Neue Pflichten

Produktsicherheitsverordnung: Das muss die Handmade-Branche wissen

Veröffentlicht: 04.07.2024 | Geschrieben von: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 12.07.2024
Eine Nahaufnahme zeigt eine Person, die eine dunkelblaue Holzbox mit einem Pinsel und Acrylfarben bemalt. Die Hände der Person sind sorgfältig dabei, ein florales Design mit rosa und weißen Blüten sowie grünen Blättern auf die Oberfläche der Box zu malen. Im Hintergrund befinden sich weitere bemalte Holzgegenstände sowie verschiedene Farbtöpfe und eine Farbpalette mit verschiedenen Farbmischungen. Die Person trägt ein weißes Oberteil und ein silbernes Armband.

Die neue Produktsicherheitsverordnung, die am 13.12.2024 in Kraft tritt, sorgt für viele Fragezeichen. Hier schauen wir uns die häufigsten Fragen aus der Handmade-Branche zu diesem Thema an.

Unser umfangreiches FAQ mit den Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen findet ihr hier: Produktsicherheitsverordnung: Unsere Antworten auf eure Fragen

 

Muss ich die Hersteller:innen aller Bestandteile angeben?

Zu den neuen Pflichten gehört die Bereitstellung von Informationen. Händler:innen müssen bei jedem Produktangebot folgende Angaben der Hersteller:innen bereitstellen:

  • den Namen, den eingetragenen Handelsnamen oder die eingetragene Handelsmarke des Herstellers des angebotenen Produkts sowie
  • die Postanschrift und
  • eine elektronische Adresse (E-Mail; URL einer Website)

Unter den Herstellerbegriff fallen unter anderem alle, die selbst produzieren. Wer selbst Produkte herstellt, muss sich selbst also angeben.

Was allerdings nicht angegeben werden muss, sind die Hersteller:innen der einzelnen Komponenten. Wird beispielsweise eine Tasche genäht, müssen die einzelnen Unternehmen, die Gurtband, Stoff und Karabinerhaken hergestellt haben, nicht genannt werden. Es geht einzig darum, wer das fertige Produkt gefertigt hat. 

Plotten, sticken, drucken: Was ist, wenn ich ein fertiges Produkt lediglich veredle?

In der Handmade-Branche werden oft Produktrohlinge aus dem Großhandel veredelt. Da werden T-Shirts bedruckt und Taschen beplottet. Natürlich stellt sich hier die Frage, wessen Daten angegeben werden müssen. 

Nach Art. 13 der Produktsicherheitsverordnung gilt auch die Person als Hersteller:in:

  • die das Produkt in einer Weise verändert, die in der ursprünglichen Risikobewertung des Produktes nicht vorgesehen war,
  • sich aufgrund der Änderung die Art der Gefahr geändert hat, eine neue Gefahr entstanden ist oder sich das Risikoniveau erhöht hat und
  • die Änderungen nicht von den Verbraucher:innen selbst oder in ihrem Auftrag für ihren eigenen Bedarf vorgenommen wurden.

Wenn man jetzt also nach Auftrag Produkte nach Kundenwünschen verändert, ist man erst mal fein raus. Etwas anders kann es aussehen, wenn man Produkte nicht auf Auftrag veredelt. Hier kann man dann plötzlich zum Hersteller bzw. Herstellerin, da kein Auftrag durch die Kundschaft vorliegt. In diesen Fällen muss im Einzelfall geschaut werden, ob auch die anderen beiden Voraussetzungen vorliegen, also ob ein neues Risiko vom Produkt ausgeht. Wird beispielsweise ein T-Shirt mit einem chemisch behandelten Garn bestickt, kann dadurch ein Risiko für Allergiker geschaffen werden. Beim Beplotten sieht das anders aus. Hier kann es hilfreich sein, sich in die Lage der Hersteller:innen zu versetzen und sich die Frage zu stellen: Wöllte ich für dieses nicht durch mich veränderte Produkt haften?

Abbildungen der Produkte: Was muss ich bei individualisierter Ware nach Auftrag beachten?

Die Verordnung sieht außerdem vor, dass Abbildungen zur Identifizierung des Produktes notwendig sind. In der Regel erledigt diesen Job das Produktfoto. Bei Produkten, die nach Kundenwünschen gefertigt werden, ist ein Foto natürlich nicht möglich. Auch eine schematische Zeichnung ist nicht immer realisierbar. In solchen Fällen darf davon ausgegangen werden, dass keine Abbildung erforderlich ist. Werden wiederum klassische „Print-on-Demand“-Werke angeboten, bei denen die Kundschaft aus einem festen Pool an Motiven eine Auswahl treffen kann, so ist eine Abbildung notwendig. Hier werden die gängigen Darstellungsmethoden, die sich bereits in der Branche etabliert haben, weiterhin die Anforderungen erfüllen. 

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Über die Autorin

Sandra May
Sandra May Expertin für: IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Sandra May

Kommentare  

#3 Marianne Reinke 2024-07-15 10:40
Hallo,müssen bei selbst erstellten Ketten/Armbände rn aus Perlen ein Sichherheitshin weis wie z.B. Verschluckungsg efahr für Kinder der Einzelteile beim Reißen des Bandes (Nur grob formuliert, müsste noch konkreter formuliert werden) angegeben werden? Jetzt schonmal Danke für Beantwortung meiner Frage.

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Antwort der Redaktion

Hallo,

wende dich hierzu am besten an die IHK.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
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#2 Isolde Rauer-Bopp 2024-07-15 08:08
Hallo,
ich stelle Schmuck mit vorgefertigten Teilen, wie z. B. Schmuckdraht, Brisuren für Ohrhänger her. Also kann ich mich als Hersteller selbst benennen. Muss ich für jede Komponente (Draht, Brisuren) eine Sicherheitsprüf ung von einem Labor vornehmen lassen?
Welche Labore machen dies überhaupt?
Vorab schon mal Danke für Eure Antwort,
Isolde

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Antwort der Redaktion

Hallo,

du musst nur eine Risikobewertung für das fertige Produkt durchführen (lassen).
Frag hierzu am besten mal bei der IHK nach, welche Anbieter hier eine Bewertung anbieten.

Mit den besten Grüßen
die Redaktion
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#1 Tatjana Fromm 2024-07-09 12:28
Ich siede meine Seife und habe eine Sicherheitsbewe rtung-EU vom labor.
Ist das genug für meine Produktion? oder soll cih noch etwas unternehmen?
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