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Österreichischer Gründer über sein StartUp zwischen Innovation und Tradition

Veröffentlicht: 19.03.2013 | Geschrieben von: Ariane Nölte | Letzte Aktualisierung: 19.03.2013
Österreichischer Gründer über sein StartUp zwischen Innovation und Tradition

Sie entwerfen Möbel und Einrichtungsgegenstände mit besonderen funktionalen Komponenten. Welche Philosophie steckt dahinter?

Unsere Philosophie erklärt sich in unseren Produkten und Entwicklungen. Auf der einen Seite steht der natürliche Werkstoff Holz als Grundlage (multi)funktioneller Produkte. Auf der anderen Seite stehen modernste technologische Ansprüche. Zwischen diesen beiden Ufern sind wir die Brückenbauer. Sei es das für das Österreichische Weltraumforum ÖWF entwickelte transportable Missioncontrolcenter, das die kommunikative Schnittstelle zwischen den Weltraumbehörden ÖWF, ESA und NASA für künftige Marsmissionen ist oder unsere Designprodukte für die gehobene Möbelindustrie: Tradition gekoppelt mit Innovation – das ist unsere Firmenphilosophie.

Für Ihr neuestes Projekt kombinieren Sie regionales Eichenholz aus dem österreichischen Mühlviertel mit Datenaustausch über NFC-Tags. Wie passt das zusammen?

Perfekt würde ich meinen. Das Eichenholz ist ja schon per se Informationsträger, da sich aus den Jahresringen etwa Wetterdaten der letzten Jahrhunderte ableiten lassen. In dieses Trägermedium passen wir die NFC-Tags ein. Die neueste smartphone-Technologie in ein jahrhundertelang gewachsenes Holz einzuarbeiten – ich kann mir kaum eine passendere Synergie vorstellen. Zudem belassen wir das Holz in seinem natürlichen Zustand und beziehen es aus der Region. Das ist Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und Innovation in einem Produkt – darauf sind wir schon ziemlich stolz. Wenn ich sehe, dass meine 4-jährige Tochter damit schon problemlos zurechtkommt, weiß ich, dass wir damit etwas Zukunftstaugliches geschaffen haben.

Wie können Ihre NFC-Tags im rustikalen Gewand den Alltag der Verbraucher bereichern? Welches Potenzial sehen Sie darin?

Das Potenzial lässt sich vorerst nur erahnen, selbst wir, die wir damit Tag und Nacht befasst sind, können noch keine Grenzen erkennen. Wie umständlich ist es etwa, sein Handy in den Lautlos-Modus zu schalten – mit unseren NFC-Tags benötigen Sie dafür nicht einmal einen Fingertipp auf das Handydisplay. Unsere NFC-Tags können aber auch sicherheitsrelevante Funktionen beinhalten, die im Gesundheits- oder Altenpflegebereich nützlich sein können: Blutgruppenbestimmung in Echtzeit etwa. Oder denken Sie an das Freisprechen in Autos: Mit unseren NFC-Tags sind Sie bei Ablegen des Handys im gleichen Augenblick mit der Freisprecheinrichtung verbunden. Wir sind laufend dabei, unsere Produktpalette zu erweitern.

Wie haben Sie den Gründungsprozess Ihres Unternehmens wahrgenommen? Welche Hindernisse mussten Sie dabei überwinden?

Ähnlich wie in Deutschland gilt es auch in Österreich anfängliche bürokratische Hürden zu meistern. Ich persönlich hatte rasch erste Designaufträge in der Möbelindustrie, aber es war auch schnell klar, dass sich der langfristige Erfolg nur einstellt, wenn ich auch neue Wege beschreite. Designer gibt es viele. Leute, die gelerntes Handwerk mit Erfindergeist und Design kombinieren können, gibt es wenige. Da liegt meine persönliche Stärke und die bringe ich in das Unternehmen ein.

© Mario Kozuh-SchneebergerGlauben Sie Österreich ist bereit für jungen Gründergeist? Wie steht es um das dortige Ökosystem für StartUps?

Ich denke, dass man in Österreich mit dem Möbel Holzbaucluster und der Jungen Wirtschaft die Grundlagen für einen Boom geschaffen hat. Nun gilt es, die vielen kreativen Dornröschen auch mit Mitteln der Wirtschaftskammer zu wecken und zu fördern. Europa braucht mutige Initiativen, um der Noch-immer-Wirtschaftsmacht-Nummer-1 USA oder dem in Sieben-Meilen-Stiefeln daher brausenden China auf Dauer Paroli bieten zu können. Mit einer Portion Verrücktheit, mit Mut und Intelligenz ist viel drin. Wenn ich einer der Mutigen und Verrückten sein darf, um Ihren Teil beizutragen: ich bin bereit und freue mich auf jene, die es mir gleich tun. Im Wettbewerb der Ideen können wir nur gewinnen.

Produkte von Mario Kozuh-Schneeberger, die sich NFC-Tags zu Nutze machen, gibt es im Online-Shop des Künstlers.

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