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Transportschaden – Wer haftet, wenn Ware beschädigt ankommt?

Veröffentlicht: 16.09.2013 | Autor: Katja Naumann | Letzte Aktualisierung: 12.06.2017 | Gelesen: 317572 mal

Egal wie gut die Ware verpackt ist, Transportschäden sind ein Thema, das im Online-Handel alltäglich ist. Ärgerlich sind Transportbeschädigungen sowohl für den Händler wie auch den Kunden. Dabei stellt sich schnell die Frage, wer das Transportrisiko zu tragen hat und für die Transportschäden haftet.

Paket mit beschädigtem Inhalt

Transportschäden - wer haftet?

Geregelt ist der Gefahrübergang beim Versendungskauf in § 447 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Online-Händler müssen jedoch beachten, dass dieser Paragraph bei einem sogenannten Verbrauchsgüterkauf nicht greift, dieser bezeichnet gemäß § 474 Abs. 1 BGB die Situation, in der ein Verbraucher von einem Unternehmer eine bewegliche Sache kauft. Wie in § 474 Abs. 2 BGB geregelt ist, findet der § 447 BGB zum Gefahrenübergang beim Versendungskauf, bei dieser Form des Kaufvertrages keine Anwendung. Das Transportrisiko und damit die Haftung für Transportschäden trägt bei einem Verbrauchsgüterkauf stets der Unternehmer.

Übertragung des Versandrisikos in den AGB?

In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Versandhändlern tauchen häufig Klauseln auf, mit denen das Transportrisiko und die Haftung für Transportschäden auf den Kunden übertragen werden soll. Klauseln und Formulierungen in den AGB wie zum Beispiel „Das Transportrisiko hat der Käufer zu tragen. “ sind im Verbrauchsgüterkauf jedoch unzulässig und damit auch nicht rechtskräftig. Festgelegt ist dieser Ausschluss von abweichenden Vereinbarungen zum Nachteil des Verbrauchers in § 475 Abs. 1 BGB.

Welche Rechte hat der Verbraucher bei Transportschäden?

Wenn die Ware auf dem Transportweg zum Verbraucher beschädigt wird, kann der Kunde beim Verbrauchsgüterkauf einen Sachmangel gemäß § 434 BGB geltend machen, da die Beschädigung vor der Übergabe an ihn, also vor dem Gefahrübergang erfolgte. Infolge dessen kann der Verbraucher sich gegenüber dem Händler auf sein Widerrufsrecht gemäß § 355 BGB oder seine Gewährleistungsrechte gemäß § 437 BGB berufen.

Bei der Entscheidung für einen Widerruf ist der Händler verpflichtet, den vollständigen Kaufpreis zurückzuzahlen, während der Kunde die erhaltene Ware zurücksenden muss. Bei der Inanspruchnahme der Gewährleistungsrechte hat der Kunde zuerst das Recht auf Nacherfüllung, also die Beseitigung des Mangels oder die Lieferung einer mangelfreien Sache.

Egal wofür sich der Kunde entscheidet, der Online-Händler ist sein direkter Ansprechpartner, denn mit dem Transportunternehmen muss er sich nicht in Verbindung setzen. Die Geltendmachung eines Schadens beim Logistiker obliegt allein dem Händler. Dieser muss allerdings auch haften und gegebenenfalls den Kaufpreis erstatten, bevor der Schaden vom Versandunternehmen reguliert wurde.

Wer trägt die Nacherfüllungskosten?

Entscheidet sich der Kunde für die Geltendmachung seiner Gewährleistungsrechte nach § 437 BGB fallen in der Regel für die Nacherfüllung gemäß § 439 BGB, sei es die Reparatur oder die Neulieferung Kosten an. Die Frage, wer diese zu tragen hat, ist klar zu beantworten – der Unternehmer trägt beim Verbrauchsgüterkauf sämtliche, mit der Nacherfüllung verbundenen Kosten. Dabei muss beachtet werden, dass eine Einschränkung des Wahlrechtes zwischen Nachbesserung und Neulieferung nicht zulässig ist, und eine der Optionen nur im Ausnahmefall verweigert werden kann. Möglich wäre dies beispielsweise, falls eine Art der Nacherfüllung unverhältnismäßig hohe Kosten verursachen würde.

In welchem Zeitraum müssen Transportschäden gemeldet werden?

