Wir wurden gefragt

Produktsicherheitsverordnung: Was steckt hinter der Risikobewertung?

Veröffentlicht: 28.06.2024 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 12.07.2024
Eine Wissenschaftlerin in einem weißen Laborkittel arbeitet in einem Labor. Sie trägt eine Schutzbrille und ist umgeben von verschiedenen Laborgeräten wie Reagenzgläsern, Erlenmeyerkolben und Mikroskopen. Im Hintergrund sind Regale mit diversen chemischen Substanzen und Laborutensilien zu sehen. Die Szene ist in einem farbenfrohen, pop-art Stil gestaltet.

Neben neuen Informationspflichten sieht die europäische Produktsicherheitsverordnung, die am 13. Dezember 2024 in Kraft tritt, auch eine Pflicht zur Risikoanalyse vor. Diese Pflichten sind besonders für Hersteller:innen von Produkten relevant. Sie müssen sicherstellen, dass ihre Produkte den Sicherheitsanforderungen der Verordnung entsprechen. Zusätzlich sind sie verpflichtet, eine Risikoanalyse durchzuführen und die entsprechenden Dokumente für mindestens 10 Jahre aufzubewahren. 

Die Pflicht zur Risikoanalyse kann aber auch Händler:innen treffen, wenn diese Produkte unter ihrem eigenen Namen oder ihrer Handelsmarke in den Verkehr bringen. Außerdem wird man zum Hersteller oder zur Herstellerin, wenn man Produkte wesentlich verändert, sodass sich diese Änderungen auf die Sicherheit des Produkts auswirken. 

Unser umfangreiches FAQ mit den Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen findet ihr hier: Produktsicherheitsverordnung: Unsere Antworten auf eure Fragen
 

Also: Alle zum Sachverständigen?

Das klingt natürlich nach jeder Menge Aufwand und daher ist die Frage berechtigt, ob jetzt alle Produkte erst mal durch Sachverständige geprüft werden müssen. Das ist aber nicht der Fall. Je nach Produkttyp kann die Risikoanalyse sogar recht einfach ausfallen.

Bei einer Glasvase würde man wahrscheinlich einfach nur schreiben: Kann herunterfallen, dabei kaputtgehen und scharfe Scherben bilden. 

Bei einigen Produkten wird man sich ein Stück weit an den Warnhinweisen bedienen können, also beispielsweise, wenn diese als leicht entflammbar gekennzeichnet sind. 

Was aber klar ist: Je komplexer ein Produkt ist, desto aufwändiger wird die Risikoanalyse. Besonders herausfordernd kann die Analyse werden, wenn man chemische Materialien selbst verarbeitet.  

Informationen bei den herstellenden Unternehmen abfragen?

Wer selbst Produkte herstellt, verarbeitet in der Regel unterm Strich auch nur die Produkte von anderen. Entsprechend muss es dazu ja bereits Risikoanalysen geben. Allerdings sind Hersteller:innen nicht dazu verpflichtet, diese Risikoanalysen an Händler:innen weiterzugeben. Es kann aber nicht schaden, sich früh mit den herstellenden Unternehmen in Verbindung zu setzen.

Über die Autorin

Sandra May
Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Sandra May

Kommentare  

#7 Ralf 2024-07-15 12:46
Muss, ich also wenn ich Tassen verkaufe tatsächlich angeben, dass diese zerbrechen kann und scharfe Kanten dadurch entstehen? Gibt es in diesem Land wirklich Menschen, die zwar lesen können, aber nicht wissen, dass eine Tasse kaputgehen kann und scharfe Bruchstücke entstehen können. Haben Wir jetzt ein Bildungsniveau erreicht, der dies notwendig macht? Muss dies auch beim Verkauf von Essbesteck angegeben werden, dass man sich am Messer schneiden kann oder sich mit der Gabel pieksen kann? Ein Luftballon platzen kann und man sich dadurch erschrecken kann? Eine Flamme beim Verwenden eines Feuerzeugs entehen kann an der man sich verbrennen kann? Oder bei Trinkdosen: Nicht die Zunge druch die Öffnung stecken, scharfe Kannte.
Zitieren
#6 Emily 2024-07-15 11:22
Hallo, meine Frage wäre:

Wenn ich personalisierte Tassen, Brotdosen und Flaschen für Kinder verkaufe. Was für Risikoanalyse muss ich haben? Müssen die Tassen und Brotdosen durch Sachverständige geprüft werden?
Wie genau sollte diese Risikoanalyse aussehen?

