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Wir wurden gefragt

Muss das dritte Geschlecht in Bestellformularen berücksichtigt werden? (Update)

Veröffentlicht: 06.02.2019 | Autor: Sandra May | Letzte Aktualisierung: 06.02.2019 | Gelesen: 12145 mal
Kunde füllt Bestellformular aus

Neben der Eintragung „männlich” und „weiblich” wird es im Geburtenregister auch bald möglich sein, als dritte Option „divers” eintragen zu lassen oder die Angabe komplett zu streichen. Auf der Grundlage wurde uns die Frage gestellt, ob das dritte Geschlecht auch bei Bestellformularen berücksichtigt werden muss.

Die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht zum Thema „drittes Geschlecht” hat nicht nur Auswirkungen auf das Geburtenregister. Wie wir bereits berichteten, müssen konsequenterweise Arbeitgeber in Stellenanzeigen neben männlichen und weiblichen Personen auch Personen mit dem dritten Geschlecht ansprechen.

Massengeschäfte im AGG

Doch nicht nur das: Die Entscheidung hat auch Auswirkung auf den Online-Handel, denn: Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) darf niemand aufgrund seines Geschlechts benachteiligt werden. Dies betrifft auch Benachteiligungen im zivilrechtlichen Verkehr. Besonders relevant sind dabei die sogenannten Massengeschäfte, zu denen auch der Einzelhandel gehört. In der Folge bedeutet das, dass Kunden aufgrund ihres Geschlechts nicht pauschal ausgeschlossen werden dürfen.

Problem: Pflichtangabe

Ein solcher Ausschluss liegt zum Beispiel dann vor, wenn der Händler im Bestellformular eine Geschlechterabfrage durch das Feld „Anrede” vornimmt und dabei als Auswahl zum Beispiel nur „Frau” anbietet. Damit ist es für männliche Kunden nicht möglich, dass Bestellformular wahrheitsgemäß auszufüllen. Folglich werden sie ausgeschlossen.
Gleiches gilt für Personen mit dem dritten Geschlecht, denen als Auswahlmöglichkeit nur „Herr” oder „Frau” zur Verfügung gestellt wird. Aktuell sieht es also danach aus, dass die Pflichtangabe mit nur zwei Optionen gegen das AGG verstößt. Rechtssprechung gibt es aufgrund der relativ jungen Problemstellung noch nicht.

Hinweis für die Praxis

In der Praxis sollten sich Händler – auch aus Gründen der Datensparsamkeit – die Frage stellen, ob sie ihre Kunden überhaupt nach dem Geschlecht fragen wollen. Für den Abschluss eines Geschäfts ist das Geschlecht einer Person in der Regel irrelevant. Ebay und Amazon machen es bereits vor.

Die Mitarbeiter*in Manuela Tillmanns vom RosaLinde Leipzig e. V. gibt Händlern folgenden Hinweis:

„Der Beschluss zur Neuregelung im Personenstandsgesetz aufgrund der Kampagne für eine Dritte Option ist darin begründet, dass das allgemeine Persönlichkeitsrecht die geschlechtliche Identität eines jeden Menschen schützen muss. Dies gilt vor allem auch für Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich „männlich/weiblich" verorten. Zudem schützt Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Demnach bedeutet für alle, die sich weder dem „männlichen" noch dem „weiblichen" Geschlecht zuordnen, dass sie immer dann zwangszugewiesen werden, wenn ihnen nur die beiden Vorgaben und Kategorien „männlich/weiblich" zur Verfügung gestellt werden, wie es meistens bei Anträgen und Formularvorlagen der Fall ist. Eben deshalb wurde die Bundesregierung durch den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 10.10.2017 beauftragt, einen positiven Geschlechtseintrag zu ermöglichen (Anregung war „inter*/divers"). Wir als RosaLinde Leipzig e.V. verfahren in dieser Hinsicht so, dass wir gerade bei der schriftlichen Kommunikation, aber auch bei direkter Ansprache auf die Anrede „Herr/Frau" gänzlich verzichten und die Menschen mit Vor- und Zunamen ansprechen. Bevor wir jemals ein Pronomen als Vorannahme gebrauchen, fragen wir die entsprechenden Personen direkt, ob und welches Pronomen sie für sich verwenden, bzw. wir verwenden sollen. Generell stellt sich uns dahingehend immer die Frage, warum überhaupt in Formularen und Anträgen Geschlecht abgefragt wird. Und eben genau dieses Vorgehen sichert den gegenseitigen Respekt.”

Update 06.02.2019

Zur Zeit berichten Händler von Beschwerden: Käufer monieren, dass es nicht möglich sei, in dem jeweiligen Shop zu bestellen. Grund hierfür ist, dass die Anrede als Pflichtangabe besteht und lediglich „Frau“ oder „Herr“ zur Auswahl stehen. Da der Käufer aber weder zu dem einen, noch zu dem anderen Geschlecht gehöre, sei eine Bestellung aufgrund der Pflichtangabe nicht möglich.

Händler, die ihre Fomulare bis jetzt nicht angepasst haben, sollten das daher dringend nachholen. Es besteht weiterhin die Empfehlung, auch aus Gründen der Datensparsamkeit, auf die Abfrage der Anrede zu verzichten, da diese Information in den wenigsten Fällen für den Abschluss eines Rechtsgeschäfts relevant sein dürfte. Sollte auf die Abfrage nicht verzichten werden können, so muss als dritte Option „divers“ oder „keine Angabe“ zur Verfügung gestellt werden.

