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Es geht um den Zucker

Hamburg unterstützt Lemonaid 

Veröffentlicht: 18.09.2020 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 21.09.2020
Glas voller Zuckerwürfel

„Die spinnen, die Deutschen.“ – Genau so würde Obelix diese Sachverhalt wohl zutreffenderweise zusammenfassen: Man stelle sich vor, ein Unternehmen produziert eine Limonade und bekommt einen auf den Deckel, weil zu wenig Zucker im Getränk ist. Die Leitlinie für Erfrischungsgetränke sieht nämlich einen mindestgehalt von sieben Gramm pro 100 Milliliter vor. Genau in dieser Situation befindet sich gerade der Limonaden, beziehungsweise dann wohl Nicht-Limonadenhersteller Lemonaid. Doch nun bekommt er Unterstützung von der Stadt Hamburg. 

Briefe an Klöckner und die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission

Nachdem Hamburg im letzten Jahr, nach einem Bescheid gegen Lemonaid wegen des zu wenigen Zuckers einiges an Kritik ertragen musste, unterstützt die Stadt den Getränkehersteller nun in einem neuen Konflikt: Diesmal ist es die Stadt Bonn, die zumindest mittelbar verlangt, dass der Hersteller entweder mehr Zucker ins Getränk mischt, oder es eben nicht mehr als Limonade bezeichnet.

Die Stadt Hamburg hat sich als Konsequenz nun erneut an die Bundesministerin Julia Klöckner und die Deutsche Lebensmittelbuch-Komission gewandt. Aus den Schreiben, die der W&V vorliegen, erklärt die Hamburger Verbraucherschutzsenatorin Anna Gallina, dass sich ihre Vorgängerin bereits im letzten Jahr an das Bundesernährungsministerium gewandt hat, um eine Änderung der Leitninien anzustoßen. Die Briefe erhalten die erneute Aufforderung. 

Zuckerdenkmal in Berlin

Lemonaid geht hingegen einen etwas anderen Weg und setzte der Bundesernährungsministerin Julia Klöckner am Mittwoch ein Zuckerdenkmal vor ihrem Gebäude. Klöckner selbst suchte nicht das Gespräch. Staatssekretärin Beate Kasch soll die Verantwortung nicht beim Ministerium sehen. Der andere Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel äußerte sich hingegen in einer Stellungnahme: „Wir haben das klare Ziel, in Fertiglebensmitteln und auch Erfrischungsgetränken den Gehalt von Zucker zu reduzieren. Mit unserer Nationalen Innovations- und Reduktionsstrategie sind wir hierbei auf dem richtigen Weg – das zeigen die Ergebnisse einer ersten unabhängigen wissenschaftlichen Überprüfung. Umso mehr haben wir die klare Erwartung, dass sich die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission der aktuellen Problematik nun zügig annimmt und die entsprechenden Leitsätze überprüft.”

Auch die Süßwarenindustrie hat sich bereits zu Wort gemeldet. Diese lehne jede Einmischung des Gesetzgebers in Rezepturen ab, um die Erzeugnisse gesünder, weniger zucker- oder fetthaltiger zu machen.

Über die Autorin

Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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