Wir wurden gefragt: Wer trägt die Versandkosten in einem Gewährleistungsfall?

Veröffentlicht: 12.01.2016 | Geschrieben von: Yvonne Bachmann | Letzte Aktualisierung: 09.04.2021

Jeder gewerbliche Händler muss als Verkäufer einer Ware per Gesetz einstehen, wenn er dem Kunden defekte Ware geliefert hat. Ein Gewährleistungsfall gehört zu einem der praxisrelevantesten Themen. Besonders wichtig ist es, dass Online-Händler daher ihre Rechte und Pflichten genau kennen, um in einem Gewährleistungsfall Bescheid zu wissen.

Fragen
© Jan Engel / Fotolia.com

Der Gewährleistungsfall

Ein Gewährleistungsfall tritt ein, wenn der Käufer eine Kaufsache bekommt, die mit einem (offensichtlichen oder verdeckten) Mangel behaftet ist. Ein Sachmangel liegt zum Beispiel dann vor, wenn die Ware defekt ist oder auch falsch geliefert wurde. Der Verkäufer haftet grundsätzlich zwei Jahre (ab Lieferung) für Mängel der Kaufsache.

Kauft ein Kunde beispielsweise eine Kaffeemaschine von einem Online-Händler und stellt beim Erhalt der Ware fest, dass diese nicht funktioniert, liegt ein Sachmangel vor und es greift sein Recht auf Gewährleistung gegenüber dem Online-Händler.

Die Pflichten des Händlers

Ist die Kaufsache mangelbehaftet, kann der Käufer von seinem sog. Gewährleistungsrecht Gebrauch machen. Der Käufer hat die Wahl, ob er die sog. „Nacherfüllung“ in Form der Mangelbeseitigung (z. B. im Wege der Reparatur) oder die Neulieferung einer mangelfreien Sache verlangen will.

Die Tragung der Kosten

Um eine Reparatur durchzuführen und die Sache in Augenschein zu nehmen, muss der Kunde die Ware im Online-Handel zunächst an den Händler zurücksenden. Der Käufer ist übrigens verpflichtet, dem Verkäufer die Kaufsache zur Überprüfung der erhobenen Mängelrügen und zur Nachbesserung zur Verfügung zu stellen. Muss die defekte Ware wieder an den Online-Händler zurückgesendet werden, entstehen dafür natürlich Kosten, die vom Online-Händler zu zahlen sind.

Tipp: Einige Händler verwechseln einen regulären Widerruf mit einem Gewährleistungsfall. Auch wenn der Verbraucher im Shop die Kosten der Rücksendung bei einem Widerruf tragen muss, ist dies hier klar davon zu trennen.

Antwort

Liegt ein Gewährleistungsfall vor, muss der Online-Händler die zu dessen Abwicklung anfallenden Versandkosten zahlen.

Wie gut kennen Sie sich schon im Gewährleistungsrecht aus? Machen Sie den Test. Lesetipp: Die häufigsten Irrtümer beim Umgang mit Mängeln.

Kommentare  

#41 John 2021-10-28 12:35
Hallo
Ich habe vor 6 Monaten ein Handy auf Amazon gekauft.Nun ist ein Defekt aufgetreten und es muß Repariert werden.Das Problem der Repararur Dienst sitzt in Ungarn und dieser verlangt nun von mir ich solle den Versand über 50 Euro tragen.Ist das Rechtens?Amazon ist mir da auch keine Hilfe und sagt nach Kontakt zum Verkäufer das dies so sei.Mich kotzen langsam eh diese Händler an ,auf Amazon.de die nicht in Deutschland ihren sitz haben.Zumal er das Handy aus Deutschland angeboten hatte damals.und Reparatur soll nun nach Ungarn gehen

Danke für eine Info


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Antwort der Redaktion:

Hallo John,

das klingt wirklich sehr ärgerlich. In der Tat ist es so, dass der Händler die Kosten tragen muss, wenn ein Gewährleistungs fall vorliegt und es sich um einen Verbrauchsgüter kauf handelt.

