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Wir wurden gefragt

Wer zahlt, wenn der Kunde die falsche Lieferadresse angibt?

Veröffentlicht: 12.11.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 12.11.2019
Pakete mit großem Positions-Pin

Ob nun via Auto-Fill-In oder einfach in der Taste vertan: Vertipper passieren in der heutigen Zeit schnell. Da kann aus der Hausnummer 23 mal schnell die 33 werden. Manchmal ist der Nutzer auch mit den Gedanken ganz woanders, und gibt statt der aktuellen Adresse den Wohnort an, der vor dem letzten Umzug aktuell war.

Für den Online-Händler bedeutet das: Er schickt das Paket los und es kommt als unzustellbar zurück. Welche Konsequenzen hat das?

Verträge sind zu halten

Grundsätzlich gilt: Verträge sind zu halten. Unabhängig davon, wie sehr der Käufer sich bei der Adresse vertan hat, ist es zum Vertragsschluss gekommen. Das bedeutet, dass der Händler grundsätzlich in der Pflicht zur Lieferung bleibt, wenn die Ware als unzustellbar zurück kommt. 

Empfehlenswert ist es daher, den Kunden auf den Fehler aufmerksam zu machen. Korrigiert er dann seine Angabe, kann der Händler seiner Verpflichtung nachkommen und den Versand erneut in Auftrag geben.

Allerdings haben Händler berichtet, dass Kunden, sofern sie denn Verbraucher sind, häufig in so einem Fall von ihrem Widerrufsrecht Gebrauch machen. In so einem Fall muss der Händler die Ware natürlich nicht mehr liefern. Aber Achtung: Die quasi kommentarlose Retoure ist kein Widerruf! Dieser muss eindeutig gegenüber dem Unternehmer erklärt werden.

Was passiert mit den Versandkosten?

Die wichtigere Frage ist an dieser Stelle, was mit den Kosten für die erfolglose Lieferung geschieht. Diese muss ganz klar der Kunde tragen, denn: Dieser ist dafür verantwortlich, seine Daten korrekt einzugeben. Da der Händler keinerlei Möglichkeit hat, die Richtigkeit zu überprüfen, muss er sich hier auf die Angaben des Käufers verlassen dürfen. Gibt der Käufer – unabhängig davon, ob er etwas dafür kann – eine falsche Adresse an, begeht er eine Pflichtverletzung. 

Liefert der Händler nun an die angegebene Adresse und trifft den Käufer nicht an, befindet sich dieser sogar im Annahmeverzug. Der Händler stellt die Ware immerhin wie vereinbart zur Annahme durch den Kunden zur Verfügung. Entsprechend kann der Händler alle mit der gescheiterten Zustellung verbundenen Kosten auf den Käufer abwälzen. Diese kann er als Mehraufwand (§ 304 BGB) beim Käufer geltend machen.

Wie sieht es aus, wenn der Händler den kostenlosen Versand anbietet?

Spannend wird der Fall dann, wenn der Händler prinzipiell einen kostenlosen Versand anbietet. Hier könnte man nämlich argumentieren, dass dem Händler durch die erfolglose Hinsendung kein Mehraufwand entstanden ist und er folglich nur die Retourkosten in Rechnung stellen kann. Schließlich hat der Händler auch keine Versandkosten ausgezeichnet. Rechtsprechung gibt es zu dieser Konstellation leider noch nicht. Allerdings lässt sich folgende Argumentation gut lesen: Der Händler knüpft die versandkostenfreie Lieferung aus der Natur der Sache heraus an den Erfolg der Erstzustellung. Entsprechend müssen bei einer erfolglosen Zustellung auch in diesem speziellen Fall die Hinsendekosten durch den Käufer ersetzt werden. Diese Ansicht ist nicht nur händler- sondern auch lebensnah: Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen wird der Händler beim Angebot des kostenlosen Versandes kaum wollen, dass eine unendliche Zahl an Zustellversuchen umfasst sind.

