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Aus für unehrliche Händler aus Fernost?

Steuerfreigrenze von 22 Euro fällt (Update: Start auf 1. Juli 2021 verschoben)

Veröffentlicht: 23.07.2020 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 23.07.2020
Europäische und chinesische Flaggen in Rauchform auf weiß.

Immer wieder beklagen sich deutsche Händler über den Wettbewerbsdruck, der unter anderem durch Händler aus Fernost verursacht wird: Produkte werden billig angeboten und während der Händler hierzulande alles dafür tut, um keine Abmahnung zu riskieren, scheint für sogenannte „China-Händler“ kein Gesetz zu gelten. So lautet zumindest die Meinung vieler Online-Händler, die durch Plattformen wie Wish und Alibaba noch gestützt wird.

Steuerfreigrenze von 22 Euro

Ein Grund für die günstigen Angebote ist die aktuelle Steuerfreigrenze von 22 Euro: Für sogenannte Kleinsendungen mit einem Wert unter 22 Euro fällt keine Steuer an. Für rein private Sendungen fällt sogar erst ab einem Wert von 45 Euro eine Einfuhrsteuer an. Das und die günstigen Versandkosten durch die Regelungen des Weltpostvereins macht das Shoppen bei Händlern aus Fernost für viele Verbraucher attraktiv; führt allerdings auch zu einer Verzerrung des Wettbewerbs.

Änderungen ab dem 1. Januar 2021

Ab dem 1. Januar 2021 fällt nun genau diese Grenze: Wie die Deutsche Post mitteilt, fällt dann die Einfuhrumsatzsteuer ab dem ersten Cent Warenwert an. Damit soll laut Aussagen der EU-Kommission die heimische Wirtschaft gestärkt und eine steuerliche Bevorzugung von ausländischen Versandhändlern beendet werden. 

Hinzu kommt noch, dass ab dem 1. Januar Warensendungen mit einem Wert bis 150 Euro mit einem super-reduzierte Datensatz deklariert werden können. „Mit der grundlegenden Änderung der Delegierten Verordnung (EU) 2015/2446 wird der Unions-Zoll-Kodex geändert. Es wird die Möglichkeit geschaffen, Sendungen mit geringem Wert für Zoll und Einfuhrabgabenzwecke mit einem, verglichen mit der Standardzolldeklaration, deutlich reduzierten Datensatz zu deklarieren“, erklärte dazu Walter Trezek, Geschäftsführender Gesellschafter der Document Exchange Network GmbH bereits vor einem Jahr dem Logistik-Watchblog. Dieses Verfahren sieht vor, dass die notwendigen Daten bereits im Vorfeld in elektronischer Form erstellt und an den Zoll geschickt werden. Ohne diese Vorarbeit soll Ware gar nicht mehr aus Drittstaaten in die EU versendet werden können.

Update: Start verschoben

Wie aus den Informationen des Verbandes E-Commerce-Europe hervorgeht wurde der Start für den Wegfall der 22-Euro-Grenze auf den 1. Juli 2021 verschoben. Grund sei die Coronakrise und die damit verbundenen Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#4 Jasper, Axel 2020-07-28 17:59
Wieder eine Sache die den kleinen Deutschen Händler suggerieren will: Wir machen was.
Lächerlich ist das.
Du kaufst bei [Anm. der Redaktion: Händler:innen aus China] etwas für 100,00 Euro.
Dann bekommst du die Ware. Auf dem Zollformular steht dann 15,00 Euro. Eine Rechnung gibt es in der Sendung sowieso nicht.

(Beispiel von mir: Ich kaufe einen Stativaufsatz für 35,00 Euro inclusive Versand. Die Ware kommt nicht aus Deutschland sondern aus China. Auf dem Aufkleber stand aber 5,80 Euro. So wird das gemacht.)

Was tun wir? Wir klatschen jetzt in die Hände und sagen den Chinesen haben wir das gegeben.
Was macht der Chinese? Der klatscht auf die Oberschenkel und denkt sich: Wie blöd ist der Deutsche Händler eigentlich.
Ach ja, eine Frage an Sandra May. Wo haben die Chinesischen Händler auf der eBay-Seite eigentlich ihr Widerrufsrecht und und die Angabe der Umsatzsteuer-Id entnummer? Antwort: Nirgends?

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Antwort der Redaktion

Hallo,

Händler und Händlerinnen, die sich ans Recht halten, pflegen ihre Rechtstexte unabhängig der Herkunft bei Ebay im Backend ein.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#3 Mayr 2020-07-25 13:36
Womit haben Sie ein Problem wenn der kleine Mann auch mal die Einkaufspreise kennen lernt. Nach eigener Erfahrung muss man nach der 22Euro Regelung sowiso beim Zoll die Ware abholen
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#2 Andreas S. 2020-07-23 10:56
Ich freue mich jetzt schon darauf, dass die China-Händler schon bald endlich einmal genauso Steuern zahlen müssen wie wir auch. Man kann ja inzwischen beinahe gar nichts mehr bei eBay oder Amazon einkaufen, ohne erst viel Zeit in die Suche zu investieren, da gefühlt 99 von 100 Produkten aus China kommen (entweder direkt aus China verschickt oder aber über ein deutsches Versandlager, aber am Ende doch von einem chinesischen Händler verkauft). Mir ist es sogar schon passiert, dass ich von einem vermeintlich als deutschen Händler aufgetretenen eBay-Verkäufer etwas gekauft habe, die Ware dann aber dennoch aus China kam. Dieser ganze China-Mist ist mir schon lange ein Dorn im Auge und ich finde, dem gehört endlich ein für alle Mal ein Riegel vorgeschoben.
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#1 dirk 2020-07-23 10:01
na ENDLICH
Und jetzt bitte noch die Porto Anpassung des Weltpostvereins
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