Alle Gute und viele Grüße

die Redaktion
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#40 Marie 2021-08-23 12:35
Hallo,
ich habe einen TV gekauft, bei dem sich nach 4 Monaten nun ein Mangel aufgezeigt hat. Kann der Händler verlangen, dass ich den TV auf eigene Kosten zu einem Markt vor Ort bringe? Der TV ist 75 Zoll groß und ich fahre ein kleines Auto. Der TV kam per Spedition, da ich ihn online gekauft habe.

Danke

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Antwort der Redaktion:


Hallo Marie,

wenn tatsächlich ein Mangel vrliegt, hat der Händler nach § 439 Abs. 2 BGB alle Kosten (inklusive Transport- und Wegekosten), die für die Nacherfüllung anfallen zu tragen. Am besten teilen sie dem Händler mit, dass sie keine Möglichkeit haben das Gerät zu einem Markt vor Ort zu bringen.

Viele Grüße

die Redaktion
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#39 Toni Guth 2021-08-15 10:28
Bei einem neuen Kühlschrank ist angegeben, dass die Betriebsgeräusc he 39 Dezibel betragen. Bei der Messung stellt sich allerdings heraus, dass sich diese zwischen 50 und 60 Dezibel bewegen! Ist das ein Mangel, der einen Rückversand legitimiert - und wer trägt die Kosten dafür? (Die andern angegebenen Werte auf dem Zertifikat können leider nicht so einfach überprüft werden - vielleicht stimmen die alle auch nicht so richtig?)

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Antwort der Redaktion:


Hallo Toni Guth,

ein Mangel liegt immer dann vor, wenn die Sache nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat. Wenn der Kühlschrank also deutlich lauter ist als angegeben, kann man von einem Sachmangel ausgehen. Dann hat der Händler die hierfür anfallenden Transportkosten zu tragen.

Viele Grüße

die Redaktion
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#38 Alexander 2021-04-15 21:45
Guten Tag,
Ich habe vor 10 Monaten ein Hardware-Bautei l für einen SAT-Receiver gekauft, da das bestehende Bauteil defekt war. Seit einiger Zeit hatte ich festgestellt, das der SAT-Receiver öfters ausfällt und ich vermutete, dass das Hardware-Bautei l sporadisch ausfällt und zum Online Händler zurück gesandt mit einer ausfühlichen Fehlerbeschreib ung und der Bitte um Umtausch des Hardware Bauteils. Der OnlineHändler antwortet schnell: "Wir haben Ihre Reklamation erhalten und geprüft. Wir können keinen Mangel feststellen."
Soweit alles gut jetzt kommt aber einer Service / Bearbeitungsgeb ühr von 30 Euro + Porto für den Rückversandt hinzu

"Bitte veranlassen Sie die Zahlung per Überweisung bis zum XX.XX.2021 (2 Wochen Zeit) damit wir Ihnen die Ware wieder zukommen lassen können. Bitte beachten Sie das wir die Ware nach Verstreichung der Frist entsorgen müssen damit keine weite Kosten auf Sie zukommen."

Meine Frage muss ich die Servicegebühr bezahlen? Die Portokosten hatte ich bereits übernommen und für den Rückversandt übernehme ich diese auch. Dem Online-Händler habe ich das bereits mitgeteilt aber er versendet die Ware nur, wenn ich die Servicegebühr bezahle, ansonsten will er die Ware entsorgen. Können Sie mir weiterhelfen?
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Hallo Alexander,

tatsächlich hat der Händler das recht, die Kosten für eine unberechtigte Prüfung zu verlangen. Diese Fälle sind aber so selten, denn sie gelten nur im Falle, in denen der Kunde bewusst vorsätzlich gehandelt hat oder den Fehler hätte einfach erkennen können. Bei Verbrauchern kommt das so gut wie nie vor, denn ihnen kann kein großes technisches Verständnis abverlangt werden. Ich gehe daher davon aus, dass auch Sie die Kosten nicht zahlen müssen.

