Gesetzesentwurf in Spanien

Freie Tage bei Regelschmerzen? – Vorschlag erntet Spott und Beifall

Veröffentlicht: 17.05.2022 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 17.05.2022
Frau mit Menstruationsschmerzen

Ein ungewöhnlicher Vorschlag beschäftigt derzeit die Politik in Spanien: Dort wird am Dienstag im Kabinett ein neuer Gesetzesentwurf vorgestellt. Tritt er in Kraft, würde er es Frauen mit starken Menstruationsschmerzen erlauben, an diesen Tagen des Monats der Arbeit fernzubleiben und nicht zu arbeiten.

Staat soll Kosten tragen

Die anfallenden Kosten, die diese freien Krankheitstage verursachen, soll den Plänen entsprechend der Staat übernehmen, heißt es in einer Reuters-Meldung bei Onvista. Dies gelte „so lange, wie die Schmerzen andauern“. Betroffene Frauen, die an akuten Unterleibsschmerzen leiden, müssten sich ihr Leiden von einem Arzt bescheinigen lassen, sodass sie dann eine Freistellung erhalten. Sollte das Gesetz tatsächlich angenommen werden und in Kraft treten, wäre dies für Europa eine Premiere, denn hierzulande kennt kein anderes Land eine solche Regelung.

Die vorgeschlagenen menstruationsbedingten Krankheitstage stehen im Kontext einer Neuregelung des Abtreibungsrechts. In diesem Rahmen soll es künftig etwa auch Frauen ab einem Alter von 16 Jahren möglich sein, einen Schwangerschaftsabbruch ohne elterliche Erlaubnis vornehmen zu lassen.

„Kein Fucking Urlaub“ – Streit in sozialen Netzwerken entbrannt

An dem neuen Gesetzesentwurf gab es Kritik aus den Reihen der sozialistischen PSOE-Partei des Regierungschefs Pedro Sánchez. So ließ das Wirtschaftsministerium eine Warnung verlauten, dass ein solches Gesetz Frauen im Wettbewerb um Jobs benachteiligen könne.

Auch auf der sozialen Plattform Twitter entbrannte indes ein Streit zwischen Nutzern. Kritisiert wurde unter anderem, dass der Gesetzesentwurf im Netz in Teilen unter dem Begriff „Menstruationsurlaub“ debattiert wurde, wobei gerade die Begrifflichkeit „Urlaub“ eher eine angenehme Erholung und nicht die Genesung von Schmerzen in den Fokus rücke.

Insbesondere der Fakt, dass manche Menschen den Gesetzesvorstoß als eine vermeintlichen Bevorteilung von Frauen einschätzen, führte allerdings zu teils heftigen Auseinandersetzungen. Wenn Frauen mehr freie Tage erhalten würden, müssten auch Männer an anderer Stelle profitieren, so die Forderung einiger Nutzer. Viele betroffene Frauen reagierten erbost und verwiesen unter anderem auf die grundlegende Benachteiligung, denen Frauen auf dem Arbeitsmarkt unterliegen.

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Über die Autorin

Tina Plewinski
Tina Plewinski Expertin für: Amazon

Bereits Anfang 2013 verschlug es Tina eher zufällig in die Redaktion von OnlinehändlerNews und damit auch in die Welt des Online-Handels. Ein besonderes Faible hat sie nicht nur für Kaffee und Literatur, sondern auch für Amazon – egal ob neue Services, spannende Technologien oder kuriose Patente: Alles, was mit dem US-Riesen zu tun hat, lässt ihr Herz höherschlagen. Nicht umsonst zeigt sie sich als Redakteurin vom Dienst für den Amazon Watchblog verantwortlich.

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Kommentare  

#3 Dirk 2022-05-18 12:21
Wenn jemand Schmerzen hat, die ihn/sie an der Arbeit hindern, soll er/sie zuhause bleiben - egal warum. Allerdings gibt es da zumindest in Deutschland das bewährte System der Krankschreibung bei Bedarf.

Nun kann man als Mann das zugegebenermaße n schwer beurteilen, allerdings scheint es ja auch nicht alle Frauen zu betreffen.

Ob aber 5 Tage pro Zyklus - also jede VIERTE Woche - da betriebswirtsch aftlich auf Dauer funktionieren kann, wage ich zu bezweifeln. Vor allem in eher schlecht bezahlten Tätigkeiten wird da sicherlich auch dem Missbrauch dieser Option Tor und Tür geöffnet. Wer wollte sich dann auch schon dagegen aussprechen?

Man stelle sich z.B. die Situation in Bereichen mit eh schon extrem angespannter Personaldecke vor - Pflege, Polizei etc. - wenn dort die Frauen einmal im Monat eine volle Woche ausfallen...
Und zudem würde damit der Diskussion um unterschiedlich e Bezahlung für Männer und Frauen neues Feuer geben. Wenn eine Fraus als Mitarbeiterin im Vergleich zu einem Mann nur 75% der Arbeistleistung bringen kann, weil sie jede vierte Woche fehlt, hat sie dann Amnrecht auf die gleiche Bezahlung?
Bei aller Gleichberechtig ung und Solidarität - und klar, Frauen können da nichts für, auch nicht, wie schmerzhaft eine Periode ist oder nicht (glaube ich) - aber pauschal zu sagen, dann bleibt doch bezahlt zuhause, finde ich schwierig...
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#2 Michaela 2022-05-18 08:51
Ich finde den Vorstoß klasse! Gestern lag meine 14-jährige Tochter bitterlich heulend im Bett mit Wärmflasche und hatte trotz Buscopan und Co. heftigste Schmerzen. Mein Gedanke: Jetz hat sie diese Sch... mind. 35 Jahre jeden Monat zu ertragen. Ich habe sie dann in der Schule entschuldigt, da sie sich nur durch den Tag schleppen würde.
Ich war so glücklich, als ich vorzeitig in die Wechseljahre kam und ich geniesse es, keine monatlichen Blutungen mehr zu haben!!
Ich wünsche jedem Mann 1 ganzes Jahr die Mens mit allem was dazu gehört: PMS, Brüste spannen, Bauch wird dick, Gewichtszunahme , ausgelaufene Tampons, immer eine Toilette finden zu müssen und auch ab und an mal rote Flecken in der schönen, hellen Sommerhose etc etc...Liste darf gerne weitergeführt werden
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#1 Daniel Bohnacker 2022-05-18 08:28
Wenn man nachweislich krank ist, dann ist man krank. Dafür braucht man eigentlich kein extra neues Gesetz. Jedoch für Arbeitgeber sind solche Personen leider nicht sehr wirtschaftlich, wenn diese regelmäßig 1/3 der Arbeitszeit fehlen..Sollte nicht überhand nehmen, das Vertrauensverhä ltnis nicht missbraucht werden. Oder ganz fairerweise nur teilzeitjob und die erschwerlichen Tage unbezahlt zuhause verbringen..irg endwo leider auch bisschen persönliches Schicksal.
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