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Erfassungsbescheinigung

Kontensperrungen auf Marktplätzen stehen bevor!

Veröffentlicht: 10.09.2019 | Autor: Melvin Louis Dreyer | Letzte Aktualisierung: 10.09.2019
Einkaufswagen auf Holzwürfel auf Tastatur

In wenigen Tagen endet eine für Marktplätze und Online-Händler bedeutende Frist: Ab dem 1. Oktober 2019 müssen die Betreiber von Online-Verkaufsplattformen für etwaige Umsatzsteuerausfälle der dort aktiven Händler haften. Um dieses Risiko zu vermeiden, fordern die Marktplätze Umsatzsteuer-Erfassungsbescheinigungen. Legt ein Händler diese nicht rechtzeitig vor, muss er mit der sofortigen Sperrung seines Verkäuferkontos rechnen. Die Frist ist dabei gerade für Online-Händler mit Sitz in Deutschland wichtig. 

Umsatzsteuer – Worum geht es eigentlich?

Hinter dem Ganzen steckt eine Änderung des Umsatzsteuergesetzes zu Beginn des Jahres. Eingeführt wurde die sogenannte Marktplatzhaftung, die eine effektive Lösung des Problems darstellen soll, dass dem Fiskus jedes Jahr Steuergelder in Milliardenhöhe entgehen. Gerade am Handel auf Online-Marktplätzen seien viele schwarze Schafe beteiligt, die ihre Umsatzsteuerpflichten nicht im erforderlichen Umfang erfüllen. Im Fokus stehen dabei einerseits Händler aus Drittstaaten und insbesondere Asien, die auf Grund einer fehlenden steuerlichen Registrierung unter dem Radar der Finanzverwaltung bleiben oder deren offene Steuerzahlungen praktisch nur schwierig bis gar nicht eingefordert werden können. Andererseits hat die Änderung auch jene Händler im Blick, die sich als Privatverkäufer tarnen, tatsächlich aber gewerblich auftreten und insofern entsprechende Steuern abführen müssten. 

Plattformen haften für Händler

Da die Verfolgung solcher Fälle für die Finanzverwaltung bisweilen kaum möglich ist, werden nun die Marktplatz-Betreiber zur Haftung herangezogen – müssen also erst einmal für die säumigen Steuerzahlungen aufkommen. Dies kann man wohl als Druckmittel verstehen: Da die Steuerausfälle gerade aus Transaktionen auf Marktplätzen entstehen, soll Steuersündern diese „Plattform“ genommen werden – und dies quasi durch deren Betreiber selbst. Diese können sich der Haftung nämlich entziehen, wenn sie sich durch die Händler nachweisen lassen, dass diese ordnungsgemäß steuerlich registriert sind.

Dafür wird eine Erfassungsbescheinigung benötigt, die Händlern auf Antrag vom jeweils zuständigen Finanzamt ausgestellt wird. Ein Muster des Antragsformulars erhalten Online-Händler unter diesem Link. Ob ein deutscher Händler Kleinunternehmer ist oder nicht, spielt dabei übrigens keine Rolle: Ausschlaggebend ist die gewerbliche Tätigkeit. 

Bearbeitungszeiten einplanen!

Da die Marktplätze nachvollziehbarer Weise kein Interesse daran haben, für fremde Versäumnisse haften zu müssen, werden die Konten der Verkäufer, die den nötigen Nachweis nicht erbringen, zum Stichtag gesperrt werden. Auch wenn der 1. Oktober noch ein paar Tage entfernt ist, sollten Online-Händler aber nicht auf den letzten Drücker die Bescheinigung beantragen: Zum einen muss die Bearbeitungszeit des Finanzamtes eingeplant werden, zum anderen die Bearbeitungszeit des jeweiligen Marktplatzes.

Außerdem berichten uns Händler, dass die Abwicklung nicht immer unproblematisch ist. So kann es etwa zu Rückfragen des Finanzamtes kommen. Eine zumindest vorübergehende Sperrung des Marktplatzkontos lässt sich dann vielleicht nicht mehr vermeiden. Auch auf Kulanz können Online-Händler angesichts der rechtlichen Vorgaben hier nicht bauen. Weitere Informationen gibt es in diesem Beitrag.

Über den Autor

Melvin Louis Dreyer Experte für IT- und Verbraucherrecht

Melvin ist seit Mitte 2018 Teil des juristischen Redaktionsteams. Er hat schon während seines Rechtswissenschaft-Studiums leidenschaftlich gerne Beiträge verfasst und Fachwissen vermittelt. Jetzt berichtet er als Redakteur regelmäßig zu rechtlichen Neuigkeiten und Fragestellungen in der Welt des E-Commerce und verwirklicht damit nebenbei auch noch seine Interessen an Gesellschaft und Wirtschaft. 

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Melvin Louis Dreyer

Kommentare  

#6 Redaktion 2019-09-13 11:52
Hallo Klaus,

jeder, der gewerblich handelt, benötigt diese Bescheinigung. Marktplätze haften sogar für die Umsatzsteueraus fälle durch scheinprivate Händler.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#5 Redaktion 2019-09-13 11:45
Hallo Sebastian,

sollte Ebay seinen Verpflichtungen nicht nachkommen, so muss der Marktplatz haften. Es ist davon auszugehen, dass die Ämter ab dem 01.10. einen verschärften Blick auf die Plattformen werfen. Ihnen steht es natürlich offen, dem Finanzamt Verstöße zu melden.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#4 Klaus 2019-09-11 17:23
Müssen die Privat Verkäufer die Augenscheinlich Gewerblich auf den Markplätzen Verkaufen auch eine Bescheinigung abgeben?
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#3 Sebastian Hochmuth 2019-09-11 14:14
Gibt es denn auch irgendwo eine Meldestelle, damit man Ebay auch mehr Druck machen kann?
Laut Ebay-Service-Mi tarbeiter kontrollieren privaten Händler nur bedingt. Und zwar nur auf Menge, nicht auf die Online-Präsenta tion und vorallem auch nicht auf Neuware!

Das Meldesystem seitens Ebay ist leider ein Witz und träge.
Hat eventuell das Finanzamt eine eingerichtete Meldestelle für diesen Fall?
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#2 Hans B. 2019-09-11 14:11
nur blöd, dass der eigene link von ebay, der mit der Aufforderung zum Hochladen der Bescheinigung versendet wird nicht zum Ziel führt........
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#1 Stephan 2019-09-11 11:02
das Gesetz wurde wegen der Chinesen geändert, nicht wegen der Deutschen. Nun wird es aber bei den Deutschen streng kontrolliert und bei den Chinesen auf ebay und Amazon kaum. Noch immer findet man tausende China Angebote hier ohne richtiges Impressum und ohne Steuer ID Nummer. Es gibt gar keine Möglichkeit für uns deutsche Online Händler die Echtheit der Steuer ID des Chinesen zu prüfen. Die deutsche Steuer Nummer können die sich auch irgendwo bei google klauen.
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