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Diese Änderungen bringt die Umsatzsteuerreform ab 1. Juli für den Online-Handel

Veröffentlicht: 09.06.2021 | Geschrieben von: Julia Petronis | Letzte Aktualisierung: 09.06.2021
Warenkorb mit Geld vor EU-Flagge

Durch die bedeutende EU-Umsatzsteuerreform stehen weitreichende Änderungen für den grenzüberschreitenden Handel mit Verbrauchern an. Die bisher gültige Versandhandelsregelung im EU-Recht wird ab 1. Juli 2021 von der Fernverkaufsregelung abgelöst. Für viele Händler bedeutet dies eine Erleichterung. Einige werden aber ebenso vor große Probleme gestellt. Was Online-Händler jetzt wissen sollten und wie sie sich auf die Änderungen am besten vorbereiten, erklären wir in diesem Beitrag.

Kleinere Händler werden schneller im EU-Ausland steuerpflichtig 

Mit der Umsatzsteuerreform wird auf EU-Ebene ein neues Mehrwertsteuersystem für den grenzüberschreitenden Online-Handel mit Verbrauchern eingeführt. Zum 1. Juli 2021 werden im B2C-Fernabsatz die bisher geltenden unterschiedlichen Umsatzsteuer-Lieferschwellen in der EU aufgehoben und Steuerbeträge direkt im Lieferland geschuldet. Es gilt dann eine EU-weite einheitliche Umsatzgrenze für grenzüberschreitende Lieferungen an Nicht-Unternehmer in der EU in Höhe von 10.000 Euro (netto).

Bei Überschreitung dieser Grenze unterliegen alle Lieferungen an Nicht-Unternehmer in der EU der Steuerpflicht im jeweiligen Bestimmungsland. Das wird dazu führen, dass auch kleinere Händler in fast allen EU-Staaten steuerpflichtig sein werden. 

Der One-Stop-Shop soll für Vereinfachung sorgen

Als Erleichterung wurde der sogenannte One-Stop-Shop (OSS) geschaffen. Der OSS löst den Mini-One-Stop-Shop ab und kann ab dem 1. Juli 2021 genutzt werden. Eine Teilnahme ist dabei keine Pflicht. Der OSS soll es Händlern ermöglichen, alle relevanten Ausgangsumsätze zentral über eine Schnittstelle (in Deutschland das Bundeszentralamt für Steuern) in ihrem Heimatstaat zu melden und abzuführen. 

Eine lokale steuerliche Registrierung in den einzelnen EU-Staaten ist in diesem Fall nicht mehr erforderlich. Zur Nutzung des OSS-Verfahrens muss vor dem 1. Juli 2021 eine Registrierung beim Bundeszentralamt für Steuern erfolgen, welche bereits seit dem 1. April 2021 möglich ist. Für die Anmeldung ist jedoch eine Umsatzsteuer-ID notwendig.

So schnell überschreiten Händler die Lieferschwelle 

Zur Veranschaulichung der Änderungen und des OSS ein Beispiel: Ein deutscher Online-Händler verkauft Waren an Verbraucher nach Österreich und Frankreich. Wann wird er in den beiden EU-Ländern steuerpflichtig?

Es gilt weiterhin der deutsche Umsatzsteuersatz von 19 Prozent bzw. der ermäßigte Satz von 7 Prozent, soweit die Verkäufe nach Österreich und Frankreich zusammengerechnet unter 10.000 Euro liegen. Überschreiten die Verkäufe ins EU-Ausland die 10.000 Euro, wird der Händler in beiden Ländern steuerpflichtig. Das ist etwa der Fall, wenn der Händler Waren im Wert von 6.000 Euro nach Österreich und Waren im Wert von 4.001 Euro nach Frankreich verkauft.

Jeder weitere Euro muss dann in Frankreich mit dem französischen Umsatzsteuersatz (normal 20 Prozent; ermäßigt 10, 5.5 oder 2.1 Prozent) versteuert werden. Nach dem österreichischen Umsatzsteuersatz (normal 20 Prozent; ermäßigt 13, 10 oder 5 Prozent), muss jeder weitere Euro, der in Österreich erwirtschaftet wurde, versteuert werden. Die Meldung und die Versteuerung kann aber gesammelt über den One-Stop-Shop ausgeführt werden und die Steuern für Österreich sowie Frankreich werden dann an das Bundeszentralamt für Steuern überwiesen, das die Verteilung der Steuern an die jeweiligen EU-Staaten übernimmt.

Wer ist betroffen und was müssen Betroffene jetzt tun?

Es sind alle Online-Händler betroffen, die Verbraucher auch außerhalb ihres eigenen Sitzlandes mit Waren und Dienstleistungen beliefern. Das gilt auch für Kleinunternehmer und unabhängig davon, ob ein Händler umsatzsteuerpflichtig ist. Wer den OSS nutzen möchte, muss sich vor der Teilnahme registrieren. Online-Händler, besonders diejenigen, die Fulfillment-Strukturen nutzen, sollten sich zur Vorbereitung steuerlich beraten lassen, um Fehler bei der Organisation zu vermeiden. 

