Ware schnell erhalten: Expresslieferung kostet bis zu 214 Euro

Veröffentlicht: 19.02.2016 | Geschrieben von: Michael Pohlgeers | Letzte Aktualisierung: 19.02.2016

Online-Kunden wollen ihre Bestellung möglichst schnell und kostengünstig erhalten. Doch wenn Händler eine Lieferung am nächsten Tag anbieten, wird es für den Kunden oft teurer – bei Expresslieferungen innerhalb weniger Stunden entstehen mitunter noch höhere Kosten.

Uhr auf Euroscheinen

(Bildquelle Zeit ist Geld: australianrider via Shutterstock)

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat in einer Stichprobe Online-Shops hinsichtlich der Möglichkeiten der Expresslieferung untersucht. Dabei zeigt sich, dass knapp die Hälfte der untersuchten Shops ihren Kunden eine Lieferung am nächsten Tag anbietet. Die Preise bei dieser Lieferoption schwanken allerdings: Ein Aufschlag zu den üblichen Versandkosten zwischen vier (Esprit) und 16 Euro (Cyberport) wird veranschlagt. Häufig liegt der Aufschlag im Bereich von zehn Euro.

Ein Sonderfall ist Amazon: Für Prime-Kunden, die 49 Euro pro Jahr für die Premiummitgliedschaft zahlen, ist die Lieferoption kostenfrei, ansonsten werden sechs Euro pro Paket fällig.

Auch der Elektronik-Händler Redcoon fiel offenbar mit seiner Regelung auf: Hier mussten die Tester zum Telefonhörer greifen, um die rasche Zustellung zu erhalten. Die konnte zudem nur per Nachnahme bezahlt werden – kostet also schon einmal zwölf Euro extra. Insgesamt zahlt der Besteller damit für jedes schnelle Redcoon-Paket 26,99 Euro.

Expresslieferung oft mit Bedingungen verbunden

In jedem Fall müssen die Kunden oft „abweichende Regeln“ beachten, wie die Verbraucherzentrale NRW anmerkt. Bei 15 Shops musste die Bestellung bis 14 Uhr erfolgen, um die Ware noch am nächsten Tag zu erhalten. Bei Esprit, Real und Heine muss der Kunde sich noch mehr sputen: Hier kann die bestellte Ware nur dann bis zum nächsten Tag geliefert werden, wenn die Bestellung bis 11 oder 12 Uhr aufgegeben wird.

Wer sein Paket noch schneller erhalten möchte, hatte bei sechs der 50 untersuchten Anbieter sogar die Möglichkeit, die Same Day Delivery zu wählen. Doch die taggleiche Lieferung sei nach Angaben der Verbraucherzentrale ebenfalls mit „vielen Einschränkungen“ versehen. Media Markt und Saturn etwa ermöglichen die Zustellung innerhalb von nur drei Stunden nur dann, wenn die Lieferadresse nicht weiter als 14 Kilometer von dem am Service beteiligten Markt entfernt liegt. Auch bei anderen Anbietern war die Einschränkung auf „Ballungsgebiete“ gegeben. Der Kunde zahlt für diese Expresslieferung zwischen 9,95 Euro und 14,99 Euro.

Spitzenreiter ist Conrad

Richtig teuer wird es aber bei Conrad. Die „Eil-Lieferung am gleichen Tag“ kostet 1,18 Euro pro Kilometer – mindestens allerdings 32,50 Euro. Das lohnt sich also nur, wenn die Lieferadresse mindestens 28 Kilometer von der liefernden Conrad-Filiale entfernt ist. Noch happiger wird es bei der Lieferung in drei Stunden: Hier steigt die Kilometerpauschale auf 1,43 Euro. Immerhin kann die Lieferadresse in einem Radius von 150 Kilometern zur nächsten Conrad-Filiale liegen. Im teuersten Fall kostet diese Lieferung dann aber 214,50 Euro.

Da ist aber noch nicht Schluss, wie die Verbraucherzentrale feststellt: „Gar die 500-Euro-Grenze knacken konnte, wer weit entfernt von der Zentrale in der Oberüfalz den ‚Blitzlieferservice’ anheuerte, der für Conrad-Kunden Tag und Nacht, an Sonn- und Feiertagen parat steht.“ Fragt sich nur, wie dringend man ein Produkt benötigt, um derartige Versandkosten zu zahlen.

Kommentare  

#4 Waltmann 2016-02-19 10:11
Heutzutage wollen Kunden wie kleine Kinder immer alles, so billig wie möglich und dann auch noch sofort. Und einige Händler spielen da auch noch mit und befeuern dies. Und Verbraucherzent ralen - so sinnvoll diese Einrichtungen sind - springen auch noch auf diesen Zug auf, und kritisieren anscheinend, wenn dieses infantile Bedürfnis des Kunden nicht befriedigt wird. Ich halte es für absolut angemessen, wenn Conrad für eine Lieferung an einen 150km entfernten Ort innerhalb von 3 Stunden über 200 € verlangt. Hier ist ein Mitarbeiter je nach Verkehr mind. 4h gebunden, es müssen Kosten für das Fahrzeug einkalkuliert werden etc. Verbraucherzent ralen und Gewerkschaften sind wieder die ersten, die aufschreien, wenn ein Kurierfahrer nur den Mindestlohn verdient oder übermüdet einen Unfall baut.
Wer eine Dienstleistung haben will, der muss auch dafür bezahlen. Was nichts kostet, taugt auch nichts - war mal ein Prinzip. Das sollte sich wieder in den Köpfen der Konsumenten breit machen - statt Geiz ist geil...
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#3 Helma Spona 2016-02-19 09:42
Ein selten blöder Test finde ich. Sieht man sich mal die Versandbedingun gen der gängigen Versanddienstle ister an, bspw. bei DHL, die mit Umlaufmaß rechnen und die Preise berechnen, ist völlig klar, warum Esprit die Preise viel besser kalkulieren kann als Cyberport, denn die Paketgrößen für Bekleidung sind recht einheitlich. Aber ob jemand bei Cyberport eine Maus oder einen Server bestellt, mach erheblich was am Umlaufmaß und damit auch an den Versandkosten für Cyberport aus. Da werden mal wieder Äpfel mit Birnen verglichen. Und wenn der Kunde es so schnell haben will, soll er zum Händler vor Ort gehen oder eben die entsprechenden Versandkosten zahlen. Warum soll der Händler auf den Versandkosten sitzen bleiben?
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#2 Redaktion 2016-02-19 09:17
Hallo Max,

wie empfehlen Ihnen einen Blick in dieses Hinweisblatt des Händlerbundes. Dort finden Sie die Antworten zu allen wichtigen Fragen Rund um das Widerrufsrecht im Online-Handel:
https://www.haendlerbund.de/hinweisblaetter/finish/1-hinweisblaetter/349-widerrufsrecht-im-online-handel-faq

Viele Grüße,
die Redaktion
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#1 Max 2016-02-19 09:11
Was ist mit diesen Versandkosten bei Widerruf ? Muss der Händler die auch erstatten?
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