Finde den Fehler

Artikelbild und Versandzeit sorgen für Abmahnung

Veröffentlicht: 05.07.2024 | Geschrieben von: Hanna Hillnhütter | Letzte Aktualisierung: 05.07.2024
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In unserer Reihe „Finde den Fehler“ stellen wir typische Fehler in Online-Shops vor, denn der Teufel steckt häufig im Detail.

 

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Artikelbilder sind aus einem Online-Shop kaum wegzudenken. Immerhin wollen die meisten Kund:innen einen Blick auf das Produkt werfen, bevor sie einen Kaufvertrag abschließen. Doch Artikelbilder sorgen auch immer wieder für Abmahnungen. Denn das Bild darf nicht vom tatsächlichen Produkt abweichen und somit die Kundschaft in die Irre führen. Auch das Urheberrecht der verwendeten Bilder muss beachtet werden. In diesem Fall sah das Produkt aus, wie die Abbildung auf dem Artikelbild und auf das Urheberrecht wurde auch geachtet. Eine Abmahnung musste der Händler dennoch kassieren. Was war der Fehler?

Weniger ist mehr

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Nicht nur sollte das Produkt der Abbildung auf dem Artikelbild entsprechen, auch sollte auf dem Bild wirklich nur das abgebildet sein, was auch verkauft wird. Das gilt vor allem für Zubehör, bei dem es nicht ganz abwegig erscheint, dass dieses im Lieferumfang enthalten ist. Hier ist auf dem Artikelbild des Wasserballs auch eine Ballpumpe zu sehen. In der Artikelbeschreibung ist als Lieferung allerdings nur der Wasserball aufgeführt. 

Die Abbildung von Zubehör auf dem Artikelbild, welches nicht im Lieferumfang enthalten ist, wurde in der Vergangenheit von der Rechtsprechung als irreführend angesehen, da das Bild mehr verspricht, als die Kundschaft am Ende bekommt. Händler:innen sollten also darauf achten, dass auf dem Bild wirklich nur das Produkt zu sehen ist, welches verkauft wird. 

Dieser Fehler bescherte dem Händler hier eine Abmahnung.

Ungenaue Lieferzeitangabe

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Auch im Check-out-Bereich des Shops ist dem Händler ein Fehler unterlaufen. Die Angabe der Lieferzeit ist hier „in der Regel eine Woche“. Diese ungenauen Angaben sollten Händler:innen unterlassen. Für die Kundschaft ist nicht ersichtlich, unter welchen Umständen der Lieferzeitraum von einer Woche eingehalten wird. Denn ob ein „Regelfall“ vorliegt oder nicht, weiß nur der Händler. Es ist nicht notwendig, die Lieferzeit auf den Tag genau anzugeben, allerdings sollten Händler:innen die Angaben so konkret wie möglich machen und Formulierungen wie „in der Regel“ oder „normalerweise“ unterlassen. 

Da es sich hierbei auch um einen Wettbewerbsverstoß handelt, wurde der Händler auch aus diesem Grund abgemahnt.

Über die Autorin

Hanna Hillnhütter
Hanna Hillnhütter Expertin für: Verbraucherschutz- und Strafrecht

Hanna verschlug es 2012 für ihr Jurastudium vom Ruhrgebiet nach Leipzig. Neben dem Studium mit dem Schwerpunkt Strafrecht, spielte auch das Lesen und Schreiben eine große Rolle in ihrem Leben. Nach einem kurzen Ausflug in das Anwaltsleben, freut Hanna sich nun, ihre beiden Leidenschaften als Redakteurin verbinden zu können.

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Kommentare  

#13 oejendorfer 2024-07-11 17:06
Wahrscheinlich wird in unseren online shops nur noch nach Bildern gekauft, weil die potenziellen Kunden zu doof und zu faul sind die Artikebschreibu ng zu lesen. Also sind die shops ""Bilderbücher" . Wir haben wahrscheinlich zu viele "Hilfsschüler - haben wir früher gesagt in unserem Land Deutschland.
Noch mal zu dem Bild mit dem Wasserball. "" neben der Pumpe hatte ich ich auch noch 1 Kg Sand. Ist ja auch Deko. Mein Gott ist das alles ein Schwachsinn in Deutschland, dem Land der Dichter und Denker
tschüs
WK
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#12 Markus Brandt 2024-07-10 23:55
Mich würde interessieren, ob die Abmahnung aufgrund des Wettbewerbsrech ts und durch wen sie erfolgte.

Hierbei würde ich die Abmahnung wegen des Bildes verstehen, da der Kunde eher bestellt, wenn er einen vermeintlichen zusätzlichen Benefit hat.

Nicht aber wegen des Lieferzeitraumes.
Einerseits sehe ich nicht, wie durch diese Formulierung der Händler sich einen Wettbewerbsvort eil verschaffen würde.
Andererseits gibt es durchaus Hindernisse, die nicht auf Seiten des Händlers liegen, durch diesen nicht zu vertreten sind und die beispielsweise dem Kunden bekannt sind. Z. B. Hochwasser, lokale Streiks usw.
Ob ein Regelfall vorliegt oder nicht muss nicht unbedingt der Händler wissen.