Wichtig bei der Nutzung von Fulfillment-Strukturen

Nicht alle Online-Händler können vom OSS profitieren. Händler, die Fulfillment-Strukturen wie beispielsweise FBA (Fulfillment by Amazon) im EU-Ausland nutzen, müssen sich weiterhin auch in den jeweiligen Ländern umsatzsteuerlich registrieren und können den OSS dafür nicht nutzen, da es sich um B2B-Transaktionen handelt. 

Nach einer lokalen Registrierung muss eine lokale Umsatzsteuererklärung abgegeben werden. Dabei ist es, besonders für kleinere Online-Händler, schwierig die jeweiligen unterschiedlichen Umsatzsteuersätze und -regelungen der EU-Mitgliedsstaaten zu kennen und anzuwenden. Lösungen für Händler bieten Steuerdienstleister, wie etwa Taxdoo an, deren Software es Händlern erspart, die jeweilige Höhe der Umsatzsteuer der verschiedenen Länder auszurechnen und die Abgabe der Umsatzsteuermeldung in den betreffenden Ländern erledigt. Mitglieder des Händlerbundes können sich hier einen Rabatt auf die Software sichern. 

Weitere Fragen zur Umsatzsteuerreform und zum OSS beantworten wir in unserem FAQ. Es sind noch Fragen zu den Änderungen offen? Im kostenfreien Händlerbund-Webinar am 07. Juli 2021 gibt Taxdoo weitere Einblicke zur großen Umsatzsteuerreform. 

Über die Autorin

Julia Petronis
Julia Petronis Expertin für: IT- und Medien-Recht

Julia ist seit April 2021 als juristische Redakteurin bei uns tätig. Während ihres Studiums der Rechtswissenschaften in Leipzig konzentrierte sie sich vor allem auf das Medien- und IT-Recht, sowie das Wettbewerbs- und Urheberrecht – und kann dieses Wissen heute auch „in der echten Welt“ einsetzen.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

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Kommentare  

#11 Petra 2021-06-17 10:24
Danke.
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#10 Petra 2021-06-15 19:34
Nun, ich verkaufe so schon nicht mehr in die EU.
Dann dürfte mich das doch nicht treffen, oder?
Diese Frage würde mich brennend interessieren.
_____________________
Antwort der Redaktion

Hallo Petra,

ja es geht hier um grenzüberschrei tende Verkäufe innerhalb der EU.

Beste Grüße
die Redaktion
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#9 Andree 2021-06-14 11:58
Nun unser Webshop kalkuliert auf Basis des Nettopreises
Die Preise für die Kunden im EU Ausland werden dann auch entsprechend höher.
Nur bei u.a. ebay geht das natürlich nicht.
Hier müsste auch auswählbar sein, ob der Preis auf Basis des Netto oder Bruttopreises angezeigt werden soll.
Bei Netto würden sich dann die Bruttopreise je nach Land erhöhen.

Oder man macht es generell wie in den USA:
Preise sind überall in Netto angezeigt, erst an der Kasse / Checkout kommt die Sales tax.
Da weiß der Verbraucher auch gleich, wieviel ihm der Staat abnimmt.
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#8 Lux 2021-06-13 19:42
@Klaus Schikora: Naja, ganz so stimmt das in diesem Zusamenhang aber nicht. Auch wenn da viel optimiert wird, Umsatzsteuer für Umsätze in Deutschland zahlen die alle ...