Eine fristgebundene Rügepflicht des Käufers ist im Verbraucherrecht nicht vorgesehen. Das bedeutet, es gibt auch keine unverzügliche Mängelanzeigepflicht für Transportschäden im Verbrauchsgüterkauf. Der Kunde ist demnach nicht verpflichtet, die erhaltene Ware innerhalb einer bestimmten Frist zu überprüfen und einen Schaden anzuzeigen. Auch eine gegebenenfalls in den AGB angegebene Rügefrist wie zum Beispiel „Der Käufer ist verpflichtet, die Ware nach Erhalt unverzüglich auf Transportschäden zu untersuchen, und diese innerhalb von maximal 10 Tagen schriftlich zu rügen.“ ist nicht zulässig und damit wirkungslos.

Schließlich könnte eine solche Frist dazu führen, dass die Gewährleistungsansprüche des Verbrauchers eingeschränkt werden, falls dieser den Schaden nicht sofort bemerkt. Der Käufer kann also auch noch nach Wochen oder Monaten seine Gewährleistungsrechte in Anspruch nehmen, denn gemäß § 438 Abs. 1 Nr. 3 BGB beträgt die regelmäßige Gewährleistungspflicht beim Verbrauchsgüterkauf zwei Jahre.

Wer trägt die Beweislast für Transportschäden?

Innerhalb der ersten sechs Monate nach Erhalt der Ware gilt beim Verbrauchsgüterkauf eine Beweislastumkehr zugunsten des Verbrauchers. Für den Händler bedeutet diese Regelung, dass er innerhalb dieser sechs Monate verpflichtet ist nachzuweisen, dass die Sache zum Zeitpunkt des Gefahrübergangs, also bei der Übergabe, noch mangelfrei gewesen ist.

Wer haftet für Transportschäden bei Verträgen zwischen Unternehmern?

Transportschäden können natürlich auch bei Sendungen auftreten, die von Unternehmer zu Unternehmer verkauft wurden. Bei diesen Kaufverträgen handelt es sich nicht um einen Verbrauchsgüterkauf, sodass andere Regeln gelten als im B2C-Geschäft. Während bei Verträgen zwischen Unternehmern und Verbrauchern das Transportrisiko grundsätzlich beim Händler liegt, greift bei Versandverträgen im B2B-Bereich tatsächlich § 447 BGB, laut dem das Transportrisiko auf den Käufer übergeht, „sobald der Verkäufer die Sache dem Spediteur, dem Frachtführer oder der sonst zur Ausführung der Versendung bestimmten Person oder Anstalt ausgeliefert hat.“

Demnach kann der gewerbliche Käufer keinen Ersatz vom Verkäufer verlangen, wenn die Ware auf dem Transportweg Schaden nimmt. Anders als bei Fernabsatzverträgen zwischen Unternehmer und Verbraucher können zwischen Gewerbetreibenden auch Rügefristen vereinbart werden. Bei Käufen, die für beide Geschäftspartner ein Handelsgeschäft darstellen, ist die Rügefrist in § 377 HGB (Handelsgesetzbuch) gesetzlich geregelt. Aber auch Regelungen in den AGB sind für die Geschäfte zwischen Gewerbetreibenden möglich.

Beim Versand von Waren besteht jedoch nicht nur das Risiko von Transportschäden, sondern auch das Risiko des Transportverlusts, das in einem weiteren Artikel separat betrachtet wird.

Kommentare  

#44 Redaktion 2019-01-11 13:51
Hallo Robert,

lieben Dank für deine Nachricht. Bei deiner Frage handelt es sich jedoch um ein sehr spezifisches Problem. Daher würden wir dir empfehlen, den direkten Kontakt zu einer kompetenten Rechtsberatung einzuholen.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#43 Robert 2019-01-11 01:30
Liebe Redaktion,

wir haben für unsere Tochter einen Roller online gekauft. Die Seite hat eine deutsche Domaine, aber offenbar ihren Firmensitz in Tschechien. Nach Annahme des Pakets durch einen Nachbarn sah ich beim Auspacken einen großen Lackschaden, verursacht durch einen Transportschade n (großes Loch im Pappkarton, Schutzfolie durchstoßen, Lacksplitter ebenda).

Nach Anzeige des Schadens durch uns verweist der Händler auf seine AGBs:

"16. Reklamation und Garantie

Die Garantiezeit beginnt mit der Annahme der Waren durch den Käufer. Eventuelle Reklamationen mit Ihnen lösen wir zu Ihrer Zufriedenheit durch individuelle Vereinbarungen im Einklang mit den gültigen Gesetzen. Der Käufer ist dazu verpflichtet, die Ware nach der Lieferung zu überprüfen, um mögliche Mängel zu entdecken. Falls eine derartige Beschädigung festgestellt wird, ist der Käufer dazu verpflichtet, diese Tatsache unverzüglich dem Lieferanten mitzuteilen. Für Schäden, die durch das Transportuntern ehmen verursacht worden sind, übernimmt der Lieferant keine Garantie. Falls die Beschwerde gerechtfertigt ist, hat der Käufer ein Recht auf eine Erstattung der notwendigen Kosten, die in Verbindung mit der Anwendung des Reklamationsver fahrens stehen (im Besonderen für die Transportkosten der Ware, die reklamiert wird, an uns).

