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Vertrag ist Vertrag! Ab wann ist die Bestellung bei Amazon verbindlich?

Veröffentlicht: 18.04.2018 | Autor: Yvonne Bachmann | Letzte Aktualisierung: 30.04.2018

Bei aller Sorgfalt kann jedem Online-Händler ein Fehler unterlaufen. Deshalb versuchen sich viele Händler mit pauschalen Hinweisen im Shop von Irrtümern, Fehlern und Preisänderungen zu befreien, die sich unbemerkt eingeschlichen haben. Auch wenn der Kunde wegen zu hoher Retouren oder anderer „Auffälligkeiten“ nicht beliefert werden soll, spielt die Frage „Besteht ein verbindlicher Vertrag?“ eine Rolle.

Amazon Pakete
© Jeramey Lende / Shutterstock.com

Zwei Schritte bis zum verbindlichen Kaufvertrag

Geht im Amazon-Shop eine Bestellung ein, die ein Händler – aus welchen Gründen auch immer – lieber nicht ausführen will oder kann, gilt zunächst Folgendes: Im ersten Schritt muss geklärt werden, ob überhaupt schon ein Vertragsschluss vorliegt, also ob ein rechtsgültiger Kaufvertrag geschlossen wurde und der Händler zur Lieferung verpflichtet ist. Ein Kunde kann nur eine Lieferung verlangen, wenn er dafür eine Rechtsgrundlage hat, sprich: ein rechtsverbindlicher Kaufvertrag besteht.

Im Falle einer Bestellung über Amazon läuft der Vertragsschluss wie folgt ab: Mit der Bestellung bzw. automatischen Bestellbestätigung des Kunden kommt noch kein verbindlicher Kaufvertrag zustande. Nach der Auflistung der Bestelldetails und weiteren Hinweisen nebst Grußformel findet sich am Ende der Bestellbestätigung sogar folgender klarstellende Hinweis: „Bitte beachten Sie: Diese E-Mail dient lediglich der Bestätigung des Eingangs Ihrer Bestellung und stellt noch keine Annahme Ihres Angebotes auf Abschluss eines Kaufvertrages dar. Ihr Kaufvertrag kommt zu Stande, wenn wir Ihre Bestellung annehmen, indem wir Ihnen eine E-Mail mit der Benachrichtigung zusenden, dass der Artikel an Sie abgeschickt wurde.“

Ohne Vertrag keine Lieferung

Die Annahme des Angebots (und damit der Vertragsabschluss) erfolgt erst durch eine E-Mail von Amazon, in welcher dem Kunden der Versand der Ware durch den Verkäufer bestätigt wird. Das bestätigte zuletzt das Amtsgericht Plettenberg (Urteil vom 23.10.2017, Az. 1 C 219/17). Ist noch gar kein Vertrag geschlossen worden, kann der Kunde nicht auf eine Lieferung bestehen. Der Händler kann die Bestellung also ignorieren bzw. den Kunden auf den fehlenden Vertrag verweisen.

Nicht immer lässt sich der Vertragsschluss verhindern, beispielsweise wenn Amazon's FBA genutzt wird und die Ware bereits für den Versand vorbereitet wird. Dann gilt: „Pacta sunt servanda“, d.h. ein einmal geschlossener Vertrag muss erfüllt werden. Dann gibt es nur noch wenige Mittel, den Vertrag rückwirkend wieder zu vernichten.

Kommentare  

#3 CG 2019-01-29 13:53
@TS: Mir erschleicht sich auch der Eindruck, da steckt ein System dahinter.

Ich habe ebenfalls Anfang des Jahres einen Monitor bei Amazon für rund 1130 € bestellt. Tage später habe ich noch einen aktualisierten Liefertermin erhalten. Zweieinhalb Wochen später dann die Nachricht, der Artikel sei nicht mehr verfügbar. Der Artikel ist recht neu und war zuvor noch nie auf Amazon verfügbar. Ist aber bereits die ganze Zeit via Marketplace für einen deutlich höheren Preis erhältlich.

Man könnte wirklich vermuten, Amazon versucht hier mit niedrigen Preisen Kunden anzuködern.

Mein Fazit, ich versuche Amazon nun noch stärker zu meiden als bisher.
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#2 TS 2019-01-29 10:17
Ich sehe es ebenfalls als problematisch und nicht nur, weil ich aktuell in genau dieser Situation stecke. Anfang Dezember habe ich im Rahmen einer Aktion einen Monitor für 199,90€ bei Amazon bestellt. In der Bestellbestätig ung wurde mir eine Lieferung zwischen 29. Dezember und 14. Januar zugesagt. Am 14. Januar kam eine Email mit dem Hinweis: …wir versuchen noch immer den Artikel für Sie zu besorgen.
Die angebotenen Möglichkeiten sind abwarten oder stornieren.

Besonders ärgerlich ist, dass ich den exakt selben Monitor über Amazon (jedoch von einem Drittanbieter) bestellen könnte, jedoch für 309€.
Meine Schlussfolgerun g: Amazon bietet Produkte an die sie nicht haben, zu Lock-Preisen die sie im Nachgang nicht bedienen können und das offensichtlich vollkommen legal und rechtens.
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#1 CG 2019-01-24 10:18
Der Händler kann somit also mit jeglichen Fantasie-Preise n und sonstigen Vorzügen Kunden anködern, er hat nichts zu befürchten. Ein Vertrag kommt ja eh erst mit dem Versand zustande. Ich finde das höchst problematisch.
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