Beste Grüße
Die Redaktion
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#37 Monika Mähringer 2021-03-26 19:15
Ich habe vor gut einem Jahr, Anfang März 2020, einen Kinderjoggingan zug verkauft. Nun reklamiert die Kundin und sagt, der Reißverschluss würde klemmen und die Griffplatte sei abgebrochen.
Ist diese Reklamation nach über einem Jahr noch zulässig?
Herzliche Grüße
Monika Mähringer

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Antwort der Redaktion


Hallo,

grundsätzlich verjähren Gewährleistungs anprüche erst nach zwei Jahren. Nach einem Jahr muss allerdings der Kunde beweisen, dass es sich bei dem monierten Schaden um einen Mangel handelt. Normaler Verschleiß oder Schäden, die auf einen falschen Umgang mit der Ware zurück zu führen sind, stellen keinen Mangel dar.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#36 Daniela 2020-10-06 15:36
Hallo,

unser Kleiderschrank, den wir online und mit Aufbauservive gekauft haben, ist nach nur 7 Monaten buchstäblich zusammengebroch en. Da es am Anfang schon Schwierigkeiten mit der Tür gab, hatten wir einen Nachlass von 10% bekommen. Auch das Licht ging irgendwann nicht mehr und einzelne Schrauben waren bereits aus dem Holz gebrochen.
Nun hat man uns den gesamten Kaufpreis inkl. der Aufbaukosten erstattet. Bedingung war, das wir den Schrank selbst entsorgen. Andernfalls hätten wir das Geld für den Aufbau nicht wiederbekommen. Zusätzlich bittet man uns jetzt um die Rückzahlung des damals gewährleisteten Rabatts. Eine Rechnung bzw. Dokument mit dem Betrag der uns erstattet wird liegt vor. Müssen wir tatsächlich den Rabatt von damals zurückzahlen?

Herzliche Grüße,
Daniela
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Hallo Daniela,

wichtig zu wissen ist, dass ein Kunde natürlich keinen Vorteil aus dem Kauf haben darf. Daher kann der Rabatt auch abgezogen werden und nur der rabattierte Kaufpreis erstattet werden.

Viele Grüße!
Die Redaktion
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#35 Oliver 2020-10-02 13:12
ich habe einen 10 Monate alte Kaffeemaschine die einen Defekt aufweist.
Der Verkäufer weigert sich die Transportkosten zum Hersteller zu übernehmen.
Ist das so rechtens ? Dies hier kam als Argumentation

"Sie verwechseln Gewährleistung mit Garantie- ich weiß über die Rechtslage dank vieler Berufsjahre sehr gut Bescheid.

Um den Vorgang über Gewährleistung abzuwickeln, lassen Sie uns bitte einen Nachweis zukommen, dass der Sachmangel
seit Beginn an bestand.

Andernfalls handelt es sich um einen Garantiefall und wir übernehmen die Kosten der Einsendung nicht. "

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Antwort der Redaktion

Hallo Oliver,

du hast Recht: Scheinbar verwechselt der Händler Garantie und Gewährleistung. In einem Gewährleistungs fall muss der Händler die Kosten tragen: https://www.onlinehaendler-news.de/e-recht/rechtsfragen/22308-ruecksendekosten-gewaehrleistungsfall

Kommt allerdings heraus, dass die Ware nicht mangelhaft ist, so muss natürlich der Käufer die entstandenen Kosten tragen.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#34 Juliane 2020-07-10 11:34
Guten Tag,

wir haben für unsere Tochter eine Toniebox gekauft. Diese war leider defekt, so dass wir bei dem Verkäufer einen Austauch des Gerätes angfordert haben sowie einen Versandschein. Für mich war klar, dass es sich hierbei um einen Sachmangel handelt und der Verkäufer die Versandkosten zahlt. Nun schreibt der verkäufer, dass wir die Versandkosten übernehmen müssen, dass es sich um einen Garantiemangel handelt. Er sendet die defekte Box zu dem Hersteller, diese überprüfen Sie und je nachdem erhalten wir ein repariertes oder ein neues Gerät.Ist dies so rechtens?

Mit freundlichen Grüßen Juliane

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Antwort der Redaktion

Hallo Juliane,

behauptet der Kunde, dass ein Sachmangel vorliegt, so steht dem Händler ein Prüfrecht zu. Ob er die Ware selbst prüft, oder vom Hersteller prüfen lässt, ist seine Sache. Bei einem Sachmangel kann er sich jedenfalls nicht mit dem Verweis auf die Herstellergaran tie aus der Verantwortung ziehen. Immerhin hat er mit Ihnen den Kaufvertrag geschlossen.