_______________________________

Antwort der Redaktion

Hallo,

zeigt das Artikelbild mehr, als tatsächlich geliefert wird, kann eine wettbewerbsrech tliche Abmahnung folgen. Zur Erklärung: Das Artikelbild wird oft als erstes gemeinsam mit dem Preis wahrgenommen und animiert zum Klicken. Das Angebot kann attraktiver wirken, als bei einem Konkurrenten, der beispielsweise den gleichen Preis hat, aber im Artikelbild den korrekten Lieferumfang abbildet.

Abmahnungen wegen dieser Thematik gab es in der Vergangenheit natürlich von Mitbewerbern, wie beispielsweise hier: onlinehaendler-news.de/.../...

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
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#11 Birgit 2024-07-10 22:50
Mich würde mal interessieren, wer die Abmahnung ausgesprochen hat. War es wirklich ein Kunde der zu dem Ball noch die Luftpumpe haben wollte?

Meistens sind es doch nur Anwälte, Abmahnvereine oder Verbraucherschü tzer die nichts anderes tun, als den ganzen Tag nach solchen Kleinigkeiten zu suchen.

Ich komme mir als Shopbetreiber bei den ganzen Vorschriften mittlerweile immer wie ein Verbrecher vor. Als wollte man jedem Kunden etwas Böses antun.

Ganz ehrlich die ganzen EU Vorschriften haben so ein Ausmaß angenommen, dass es keine Freude mehr macht. Bei Temu und Co interessiert das Alles Niemanden.

Und wer hat abgemahnt?

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Antwort der Redaktion

Hallo Birgit,

abmahnen können nur Mitbewerber, Wirtschaftsverb ände oder die Verbraucherzent rale, nicht aber der Kunde selbst.
Der könnte je nachdem, wie das Angebot ausgestaltet war, aber auf die vollständige Lieferung pochen. Hier kommt es aber im Einzelfall darauf an, ob die Produktbeschrei bung und die Bestellübersich t den Lieferumfang richtig wieder gegeben haben.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
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#10 B 2024-07-10 19:08
Höchst befremdlich und bedenklich! Manch ein Artikel wirkt einladender, inspirierender etc. mit entsprechender Deko...Bestimmt e Artikel benötigen einfach auch ein "Drumherum".

Wie verhält es sich dann mit Katalogware? Oder Models bei Bekleidung - nur Rock, oben nix?

Selbst ein Aldi- oder Lidl Flyer zeigt ein komplettes Szenario. Wozu dann überhaupt noch Bilder?

Das alles ist wirklich schwachen Sinnes, verzeihung.
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#9 OT 2024-07-10 16:18
Solche Gesetze sind einfach auch fernab der Realität. Welche Möglichkeiten hat denn ein Händler auf den Versand einzuwirken, wenn die Pakete beim Transporteur sind. Beim Versandhandel gehört Versand dazu, ansonsten müssten die Kunden sich die Ware abholen, dann wüssten sie, wann sie bei ihnen eintrifft.
Zwar ist der Verbraucherschu tz nachvollziehbar , weil es auch schwarze Schafe unter den Händlern gibt, aber die Gesetze schie´ßen oft über das Ziel hinaus.
Und der Händlerbund als Institution der Händler weisst nur auf die Gefahren hin, anstatt die Kraft zu bündeln und der Politik die Realität zu erklären. Oder?
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#8 K.I. 2024-07-10 15:31
Zitat: Ca.-Angaben sind auch erlaubt, aber die Angabe "In der Regel" ist rechtswidrig.

Das ist auch sehr sehr schlimm und deshalb unbedingt abmahnen abmahnen abmahnen und immer wieder abmahnen und das gendern nicht vergessen!!!!!! !!!
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#7 Oliver 2024-07-10 15:24
Ehrlich ich sehe nur noch Gründe seinen Shop dicht zu machen, solange Politiker diese Abmahnindustrie die es nur bei uns gibt unterstützt.
Aber klar bei 1000-2000€ Abmahnung kommen schöne MwSt für den Staat rein.
Und der Idiot ist wieder der Verkäufer, bei mir ist bald Schluss damit.
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#6 Siegfried 2024-07-10 15:14
Die Politik geht immer vom dümmsten anzunehmenden Benutzer (DAB) aus. Und da die DABs sich mittlerweile alle in der Politik tummeln - was will man da anderes erwarten.
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#5 Joanna 2024-07-10 14:25
Unternehmer werden massenweise und teuer abgemahnt, weil das der "Rechts"-Staat will!
In Polen haben sich vor Jahren auch Manche für Abmahnungen der Shops spezialisiert, aber der Rechtsgeber hat schnell damit Schluss gemacht und die Vorschrift geändert: einen Rechtsstreit darf nur einer anfangen, wenn er einen direkten Schaden durch die Info des Shops erlitten hatte.
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#4 Oliver 2024-07-09 15:40
Die Versandzeit muss absolut angegeben werden, seit dem BGH Urteil.
Das heißt auch das diese eingehalten werden MUSS, sonst ist es, ebenfalls BGH,
ein Sachmangel genauso wie eine fehlende (deutsche) Beschreibung/ Gebrauchsanweisung
und befähigt den mündigen Käufer zum mindern.
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