__________________________

Antwort der Redaktion

Hallo Emily,

wie im Beitrag steht, müssen die Produkte nicht zwangsläufig ins Labor. Risikoanalysen können daher auch sehr kurz ausfallen. Beispiel Keramiktasse: Kann herunterfallen und beim Zerbrechen scharfe Kanten bilden. Wenn die Brotdose vom Hersteller für die Verwendung von Lebensmitteln freigegeben ist, darfst du dich jedenfalls auf die Richtigkeit verlassen.

Bei manchen Produkten ist nicht auszuschließen, dass in der Bewertung auch steht, dass es kein Risiko gibt.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
Zitieren
#5 Marianne Reinke 2024-07-15 10:55
Hallo, bei meinen Schmuckstücken ist immer Metall enthalten. Da ich das nicht im Labor hab analysieren lassen, muss ich jetzt immer auf der Webseite angeben: Metallteile enthält Nickel, nicht für Allergiker geeignet? Oder bei Magnetverschlüs sen: Nicht für Menschen mit Herzschrittmach er geeignet? Und muss das als Produktinformat ion der Ware beigefügt werden?
Zitieren
#4 Ralf 2024-07-11 14:44
Viele beschweren sich, dass der Kunde nun direkt beim Hersteller kaufen könnte. Frage: Wer kauft denn die Milka Schokolade nicht mehr bei Aldi & Co? Hersteller samt Adresse ist ja angegeben wie bei fast allen Produkte im Supermartkt, Baumarkt etc. etc. Also, wer kauft Produkte direkt beim Hersteller? Und wenn nicht, warum?
Zitieren
#3 Maier 2024-07-04 08:35
Und das nette ist noch das man die Daten vom Hersteller, Großhändler angeben muß sodas der Kunde
dann direkt sich dort erkundigen und kaufen kann. d.h. das ich dann nur noch Werbung für die
Hersteller usw. mache. Oder sehe ich das falsch.

mfg
Maier
Zitieren
#2 Ivonne 2024-07-01 10:08
Muss ich mir das vorstellen wie eine Gefährdungsbeur teilung?
Sowas haben wir in meiner Firma für verschiedene Maschinen, Werkzeuge und Gefahrenstoffe und das wird zur Aufklärung der Mitarbeiter genutzt, welche damit dann Arbeiten.

Ich verstehe, wenn ich sowas für schwere Maschinen oder gewisse Werkzeuge machen muss, aber muss man für eine Gabel dann auch schreiben "Kann man sich ein Auge mit Ausstechen"?
Wie weit muss man das denn treiben?
Im Prinzip birgt ja auch ein Blatt Papier Risiken. Es kann brennen und das ganze Haus in brannt stecken oder Schnittverletzu ngen verursachen. Geht es da um Leib und Leben oder gehört dazu auch "Das Papier kann im Drucker stecken bleiben und diesen dabei kaputt machen?"

Für wen mach ich diese Analyse denn? Für wen lege ich diese wichtige Information ab, dass eine Glasvase zerbrechen kann und dabei scharfe Scherben verursacht?
Zitieren
#1 Karl Ranseier 2024-07-01 09:13
Das ist leider auf allen Ebenen tote Information. In welcher Welt ist den auch nur einer einzigen Person unklar, dass eine Vase kaputtgehen kann? Wie wird die Welt durch diesen Beipackzettel verbessert, wie ist es auch nur denkbar, dass sich der Händler, der den Kunden vor derlei Trivialitäten warnt nicht zum Seppel macht?

Ist das jetzt ernst gemeint die Hilfe des Händlerbunds und ernstgemeinte Auflage der EU, dass man an alles und jedes Produkt dranschreiben soll, dass man es nicht mit Panzerfäusten beschießen sollte?

Abgesehen davon weiß ich immer noch nicht, wo ich diese Weisheiten auf meiner Webseite unterzubringen habe. Muss das auf jeder Produktseite meiner 400 Produkte einzeln, was mich als 1 Man Show wochenlang binden würde, oder mache ich eine Extrasektion im Shop, wo sich der amüsierbereite Leser den ganzen Schwachsinn am Stück zu Gemüte führen kann?

Ich bin ja wirklich viel Unfug von oben gewohnt: Batterieentsorg ung, DSGVO, Arbeitszeiterfa ssung, Coronamaßnahmen und was auch immer. Aber das hier ist ja noch mal Next Level!

______________________

Antwort der Redaktion

Hallo Karl,

die Risikoanalyse gehört nicht zu den Informationen, die den Verbraucher:inn en bereitgestellt werden müssen.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
Zitieren

Schreiben Sie einen Kommentar

Newsletter
Abonnieren
Bleibe stets informiert mit unserem Newsletter.