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Berlin im Rennen um europäische Gründer-Metropole

Veröffentlicht: 08.10.2013 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 08.10.2013 | Gelesen: 3616 mal
Berlin im Rennen um europäische Gründer-Metropole

Betrachtet man das Potenzial von Berlin, so sieht die Zukunft äußerst vielversprechend aus. Bis 2020 könnten in der Hauptstadt mehr als 100.000 neue Arbeitsplätze entstehen – und zwar nur mithilfe junger Unternehmen. Und die Zahlen sprechen für sich: Die Ergebnisse der aktuellen Studie von McKinsey & Company zeigen, dass in Berlin fast drei mal mehr Unternehmensgründungen vorgenommen werden als in der Bayerischen Hauptstadt München.

Außerdem investierten im vergangenen Jahr in- und ausländische Wagniskapitalgeber rund 133 Millionen Euro in StartUps. – Das ist fünfmal so viel wie in Baden-Württemberg, siebenmal so viel wie in München und knapp zehnmal so viel wie in Hamburg. Trotz dieser positiven Bilanz (und der durchaus möglichen Position als Gründer-Metropole) gibt es Verbesserungsmöglichkeiten.

Möglichkeiten der Optimierung sind vorhanden

Die Leiterin des Berliner McKinsey-Büros, Katrin Suder, nennt als Optimierungspunkte für den Status als führende Gründer-Metropole die grundlegende Förderung von Gründern und Talenten, die Kapitalbeschaffung für StartUps innerhalb der Wachstumsphase sowie das Networking zwischen jungen und etablierten Unternehmen. Nur wenn die vorhandenen Potenziale ausgeschöpft und notwendige Verbesserungen an den genannten Punkten erfolgten, könne Berlin auch international auf die Konkurrenz wie London, Paris oder Tel Aviv aufschließen.

„Als Start-up-Metropole stößt Berlin auf größte Aufmerksamkeit. Dieses Momentum wollen wir gemeinsam nutzen, um Berlin wirtschaftlich weiter voranzubringen. Die Studie von McKinsey liefert dazu wertvolle Ansätze und Ideen. Gemeinsam mit den Wirtschaftsfördereinrichtungen, Kammern, Verbänden, etablierten Unternehmen und den Start-ups werden wir uns mit aller Kraft einsetzen, die führende Start-up-Metropole Europas zu werden“, sagt der amtierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit.

Berlin sollte sich der Studie zufolge an den internationalen Vorbildern orientieren und eine „Delivery Unit“, also eine zentrale Anlaufstelle schaffen, um die örtliche StartUps-Szene und den Geist der Gründer-Metropole zu stärken. Um junge Unternehmen weiter und intensiver zu unterstützen, müssten sowohl politische, wirtschaftliche als auch universitäre Instanzen eingreifen und durch konkrete Initiativen helfen.

Mit fünf Initiativen zur Gründer-Metropole

Die „Neue Berliner Gründerzeit“ soll Studierende und Professoren für das Thema Gründung sensibilisieren und gezielte Impulse geben. Mitarbeiter und Wissenschaftler an Forschungseinrichtungen und -instituten können für besondere Leistungen im Bereich Gründung ausgezeichnet und der existierende Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg ausgeweitet werden. Außerdem soll das „Berliner Gründercurriculum“ alle entsprechenden Aktivitäten bündeln und somit dem Ruf einer Gründer-Metropole gerecht werden.

Die „One-Stop-Agentur Berlin“ könnte dafür sorgen, dass StartUps durch den Senat und die städtische Verwaltung besser unterstützt werden. Eine Multilinguale „Start-up-Serviceagentur“ könnte für in- und ausländische Jungunternehmer als Anlaufstelle dienen, die beispielsweise als Hilfe durch den deutschen Bürokraten-Dschungel agiert.

Eine räumliche StartUp-Ballung könnte ein „Berliner Gründer-Campus“ bieten: Hier wären zentrale und flexibel mietbare Büroflächen von Vorteil, die sowohl Jungunternehmen mit Hauptaugenmerk auf digitale Geschäftsmodelle als auch bereits etablierten Firmen und Investoren zur Verfügung stehen. So könnten ein perfektes Networking und entsprechende Förderungen gewährleistet werden.

Ein eigens für Jungunternehmer konzipierter „Start-up-Fonds Berlin“ wäre für die Unterstützung der „jungen Wilden“ eine lohnende Idee. Der Privatfonds mit etwa 100 Millionen Euro könnte eine finanzielle Absicherung in den Anfängen der StartUps garantieren – ein wichtiger Punkt, um als Gründer-Metropole zu gelten. Als Finanzgeber wären hier vor allem Konzerne und mittelständische Unternehmen möglich.

Zu guter Letzt könnte die Initiative „Das Berliner Gründernetzwerk“ als Network-Schnittstelle dienen, die Erfahrene und Neulinge im Bereich der Gründung zusammenbringt und somit vielversprechende Verbindungen schafft.

Es gibt also anscheinend doch noch mehr Arbeit zu leisten als anfangs gedacht: Trotz der durchaus positiven Zahlen wird sich Berlin wohl noch Einiges einfallen lassen müssen, um den Status einer führenden Gründer-Metropole zu erhalten.

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