Abmahnmonitor

Miele geht wieder gegen Händler:innen auf Marktplätzen vor

Veröffentlicht: 28.05.2024 | Geschrieben von: Julia Petronis | Letzte Aktualisierung: 30.05.2024
Mann hält Zettel mit Aufschrift WARNING hoch in Miele-Geschäft

Die Firma Miele machte in den vergangenen Monaten mehrfach Schlagzeilen wegen eines geplanten Stellenabbaus, aber auch wegen ihres Rückzugs auf Amazon. Seit Anfang des Jahres schon vertreibt Miele daher keine Produkte mehr auf dem Marktplatz. In der Folge hagelte es zahlreiche Abmahnungen für Online-Händler:innen, die weiterhin Produkte von Miele auf Amazon verkauften. Und auch derzeit liegen uns drei Abmahnungen vor, mit denen das Unternehmen nicht nur Händler:innen auf Amazon, sondern auch auf dem Marktplatz Kaufland abmahnt. 

Darüber hinaus wurde die Wettbewerbszentrale auf eine grundlose Verlängerung einer Rabattaktion aufmerksam und das Anhängen auf Amazon sorgte ebenfalls für Probleme. 

Nicht autorisierter Handelspartner 

Wer mahnt ab? Miele & Cie. KG (durch Brandi Rechtsanwälte)
Wie viel? 2.729,50 Euro und 2x je 3.020,34 Euro zzgl. Kosten für die Testkäufe
Wer ist betroffen? Online-Händler:innen von Miele-Produkten

Das bekannte deutsche Unternehmen Miele hat weiterhin ein wachsames Auge darauf, wer Produkte der Marke Miele verkauft und möchte selbst bestimmen, wer die Produkte vertreiben darf. Daher ist es nur autorisierten Handelspartnern erlaubt, Produkte anzubieten, die dem eigenen selektiven Vertriebssystem angeschlossen sind.

Kürzlich wurde Miele auf den Marktplätzen Amazon und Kaufland fündig und mahnte gleich drei Händler:innen ab, die Miele-Produkte verkauften. Dabei sollen allerdings alle drei keine autorisierten Händler:innen sein. Nach Angaben von Miele können sie die Produkte aufgrund des Vertriebssystems weder von Miele selbst noch von anderen autorisierten Händler:innen erhalten haben. Das Unternehmen geht deshalb davon aus, dass es sich um nicht genehmigte Reimporte in den Europäischen Wirtschaftsraum handelt, was wiederum die Markenrechte von Miele verletze.

Unzulässige Rabattverlängerung

Wer mahnt ab? Wettbewerbszentrale
Wie viel? 374,50 Euro
Wer ist betroffen? Online-Händler:innen allgemein

Läuft eine Rabattaktion so richtig gut und bringt sie viele Kund:innen in den Online-Shop, die dann auch fleißig kaufen, könnten Händler:innen auf die Idee kommen, die auslaufende Aktion einfach um ein paar Tage oder Wochen zu verlängern. Dass das leider kein so guter Einfall ist, zeigt eine uns aktuell vorliegende Abmahnung der Wettbewerbszentrale.

Die Wettbewerbshüter sind auf eine Oster-Rabattaktion im Shop eines Händlers aufmerksam geworden, welche mit einem Preisnachlass in einem begrenzten Zeitraum warb. Tatsächlich soll der Nachlass jedoch über diesen Zeitraum hinaus gewährt worden sein. Konkret war die Aktion begrenzt auf den 30. April 2024. Eine Überprüfung der Wettbewerbszentrale ergab jedoch, dass die Aktion auch danach noch weiter lief und nunmehr begrenzt war auf den 31. Mai 2024. In den Augen der Wettbewerbshüter liegt darin eindeutig eine Irreführung der Verbraucher:innen

Irreführendes Anhängen auf Amazon

Wer mahnt ab? The Warehouse Trade UG (durch die Kanzlei ODC Legal)
Wie viel? 2.293,25 Euro
Wer ist betroffen? Online-Händler:innen auf Amazon

