VG Köln lässt Peitsche knallen

Zu viel Fifty Shades of Grey bei Shopping Queen

Veröffentlicht: 18.06.2020 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 18.06.2020
Maske und Peitsche

Mit den Fragen rund ums Thema Werbung müssen sich nicht nur Influencer herumschlagen. Auch der Rundfunkstaatsvertrag regelt das Maß an Werbung in TV-Sendungen. Allerdings scheint es auch hier teilweise Klärungsbedarf zu geben. Jedenfalls mussten der Sender Vox und die Landesanstalt für Medien NRW kürzlich einen Streit vom Verwaltungsgericht Köln klären lassen. Die Landesanstalt hatte den Sender vorher wegen zu viel Fifty Shades of Grey in der Sendung Shopping Queen gerügt.

Jetzt wird es heiß!

Bevor der zweite Teil der Reihe Fifty Shades of Grey in die deutschen Kinos kam, dachte sich der Sender Vox ein besonderes Thema für eine Shopping-Queen-Folge aus. Unter dem Motto „Jetzt wird’s heiß“ sollten die Kandidatinnen ein Outfit zusammenstellen, mit dem sie den roten Teppich der Filmpremiere „zum Glühen“ bringen sollten.

Während der kompletten Sendung wurden immer wieder Filmausschnitte aus den Filmen reingeschnitten. Zudem sollten die Teilnehmerinnen Szenen nachstellen. Es kam zu zahlreichen Verweisen, Bezügen und Anspielungen. Kurzum: Die Landesmedienanstalt NRW sah hierin eine unzulässige Produktplatzierung und bekam damit vor dem Verwaltungsgericht Köln Recht, berichtet die LTO.

Verschmelzung von Werbung und redaktionellen Inhalten

Der Sender Vox sieht allerdings kein Problem in der Fifty-Shades-of-Grey-lastigen Woche: Die Zuschauenden seien daran gewöhnt, dass die Sendung im höchsten Maße werbe- und produktprägend sei. Die Platzierung der Filmreihe bewege sich in den Grenzen, die für eine leichte Unterhaltung zulässig seien. Bei einer solchen Sendung erwarte der Zuschauer außerdem werbliche Inhalte und nehme diese aufgrund der Erwartungshaltung als weniger intensiv wahr als die redaktionellen Inhalte.

Das Gericht schloss sich dieser Ansicht nicht an: Vox hat die Inhalte von Fifty Shades of Grey in einem so hohen Maß eingebunden, dass die eigentliche Sendung hinter dem Thema verschwommen ist. Der eigentliche Sinn der Sendung – nämlich der Wettstreit um das beste Outfit zu einem vorgegeben Thema – sei um die Filmelemente herum gestaltet worden, statt wie üblich anders herum. Für die Zuschauenden sei so nicht mehr ersichtlich, was eigentlich redaktioneller und was werblicher Inhalt sei.

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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