Nimmt die Luft zum Atmen

Zalandos Logistiksoftware gerät ins Visier der Datenschützer

Veröffentlicht: 03.06.2020 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 03.06.2020
Zalandos Logistikzentrum in Erfurt

Zalos und Zafeto – was nach den Protagonisten eines Superhelden oder –schurken-Filmes klingt, sind die Namen der Software-Systeme, die Zalando in den Logistikzentren einsetzt, um die Tätigkeit der Arbeitenden zu überprüfen und auszuwerten. Nun ruft die Software Datenschützer auf den Plan. 

Überwachungsintensive Software 

„Es fühlt sich so an, als ob sie mir die Luft zum Atmen nehmen“, hat ein Mitarbeiter im Mai dem Business Insider verraten, als dieser über die Zustände in einem Logistikzentrum in Erfurt berichtet hat. Die Mitarbeiter werden über einen Mobilen Arbeitsspeicher gesteuert. Die Geräte lotsen die Angestellten zu den Artikeln, die gepickt werden müssen. Dabei werden neben Menge und Schnelligkeit auch Standzeiten ausgewertet. Etwa aller vier Wochen werden Mitarbeiter dann auf Grundlage dieser Daten zu einem Feedbackgespräch geladen. 

Nun will die Berliner Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk die Software auf eventuelle Datenschutzverstöße überprüfen, berichtet t3n. Zalos und Zafeto wirken „sehr überwachungsintensiv“, heißt es von einer Sprecherin der Datenschutzbeauftragten. Dieser erste Eindruck mache eine genauere Prüfung notwendig. Die Datenschutzbehörde in Thüringen habe die Software in Erfurt zwar schon einmal geprüft und für rechtmäßig beurteilt, dabei sei aber die Datenschutzgrundverordnung noch nicht angewendet wurden sein. Wie lang die derzeitge Überprüfung dauern werde, ist noch ungewiss.

Zonar wird seit Januar überprüft

Im Visier der Datenschützer ist außerdem noch die Software Zonar. Diese wird seit Ende 2019/ Anfang Januar 2020 überprüft. Bei Zonar können sich die Beschäftigten gegenseitig bewerten. Aufgrund der Überprüfung hat die Datenschutzbehörde Berlin dem Unternehmen erst einmal dazu geraten, Zonar nicht weiter zu verwenden. Hier seien die Untersuchungen fast angeschlossen.

Über die Autorin

Sandra May
Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#2 Tom 2020-06-22 13:00
Hallo zusammen,

Dieses Zalos und Zafeto hört sich ja nicht so spannend an, meine Frage hier wäre aber wie man in einem Unternehmen solcher Größe einen Mitarbeiter fair nach seiner Leistung bewerten könnte.
Ich kann mir eine Bewertung seitens Vertrauensbasis oder nach Symphatie eher schlecht vorstellen.
Ich gehe mal davon aus das diese "Standzeiten" sich auf einen unproduktiven Zeitraum bezieht, mit welchen rechtlichen Mitteln wäre man hier in der Lage einen Mitarbeiter davon abzuhalten seine Arbeitszeit einfach abzusitzen?

Für offene und konstrukitve Informationen wäre ich sehr dankbar.

MfG

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Antwort der Redaktion

Hallo Tom,

das Bedürfnis des Arbeitgebers ist hier grundsätzlich nachzuvollziehe n. Allerdings muss bei Überwachungsmec hanismen immer geschaut werden, ob diese auch gerechtfertigt sind.

Auf Haufe gibt es einen spannenden Artikel zu den Möglichkeiten: https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/mitarbeiterueberwachung-was-ist-erlaubt_76_473164.html#:~:text=Der%20Arbeitgeber%20hat%20bei%20der,1%20GG%20i.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#1 Vera 2020-06-03 09:52
Was ist denn ein „Moblen Arbeitsspeicher“?

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Liebe Vera,

danke für den Hinweis. Wir haben es korrigiert.

Beste Grüße,
die Redaktion
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