Im Rahmen des Prüfrechts haben Sie als Käufer die Möglichkeit, vom Verkäufer zu verlangen, dass dieser in Sachen Rückversand einen Vorschuss leistet. Sie können die Box aber auch auf Ihre Kosten zurück schicken. Handelt es sich tatsächlich um einen Mangel, muss der Händler diesen Aufwand ersetzen.

Sie sollten noch einmal klar formulieren, dass Sie die Nacherfüllung des Kaufvertrages fordern.

Mit besten Grüßen
die Redaktion
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#33 Cornelia 2020-07-07 16:35
GUten Tag, ich habe vor 3 Monaten ein E-Bike einem Online Fahrradhändler der ca. 800 km entfernt ist gekauft. Nun nach ca. 170 km klackert es im Mittelmotor. Nach Rücksprache mit dem Kundendienst des Händlers, sollte ich eine Inspektion durchführen lassen. Habe es bei Fachhändlern vor Ort versucht, aber keiner war bereit dazu, da sie 1. eine Inspektion nach gefahrenen 170 km für unnötig hielten und 2. nach kurzer Durchsicht der Fachhändler diese der Auffassung waren, das dass E-Bike schon von Hause aus vom Händler nicht richtig montiert wurde. Auffgrund der Gewährleistung lehnte alle 3 eine Inspektion ab.
Nun soll ich dem Händler das Rad zusenden und die Transportkosten , sowie die Kosten der Inspektion erstatten, weil dieser der Meinung ist, das der Mangel mit einer Inspektion beseitigt ist. Ich aber kann ja gar nicht prüfen, ob es tatsächlich an einer Inspektion gelegen hat, hier kann mir der Händler ja dann viel erzählen. Was kann ich tun?

Vielen Dank für die Beantwortung.
Schöne Grüße
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Antwort der Redaktion

Hallo Cornelia,

das ist sehr ärgerlich. Tatsächlich haben Sie als Verbraucherin schon viel mehr Mühe reingesteckt, als nötig gewesen wäre.

Fest steht, dass der Händler für seine Produkte einstehen muss und diese auf eigene Kosten für eine weitere Überprüfung und Reparatur zurücknehmen muss. Das ist gefestigte Rechtsprechung und darauf sollten Sie den Händler auch hinweisen. Verweigert er dies auch nach einer finalen Fristsetzung, können Sie vom Vertrag zurücktreten und ihr Geld zurück fordern. Da es sich vermutlich um einen hohen Kaufpreis handelt, ist ggf. ein Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Wir hoffen, dass Sie den Fall bald klären können.

Beste Grüße
die Redaktion
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#32 Josef Weidenfelder 2019-03-18 10:59
Hallo

Wir haben vor einem Jahr einen Thule Fahrradträger bei eBay gekauft.
Bei dem Träger sind zwei Plastik Ecken abgebrochen (Reifen Befestigungsratschen).
Soweit alles Kleinigkeiten und es läuft auf Garantie kurzen Kontakt mit dem Händler wo wir denn Träger gekauft haben, der will mit uns nichts zutun haben und sagt wir sollen uns bei Thule melden.
Das haben wir dann auch gemacht Thule Kundenservice Support angerufen Problem geschildert.
Antwort von Thule ich soll doch bitte auf eigene Kosten den Träger einschicken sie würden auf keinesfalls die Kosten übernehmen da der Händler die ersten zwei Jahre eine Gewährleistungs garantie hat und er verpflichtet ist die Kosten zu übernehmen.(Hän dler weigert sich ebenfalls)
Na super jetzt muß ich 50€ Versandkosten bezahlen und denn Träger an Thule einschicken.
Händler wo ich gekauft habe möchte mit mir nichts zutun haben und hat gesagt er bezahlt nicht.
Thule möchte auch keine Versandkosten bezahlen.
Also muß ich es bezahlen oder gibts da noch ein Weg für mich wo ich mich wenden kann und man mir weiter hilft,
Weiß da jemand was und kann mir weiter helfen ???
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