Das Anhängen auf Amazon bietet so einige rechtliche Stolperfallen, die letztlich in einer teuren Abmahnung enden können. Grundsätzlich funktioniert das Prinzip des Anhängens wie folgt: Bieten mehrere Online-Händler:innen einen identischen Artikel an, werden sie auf dieser Produktseite nacheinander gelistet. Das Anhängen an identische Artikel ist erlaubt und kann nicht abgemahnt werden. Aber genau hier liegt das Problem: Wann genau gelten Produkte als identisch?

Ein Unternehmen, das auf Amazon Bundles mit Duftbäumen verkaufte, sah in einem angehängten Angebot keine Gleichheit vorliegen und mahnte den Mitbewerber ab. Zwar gehörten beide Produkte zur gleichen Marke, jedoch verkaufte der abgemahnte Mitbewerber keine Bundles und konnte sein Produkt somit günstiger anbieten. Auf die Aufforderung zur Unterlassung des unzulässigen Anhängens habe der Mitbewerber zuvor nicht reagiert.

Anzeige: Lass Abmahner abblitzen

Von allen Unternehmern gefürchtet: Post vom Abmahnanwalt. Abmahnungen gehören leider zum E-Commerce-Alltag. Sie sind nicht nur kostspielig, sie rauben auch Zeit und Nerven. Und wenn man nicht aufpasst, können sich durch ungeprüft abgegebene Unterlassungserklärungen unangenehme rechtliche Folgen entwickeln wie z. B. horrende Vertragsstrafen. Der Händlerbund Abmahnschutz beugt Abmahnungen vor und schützt dich im Abmahnfall, damit du dich aufs Wesentliche konzentrieren kannst — dein Business.

 

Über die Autorin

Julia Petronis
Julia Petronis Expertin für: IT- und Medien-Recht

Julia ist seit April 2021 als juristische Redakteurin bei uns tätig. Während ihres Studiums der Rechtswissenschaften in Leipzig konzentrierte sie sich vor allem auf das Medien- und IT-Recht, sowie das Wettbewerbs- und Urheberrecht – und kann dieses Wissen heute auch „in der echten Welt“ einsetzen.

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Kontaktieren Sie Julia Petronis

Kommentare  

#2 Arno 2024-06-01 11:36
Ich finde das Produkte die Teuer und Beratungsintens iv sind nicht über Marktplätze
zu Dumpingpreisen veramscht werden sollen.
Auf Marktplätzen geht es zu 90 % nur noch um den Preis, irgendwann gibt es keine guten Verkäufer mehr, weil eine gute Beratung einfach Geld kostet und dies sollte einfach dem Händler mit der guten Beratung
zu Gute kommen. Außerdem macht die ganze Geiz ist Geil Gesellschaft alles kaputt.
Jeder will ein Luxusauto aber nur wenn es 50 % billiger ist oder er 30% Rabatt bekommt, das ist krank!
Irgend wann haben wir keine Kaufleute mehr sondern nur noch unterbezahlte Logistikerhelfe r.
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#1 Thomas 2024-05-29 08:54
Thema Miele:
Eine sehr bedenkliche Entwicklung, wenn mir ein Hersteller vorschreiben will, ob ich die gekauften und bezahlten Produkte dieses Herstellers (mein Eigentum) verkaufen darf. Diese Behinderung oder Verhinderung von freiem Markt und Wettbewerb ist zum Nachteil aller außer dem Hersteller, der seine Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit maximieren will. Das sollten Gesetzgeber, Gerichte und Kunden nicht tolerieren.
Übrigens kann ich Miele-Produkte auch in der Metro erwerben, einem Händler der sich ausdrücklich an Wiederverkäufer wendet. Sollte ich wirklich Probleme bekommen, wenn ich dort Miele-Produkte kaufe und auf einem Online-Marktpla tz anbiete ?
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