Kommt es bei einer versandkostenfreien Lieferung zu einem Streit mit dem Kunden, muss der Händler einfach im Einzelfall abwägen, wie er sich verhält. Eine eindeutige juristische Beurteilung ist zur Zeit noch nicht möglich.

Doch Achtung: Fordert der Kunde eine erneute Zustellung an die korrigierte Adresse, so gilt wieder das, was ursprünglich im Vertrag vereinbart wurde, sprich: Die zweite Zustellung ist kostenfrei.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#11 öjendorfer 2019-11-18 15:38
Hallo # käufer
da hat mir die redaktion aber ganz was anderes geschrieben.

""da muss ich Ihnen leider widersprechen: Der Widerruf zielt auf die Willenserklärun g des Kunden, also auf den Vertrag ab. Dazu heißt es in § 312g BGB:


„Dem Verbraucher steht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und bei Fernabsatzvertr ägen ein Widerrufsrecht gemäß § 355 zu."


Der Erhalt der Ware lässt die Frist zwar beginnen, ist insofern aber keinerlei Bedingung für das Aussprechen der Widerrufserklär ung. Außerdem ist die Widerrufserklär ung entgegen Ihrer Vorstellung nicht an eine Form gebunden. Im Gesetz heißt es lediglich "durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer" (§ 355 BGB).


Diese Erklärung kann schriftlich, mündlich, aber auch per Eulenpost geschehen. Hier kommt es eher darauf an, was der Unternehmer vertraglich in der Widerrufsbelehr ung geregelt hat. Falls vorhanden, muss der Unternehmer allerdings eine Telefonnummer angeben (OLG Hamm, Beschluss vom 24.03.2015, Az. 4 U30/15): „Da sie ausweislich ihres Impressums einen geschäftlichen Telefonanschlus s unterhält, muss sie über diesen auch telefonisch mitgeteilte Widerrufserklär ungen entgegen nehmen."


Mit freundlichen Grüßen
Sandra May
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#10 H. S. 2019-11-16 12:20
DHL nimmt für den Rückläufer auch wieder 4,00 EUR - welcher Händler kann sich den Spaß auf dauer leisten?? wir nicht und deshalb liefern wir auch seit 15 Jahren immer mit ausgewiesen Versandkosten und übernehmen auch seit dem Juni 2014 kein Retourenporto mehr. Wir weisen darauf hin, dass der Kunde seine Daten prüfen muss. Die kunden verstehen das aber auch und ganz ehrlich wenn da ein Kunde ist der meckert, dann erstattet man das Geld gun gut ist.
Die Deutschen sind zu Geiz erzogen worden, denn im Ausland ist der Versand selten kostenlos und eine Regelung würde uns bei dem Wahnsinn in der Blekleidung, samt Retouren sehr gut tun!
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#9 käufer 2019-11-16 09:02
ich lese immer "der Käufer widerruft" - ein Widerruf kann nur ausgesprochen werden, wenn der Käufer die Ware in Händen hält, denn dafür wurde das Widerrufsrecht geschaffen: der Käufer erhält die Ware, prüft diese und widerruft bei Nichtgefallen.
§433 Abs. 2 BGB "...der Käufer ist verpflichtet, dem Verkäufer den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen und die gekaufte Sache abzunehmen..."
Bei einer Annahmeverweige rung oder einem vorzeitigem Zurückrouten nimmt der Käufer die Sache aber nicht ab und ist für die entstandenen Kosten verantwortlich. Außerdem kann dann auch kein Widerrufsrecht ausgeübt werden.
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#8 Redaktion 2019-11-15 11:12
Hallo Karen,

wer in dem Fall, dass ein Paket nicht vom Kunden abgeholt wird, die Kosten trägt, das lässt sich so pauschal leider nicht beantworten. Dies hängt unter anderem von der individuellen rechtlichen Gestaltung ab, oder ob möglicherweise ein Widerruf erklärt wird oder ähnliches. Nimmt der Käufer etwa sein Widerrufsrecht ordnungsgemäß wahr, wären die Versandkosten vom Händler zu tragen. Die Kostentragung der Rücksendung entscheidet sich dann an der Regelung in den AGB.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#7 Redaktion 2019-11-15 11:04
Hallo Dirk,