Ich halte es für durchaus sinnvoll, dass die Umsatzsteuer den Menschen in dem Land zugute kommt, aus dem eingekauft wird. So kompliziert ist das nicht. Dass dabei keine OSS Lösung für Versendungen aus anderen als dem eigenen EU Land geschaffen wurde ist die eigentliche riesige Schwäche der Änderung! Die steuerliche Registrierung in anderen EU Ländern (in Landessprache oder durch Dienstleister die für automatisierte Standardleistun gen hunderte Euro pro Monat kassieren) ist eine Zumutung!
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#7 Ilias K. 2021-06-12 09:56
Ich bin sehr überfordert und traurig.
Ich verstehe nicht wie das funktionieren soll.
Normalerweise müsste man die netto Preisen zeigen plus gültige MWSt.
Wenn ich z.B. meine Preise hier in Deutschland mit 19% habe und jemand kauft etwas mit 24% MWSt in ein anderes Land, verliere ich dann 5 %.
Wie soll ich bei jeder Rechnung die gültige MWSt eingeben? In meiner Software das ist gar nicht vorgesehen.
Fragen und mehr Fragen. Man muss überall Sache anmelden, versichern, beraten lassen usw. Man bezahlt überall für Verpackungs-Rec ycling, Geräte Recycling und Garantie (EAR), Rechtliche Beratung für Datenschutz, Rechtstexte, Schutz gegen Abmahnungen, Versicherungen usw, Buchhaltungssof tware, Shop Gebühren, Verkaufsgebühre n bis 15%, IHK, BGHW, Miete, Steuerberater. Die Rechnungen kommen egal ob man verkauft oder nicht. Ich bin ständig kurz vor aufzugeben und in meiner Alter kann ich nicht bei Amazon den ganzen Tag arbeiten.
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#6 Klaus Krüger 2021-06-12 08:24
Wie löse ich das Problem beim Verkauf der Ware mit den unterschiedlich en Steuersätzen. Ich weiße ja Bruttopreise und nicht Nettopreise aus. Im Klartext: ein Gerät kostet Brutto 4650 Euro mit 19% MwSt. Kauft ein Kunde aus Ungarn sind es aber 27% ! Dies bedeutet doch, ich muss 8% mehr Mehrwertsteuer vom Bruttobetrag abführen , dann kann ich noch Geld bringen. Leider ist mein Shop nicht dafür ausgelegt, von vorne zu erkennen aus welchem Land einer bestellt. Selbst wenn dies so wäre, ich müsste dann immer andere Preise bei anderen Steuersätzen verlangen. Ich stehe hier derzeit vor einem Rätsel, es sei denn, ich schließe alle Länder aus, die höhere Steuersätze ausweisen. Nicht gerade im Sinne des Erfinders. Der einfachste Weg wäre es, wenn es zulässig wäre, nur noch Nettopreise anzugeben, dann kommt einfach der jeweilige Steuersatz des Landes dazu, wo die Ware dann versendet wird. Ist allerdings im Endrundengeschä ft nicht zulässig mit Nettopreisen zu werben.
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#5 Jens Pässler 2021-06-09 22:42
Wie auch Klaus (#2) bereits erwähnt hat: Einheitliche Ust-Sätze in der EU müssen her.

Davon könnten letztlich alle Mitgliedsstaate n profitieren. Bei einer Vereinheitlichu ng müsste zwar so mancher Politiker das böse Wort in den Mund nehmen - Mehrwertsteuere rhöhung - aber die kommt doch sowieso. Warum dann nicht gleich und einheitlich?

Schlagartig könnten im grenzüberschrei tenden Handel (EU) viele kalkulatorische , organisatorisch e, steuerliche und abrechnungstech nische Probleme gelöst werden.

Egal, WER WAS WO in der EU kauft, immer der gleiche Ust-Satz. Das wäre doch schön und gar nicht schwer. Und wie beim OSS die Ust-Voranmeldun g (auch für alle EU-Auslandsumsä tze) ganz bequem ans lokale Finanzamt.

Aber vermutlich will man das alles einfach nicht, denn dann hätten die Händler ihren Kopf frei für die wirklich wichtigen Dinge, z. B. unternehmerisch e Ambitionen.

Also beschäftigt man vorsichtshalber und mit starker Lobby die Unternehmer ständig mit so genialen Einfällen wie DSGVO, Cookiebannerpfl icht, sogennante Ust-Reform oder ähnlichem Irrsinn.

Zuviel Freiraum und die mögliche Weiterentwicklu ng der vielen kleinen Unternehmen könnte ja am Ende noch dazu führen, dass diese wachsen und die großen Player Marktanteile abgeben müssten. Letztere stecken den ganzen unnötig produzierten Aufwand und die damit verbundenen hohen Kosten wahrscheinlich locker über ihre Steuerersparnis se in der EU weg.
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#4 Rainer Kratzer 2021-06-09 15:51
Meine Herren (und Damen und diverse...)
geht´s noch? Und das nennt sich EU - europäische UNION. Wo ist da die Union?

Da fehlen mir die Worte,,,
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#3 Klaus K. 2021-06-09 14:56
Noch mehr Bürokratie!
Noch mehr Ungleichheit!
Wie wäre es, bei einer gewollten EU, daß erst einmmal einheitliche MWSt-Sätze gelten? Wie soll man da noch kalkulieren, geschweige den überblick behalten.
Die Briten wußten, warum sie diesen Molloch verlassen....
Es wird Zeit, diesen ganzen Wahnsinn in Frage zu stellen.
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#2 Klaus Schikora 2021-06-09 14:42
Bezos, Gates, Google usw. usw. machen Milliarden in der EU und zahlen nicht ein Cent Steuern dafür !
( siehe z.B. aktuelle Meldung über Jeff Bezos )
Der "kleine" Händler bekommt aber mal wieder das volle Programm ab ! Wir werden das Porto dann auf 49,00 € für EU und Welt erhöhen müssen ( Handel mit Gebrauchtwaren / keine UST ) ansonsten würden wir beim Verkauf ins Ausland 20 % verlieren !!!
Alternativ werden wir den "internationale n Versand" ab 9.990 € einfach in den Shops abstellen bis Jahresende ! ZWANGSREGULIERU NG nenne ich sowas !!!
Für viele bedeuten diese 20 % teilweise die volle Gewinn-Marge !
bzw. alternativ die internationalen Märkte aufgeben !!
( damit Amazon noch mehr Milliarden scheffeln kann )

---> Zwangsruinierun g von der Politik angeordnet!
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