Über den Autor

Sandra May Experte für IT- und Strafrecht

Sandra schreibt seit September 2018 als juristische Expertin für OnlinehändlerNews. Bereits im Studium spezialisierte sie sich auf den Bereich des Wettbewerbs- und Urheberrechts. Nach dem Abschluss ihres Referendariats wagte sie den eher unklassischen Sprung in den Journalismus. Juristische Sachverhalte anschaulich und für Laien verständlich zu erklären, ist genau ihr Ding.

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Kommentare  

#17 merklehash 2019-02-20 12:03
Muss man wirklich jeden Quatsch mitmachen nur weil einer plärrt ?
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#16 renate 2019-02-15 09:23
Geschlechterwah n ist bescheuert!
2 Geschlechter reichen!
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#15 zina 2019-02-14 09:33
Der/die/das Wesen das geklagt hat, hat genau das Gegenteil bewirkt. statt für Toleranz zu werben und das dritte Geschlecht bekannt zu machen, hat der/die/das nur weiter negative Gefühle geschürrt.

Ich find das ganze ebenfalls Quatsch. Für mich gibt's weiterhin nur M und W. Wem das nicht passt hat Pech. Etwas Toleranz für die, die aus dem Kindergartenalt er raus sind und nicht jeden blöden Trend mitmachen, sollte ja möglich sein oder sind die dritt Geschlechter etwa intolerant
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#14 fragariaxananassa 2019-02-12 14:40
Wenn ich sowas lese muss ich mich ernsthaft nach dem gesunden Menschenverstan d fragen.

Sicherlich gibt es Intersexuelle, aber gleich durchdrehen wenn man als Herr oder Frau bezeichnet wird?

Was kommt als nächstes Leute die sich als Tier sehen und dafür eine Anrede möchten?

Außerirdische? Viertes Geschlecht?

Reichsbürger die verlangen ins Kaiserreich zu versenden?

Was passiert wenn man schreibt diverse Experten einer Kommission obwohl in der Kommission mit Frauen und Männer sind? Fühlen die sich jetzt in ihrer Identität gestört?

Darf man überhaupt der Diverse, die diverse , ein Diverser oder eine Diverse schreiben bzw. sagen?

Diverse Sachen sind nun nicht mehr sächlich sondern Intersexuell?

Wie Sandra schrieb das ist Kindergarten. Irgendwann muss auch mal gut sein.

Wenn das so weiter geht...
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#13 dilgar 2019-02-12 14:18
Ich Dreh dem Spieß um ...

Wer mich als Geehrtx statt meinem echten Geschlecht anspricht verstößt gegen mein Geschlecht (m) und entwürdigt mich und respektiert nicht mehr mein Geschlecht.

genau so Wer es nicht nötig hat mich in der Höflichkeitsfor m anzuschreiben. Diese Shops die bewusst Höflichkeit und mein Geschlecht ignorieren, da Kauf ich nicht mehr!
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#12 fragaria 2019-02-12 14:14
Absolut albern. Es gibt wichtigeres! Weg mit dem Genderwahn.
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#11 Frank Voßkämper 2019-02-08 09:09
Mit der Auswahl einer Anrede im Bestellformular wird nicht nach einem Geschlecht gefragt, es steht ja nicht männlich weiblich und jetzt divers zur Auswahl, sondern nach einer Anrede zur Kommunikation, die unabhängig der eigenen Geschlechtszuge hörigkeit auch folgenlos "Unwahrheitsgem äß" gemäß des Artikels von Frau May gewählt werden kann.

Denken wir doch darüber mal gemeinsam nach!
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#10 Anna 2019-02-07 09:02
"Die Mitarbeiter*in Manuela Tillmanns"

..ich glaube, hier ist es durchaus in Ordnung, "Mitarbeiterin" (ohne *) zu schreiben, da es sich ja um eine Frau handelt :)
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#9 Manfred Schnack 2019-02-07 07:19
Die Anrede "Herr" oder "Frau" hat sich sicherlich in der früheren Zeit aus Höflichkeitsgrü nden eingespielt. "Guten Tag Meyer, hallo Schmidt, auf Wiedersehen Merkel"....wie hören sich solche Sprüche an?! Außerdem muß man Bedenken, welcher Aufriß für eine verschwindend geringe Menschenmenge hier gemacht wird, ich habe mal was von 0,1% aller Menschen gehört. Aber wenn diese so gerne als Anrede "Divers Müller" haben wollen, können Sie es bekommen. Ich denke aber, diese würden es gar nicht so haben wollen. Es ist vielmehr wieder eine linksgrüne Spinnerei, unter der 82 Mio. Deutsche minus 0,1% leiden müssen. Hat sich überhaupt mal einer der Gendererfinder öffentlich dazu bekannt?
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#8 Gudrun 2019-02-06 13:59
Unabhängig von der Anrede, wie ist es wenn man einen Bericht schreiben müsste, z.B.: er oder sie oder ? tat etwas... (bei diversen dann "es" zu verwenden wäre ja dann wohl erst recht diskreminierend ) Alternativen? die Person (könnte man ohne Diskremierung dann nur bei weiblichen Personen verwenden?), der Mensch (bei männlichen), das Individuum... Müssen wir uns jetzt für alle Varianten etwas einfallen lassen? Haben denn die "diversen" das mal diskutiert und eine brauchbare Alternative vorgeschlagen?
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