Auf alle Waren wird, falls nicht anders vereinbart, eine 24-Monate-Garan tie gegeben. Die Garantie bezieht sich nur auf Herstellungsmän gel und -defekte."

indem er schreibt:

"Falls das Paket beschädigt ist, sollen Sie das Paket nicht empfangen. Die Ware sind beschädigt, wir haben leider jetzt keine Möglichkeit von dem Lieferant etwas bezahlt bekommen. Es tut mir Leid."

Nach Ihren Ausführungen scheinen die AGBs nach deutschem Recht unzulässig. Wie verhält es sich in diesem speziellen Fall mit länderübergreif ender Lieferung und Händlersitz im europäischen Ausland?

Herzlichen Dank
Robert
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#42 Heiko 2018-11-04 10:57
Hallo Redaktion,

danke für die schnelle Antwort.
In meine Fall habe ich als Privatperson bei einem Onlinehändler mehrere Artikel bestellt.
Doch einer dieser Artikel kam nicht bei mir an und jetzt werde jetzt dazu aufgefordert, die Sache selbst mit dem Paketdienst zu regeln.

LG,
Heiko
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#41 die Redaktion 2018-10-30 07:18
Hallo Heiko,

es kommt darauf an, ob die Bestellung privat als Verbraucher oder geschäftlich als Unternehmer getätigt wurde.

Beim privaten Kauf wäre der Verkäufer der richtige Ansprechpartner , beim geschäftlichen Kauf der Logistiker.

Beste Grüße
die Redaktion
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#40 Heiko 2018-10-29 19:43
Hallo liebe Redaktion!

Wie verhält sich die Sache eigentlich, wenn das Paket vom Lieferant neu verpackt wurde, ich dann aber erst beim öffnen feststelle (Paket wurde vom Nachbarn angenommen), dass ein Artikel fehlt? Muss ich mich dann zwecks Transportschade nsmeldung mit dem Lieferanten auseinandersetz ten oder ist hierfür auch der Online Händler zuständig?

LG Heiko
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#39 die Redaktion 2018-10-10 06:39
Hallo Marta,

danke für deine Frage.

Wird die Ware beim Rückversand beschädigt, oder geht verloren, trägt der Verkäufer den Schaden.

Anders sieht die Sache aus, wenn die Ware beim Transport beschädigt wird, weil der Kunde sie unsachgemäß verpackt hat. Ist das der Fall, muss der Verbraucher den Schaden tragen.

Viele Grüße
die Redaktion
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#38 Marta 2018-10-09 12:48
Hallo, können Sie mir mittelten, was passiert wenn die Ware bei der Rückgabe vom Kunde in der Transport beschädigt wurde, soll der Verkäufer solche Ware nehmen und Geld dem Kunden erstatten?

Viele Grüße
Marta
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#37 Redaktion 2018-09-05 08:32
Hallo Luise,

du hast als Verbraucher nicht die Pflicht, die Ware sofort bei Erhalt zu prüfen. Daher ist dein Fall nach den normalen Gewährleistungs regelungen zu lösen. Du musst dem Verkäufer den Mangel anzeigen und ihm die Möglichkeit zur Reparatur oder Nachbesserung ermöglichen.

Viele Grüße
die Redaktion
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#36 Luise 2018-09-04 15:43
Hallo, ich habe heute per Spedition eine Rutsche aus Plastik geliefert bekommen.
Der Fahrer hat sie abgeladen und ich habe blöderweise einfach den Erhalt unterschrieben. Als wir die Rutsche auspacken wollten ( sie ist nur in Plastik eingewickelt ) haben wir bemerkt, dass ein ca. 10cm langer Riss im unteren Teil ist.
Habe ich irgendeine Chance auf Entschädigung auch wenn ich bei Erhält nicht gleich kontrolliert habe?
Mit freundlichen Grüßen Luise
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#35 Redaktion 2018-03-26 08:58
Hallo Falko,

Ärger mit dem Transporteur ist selten angenehm. Da die meisten Transportdienst leister eigene AGB haben, mit speziellen Regelungen, raten wir Ihnen, aufgrund des hohen Schadens tatsächlich einen Anwalt in Ihrer Näher hinzuzuziehen. Ein kleiner Hinweis noch: Sie haben den Artikel als Privatperson verkauft. In diesem Fall ist es so, dass der Käufer das Risiko des Transportes trägt. Prinzipiell muss er deshalb auch für den Schaden aufkommen.
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