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Kommentar

Der Händler haftet – auch wenn Amazon Produktbeschreibungen ändert

Veröffentlicht: 17.04.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 17.04.2019
Pakete werden mit Lupe untersucht.

Amazon räumt sich bei der Darstellung von Angeboten großen Spielraum ein: Die Daten, die der Händler beim Einstellen der Angebote eingibt, betrachtet Amazon dabei seit kurzem ganz offiziell lediglich als Vorschlag. Der Marktplatz selbst behält sich vor, die Darstellung zu optimieren. Das bedeutet in der Praxis, dass in der Beschreibung, obwohl der Händler Inhaber der Buy-Box ist, keine einzige seiner eingegebenen Daten zu finden ist (wir berichteten).

Wie uns nun durch einen Händler zugetragen wurde, besteht der Verdacht, dass Amazon eigenständig Artikelüberschriften ändert. Die ursprüngliche, seit Jahren verwendete, Überschrift lautet:

„Produkt X aus Material Y”

Die Überschrift wurde wie folgt verändert:

„Produkt X, 12 Stück”

Geliefert wird natürlich weiterhin nur ein Stück und nicht zwölf; der Kaufpreis blieb der gleiche (mehr dazu). Wie ist die Sache aber rechtlich zu bewerten?

Unzufriedene Kunden, schlechte Rezensionen

Die offensichtlichste Konsequenz sind natürlich unzufriedene Kunden. Hier sind aber nicht nur entsprechende, schlechte Rezensionen das Problem: Der Kunde hat mit dem Händler einen Kaufvertrag über die Lieferung von zwölf Stück abgeschlossen. Erhalten hat er allerdings nur eines. Das bedeutet, dass der Kunde hier einen Anspruch auf Erfüllung des Kaufvertrages hat.

Möglich wäre hier zwar eine Anfechtung wegen eines sogenannten Erklärungsirrtums nach § 119 BGB; problematisch an dieser Stelle ist aber, dass der Händler eben aufgrund des Prinzips bei Amazon Überwachungspflichten hat. Der Erklärungsirrtum zielt allerdings auf eine Konstellation ab, bei der der Händler ein Angebot erstellt, sich dabei vertippt und den Irrtum erst bemerkt, wenn der Kunde die Ware möchte.

Hinzu kommt noch, dass für den Fall, das beispielsweise in der Überschrift „12 Stück” und in der Beschreibung „ein Stück” steht, auch noch eine irreführende Werbung angenommen werden kann.

Überwachungspflichten der Händler

In der Vergangenheit haben sich bereits mehrere Gerichte mit den Überwachungspflichten der Händler auf Amazon auseinandergesetzt: Knackpunkt war hierbei vor allem das Prinzip des Anhängens. Produkte sollen im Katalog möglichst nur einmal gelistet werden. Verkauft ein anderer Händler das gleiche Produkt, so wird er als anderer Verkäufer mit auf der Angebotsseite gelistet. Das hat wiederum zur Folge, dass die einzelnen Händler kaum bis gar keinen Einfluss auf den Inhalt der Angebote haben. Haften müssen sie dennoch. Der Bundesgerichtshof hat sogar eindeutig festgestellt, dass der Händler auch dann haftet, wenn Änderungen ohne Ankündigung von einem Dritten vorgenommen werden (Urteil vom 3. März 2016, Az.: I ZR 140/14). Das bedeutet, dass der Händler eine Überwachungspflicht hat. In der Theorie soll er seine Angebote von Montag bis Freitag täglich kontrollieren. In der Praxis ist dieser Aufwand kaum zu bewältigen.

Werden bei den Produkten also Daten geändert, ist der Händler derjenige, der herhalten muss, wenn dabei gegen ein Gesetz verstoßen wird. Es kann also passieren, dass ein Händler für einen Fehler, den ein anderer gemacht hat, abgemahnt wird.

Was also tun?

Ob Amazon tatsächlich hinter den Änderungen der Produktbeschreibung steckt, oder nicht, ist zur Zeit nicht sicher. Sicher ist aber in jedem Fall, dass Händler eine Überwachungspflicht trifft.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Sandra May

Kommentare  

#4 Sonja 2019-04-23 14:26
Uns ist etwas ähnliches passiert. Wir verkaufen weder in die Türkei noch in die USA oder GB; trotzdem übersetzt Amazon ganz selbstverständl ich Produkttexte fehlerhaft in türkisch oder englisch und dann soll man für die dort fehlerhaften Produktbeschrei bungen aufkommen. So etwas ist unverschämt und lächerlich. Wir wollen keine Übersetzungen in andere Sprachen, die wir nicht selbst machen. Es kann niemand vom Händler verlangen, dass er plötzlich türkisch beherrschen muss um diese von Amazon falsch generierten Übersetzungen korrigieren zu können. Das passt alles hinten- und vorne nicht zusammen. Falscher Denkansatz Amazon. Davon haben auch die Käufer nichts.
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#3 Markus 2019-04-20 13:07
Genau das macht Amazon, bei uns ebenfalls geschehen und eine Korrektur war im auch Erfolglos. Das ist auch der Grund warum wir nach einer Woche ausprobieren unser Amazon Konto wieder geschlossen haben. Auf so was haben wir kein Nerv, das ist gerade für das Geld was Amazon an Provision einbehält, extrem anmaßend und bevormundend.
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#2 Andreas Schlagenhauf 2019-04-19 09:16
Genau solche Dinge sind es, weshalb ich großen Abstand zu Amazon halte. Nicht nur als Händler, auch als Kunde. Das, was sich Amazon immer wieder ganz selbstverständl ich und vor allem straffrei erlaubt, ist einfach beschämend. Die können tun was sie wollen und müssen die keinerlei Konsequenzen tragen, denn dafür ist ja der Händler da, auf den sie das abwälzen können.
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#1 Hannes Streicher 2019-04-18 10:18
Doch das tut Amazon , ich habe ein Produkt das nur ich anbiete (Eigenmarke) und der Produkttitel wurde vor ca 1 Woche von Amazon angepasst
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