danke für deine Nachfrage. Letzten Endes kommt der Kunde durch die falsche Adresse in den sogenannten Annahmeverzug. Die beim Annahmeverzug entstandenen Kosten sind die des Hinversandes. Das ist so gesehen der Verzugsschaden. Diesen Schaden will der Händler ersetzt haben. Es geht also nicht darum, dass der Händler alles wie im Vertrag gemacht hat, sondern der Kunde sich nicht daran gehalten hat.

Für diese Ansicht spricht außerdem, dass dem Händler durch die Retour meist noch Strafgebühren entstehen. Die will er ja auch zurück haben. Und wenn der Kunde auf den zweiten Versand verzichtet, und den Widerruf erklärt, bleibt es ja auch bei dem Schaden.

Letzten Endes ist es aber einfach pragmatisch, dem Kunden den zweiten Versand in Rechnung zu stellen.
Für das Ausland kommt es darauf an, ob Sie als Rechtswahl das Deutsche Recht getroffen haben.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#6 Redaktion 2019-11-15 10:39
Hallo M. Maier,

prinzipiell darf der Kunde abweichende Adressen eingeben. Damit kommt der Händler zwar nicht in den Genuss des Paypal-Verkäufe rschutzes, das hat aber keinerlei Einfluss auf den "normalen" Rechtsweg.

Beste Grüße,
die Redaktion
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#5 öjendorfer 2019-11-14 10:53
DJ sie haben vollkommen Recht, aber die jetzige Regierung kümmert sich ja nicht um die täglichen "Dinge" vor Ort. Sie sendet lieber Soldaten mit dummen Gerede in die weite Welt. Wundert man sich danoch, wenn wir wieder nach "Rechts" wegdriften?.

Ich habe bei ebay gleiche Produkte eingestellt. -ist ja eigentlich nicht erlaubt, aber ich wollte mal etwas üner längere Zeit testen-. einmal mit Ausweisung der Versandkosten und einmal incl. Versandkosten. (Kostenfreier Versand- aber etwas teurer gemacht im Endpreis ) Was meinen Sie, was zu über 90% gekauft wurde? Natürlich mit kostenfreiem Versand. Die Kunden wollen betrogen werden und rechnen können sie auch nicht. Ja, was sollen wir Händler machen ?
tschüs
Wolfgang
PS. gesetzlich Vorgaben würden dem natürlich ein Ende machen.
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#4 Dirk 2019-11-13 14:58
"Doch Achtung: Fordert der Kunde eine erneute Zustellung an die korrigierte Adresse, so gilt wieder das, was ursprünglich im Vertrag vereinbart wurde, sprich: Die zweite Zustellung ist kostenfrei. "

Warum?
Mit der ersten Sendung hat der Händler doch seine vertraglichen Pflichten erfüllt.
Eine erneute Sendung ist demnach eine kostenpflichtig e Zusatzleistung, welche meines Erachtens der Händler direkt berechnen kann. Der Käufer ist ja auch für seinen Fehler und dem daraus entstehenden Schaden Ersatz pflichtig.

Und wie verhält es sich bei deutlich teureren Sendungen ins Ausland ?
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#3 Karen Gevorgyan 2019-11-13 14:37
Wer trädt die Versand und Rücksendekosten , wenn der Kunde das Paket nicht in Postfilialle abgeholt hat, trotz Benachrichtigun g.

Danke
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#2 M. Maier 2019-11-13 14:15
Danke für diesen interessanten Artikel. Wie ist es denn wenn der Kunde bei der Bestellung die richtige Adresse angibt aber bei PayPal eine falsche hinterlegt hat. Es wird ja eigentlich an die bei PayPal hinterlegte versendet zwecks Verkäuferschutz
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