligenz aller registrierten Mitglieder um gemeinsam die innovativsten Features zu entwickeln. Wir sind davon überzeugt, dass die Bindung zur Idee Loupus dadurch nachhaltig gefestigt wird.

So haben wir beispielsweise einen Loupus-Logo-Wettbewerb ausgerufen. Letztlich hat sich das Team für drei Varianten entschieden und die Fans darüber abstimmen lassen. Der Sieger ziert seit diesem Tag unsere Webseite, Visitenkarten, etc. Es kommen aber auch konkrete Weiterentwicklungsvorschläge. Die Echtzeit-Coupon-Vorschau während des Einstellprozesses geht z.B. auf einen gewerblichen Loupus-Fan zurück.

Abseits der Entwicklung involvieren wir unsere Fans ebenso. Beispielsweise benötigen wir für diverse Videos regelmäßig Schauspieler. So haben wir für unseren Nachtcafé Coupon vier attraktive weibliche Fans vor die Kamera geholt.

Gab es bisher Gutscheine, die euch selbst ins Staunen versetzten? Etwas besonders skurriles und ausgefallenes beispielsweise?

Loupus Anspruch ist es, dass nirgends die Wahrscheinlichkeit größer ist, den gesuchten Coupon zu finden. Unser Geschäftsmodell eignet sich ideal für Produkte und Dienstleistungen des Long-Tails, also aus Nischen. So bleibt es nicht aus, dass es einige besonders skurrile Coupons gab und gibt. Mein persönlicher Favorit war ein 500€ Wertcoupon von einem Ghostwriter. Marketing-technisch hätte er sein Angebot unmittelbar zurzeit der zu Guttenberg Affäre schalten müssen, dann wäre das höchstwahrscheinlich medial verbreitet worden und der Ghostwriter und Loupus berühmt. Weitere bizarre Gutscheine waren eine Intimfrisur beim Leipziger Kreativfriseur Agater, ein Besuch im Swinger-Club und eine Nackt-Yoga-Stunde.

Wie geht es mit Loupus weiter? Gibt es schon konkrete Pläne für die Weiterentwicklung?

Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck daran, dass komplette System mit interessanten Spielmechanismen zu erweitern. Auf diese Weise wollen wir uns noch klarer von der gesamten Konkurrenz abheben und die Motivation unserer Nutzer weiter steigern mit Loupus zu interagieren.

Auch weiterhin werden die Coupons für die Nutzer kostenlos bleiben. Um allerdings die derzeitige Einlösequote von 56% zu steigern, muss künftig der Nutzer mit einer sozialen Interaktion bezahlen. Durch die vermehrten Bewertungen, Kommentare, Empfehlungen hat die gesamte Community etwas davon. Entsprechend seines Aktivitätsscores erhält der Nutzer Auszeichnungen und schaltet nach und nach immer mehr Funktionen frei. So kann er ab dem Meistergrad die Coupons auch via App abrufen und spart sich das Ausdrucken.

Eine erste Version hiervon testen bereits einige treue Facebook Fans. Alle anderen kommen in den nächsten Tagen in den Genuss des „spielenden Sparens“.

Vielen Dank für das Interview!

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