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| Kategorie: Allgemein

Was zeichnet den Online-Handel in Frankreich aus? Wie ticken französische Kunden und welche Produkte sind bei den französischen Konsumenten besonders beliebt? In unserem Porträt über den französischen E-Commerce-Markt schildern wir Ihnen, was für den französischen Handel besonders charakteristisch ist.

Eifelturm in Paris

(Bildquelle Eifelturm in Paris: Alexander Demyanenko via Shutterstock)

Auch in Frankreich haben die Kunden beim Online-Shopping die sprichwörtliche Qual der Wahl. Denn genau wie in Deutschland gibt es zahlreiche Marktplätze, um Waren an den Mann oder die Frau zu bringen und auch die Zahl der Online-Shops bewegt sich im sechsstelligen Bereich, könnte nach Angaben des französischen Branchenverbands Fevad noch 2016 die Zahl von 200.000 Online-Shop-Seiten übertreffen. Gleichzeitig hat dieser Markt im vergangenen Jahr ein Wachstum von 14 Prozent verzeichnet. Die meisten Unique Visitors kann dabei ein auch in Deutschland wohl bekannter Shop und Marktplatz verbuchen – Amazon.

Wie ticken französische Kunden?

Worauf legen die französischen Kunden Wert? Offensichtlich verhält es sich ähnlich wie mit der französischen Küche: Hochwertige Produkte sind besonders gefragt. Dr. Katja Flinzner, die unter anderem auf ihrem Blog www.mehrsprachig-handeln.de mehrere Artikel zum französischen E-Commerce publiziert hat, meint dazu in einem Interview: „Wer sich mit hochwertigen Produkten und einer soliden Preispolitik positioniert, kann als deutscher Händler durchaus punkten.“ Weil die Franzosen jedoch großen Wert auf die eigene Sprache legen, kann es den Verkauf zusätzlich enorm antreiben, „Firmen-, Produkt- und Markennamen" ins Französische zu übersetzen oder zumindest an Frankreich anzupassen.

Franzosen legen Wert auf die französische Sprache

Wer darüber nachdenkt, in Frankreich zu verkaufen, sollte die französische Sprache beherrschen und gezielt einsetzen. Es empfiehlt sich sogar, die komplette Webseite ins Französische zu übersetzen. Dies bezieht sowohl die Produktdetails als auch Verkaufsbedingungen und vor allem gesetzliche Pflichtangaben wie AGB, Widerrufsbelehrung und Impressum ein.

Der Hintergrund hierfür ist wohl in kulturellen Aspekten zu suchen. So streben Franzosen auch bei den Geschäftsbeziehungen ein inniges Verhältnis an und möchten dabei gern in der Landessprache angesprochen werden.

Außerdem ist in Frankreich der Schutz der französischen Sprache sowie deren Gebrauch sogar per Gesetz verankert. Somit entsteht durch eine einwandfreie Übersetzung der Shop-Seite auf Französisch für die Konsumenten das notwendige Vertrauen. Katja Flinzner empfiehlt deshalb auch bei der Ansprache ruhig etwas mehr Wert auf den Konsumenten zu legen und weniger nüchtern als in Deutschland zu verkaufen, wo viele Händler auf die neutrale Darstellung von Artikeln vor weißem Hintergrund setzen. Produkte dürfen durchaus „in Aktion“ gezeigt werden. Außerdem darf ruhig ein wenig mehr Farbe erkennbar sein, wie die Startanimation von Community-Marktplatz Vente-Privee beweist. Die Frankreich-Expertin hat außerdem einen weiteren Rat auf Lager. Im Zweifelsfall sollte man die Kunden siezen, das „du“ wirklich nur einer extrem jungen Zielgruppe anbieten.

Startseite von Shopping-Community Vente-Privee
© Vente-privee - Screenshot

Am liebsten Mode

Was sind die beliebtesten Produkte französischer Online-Käufer? Eine Darstellung von Statista gibt hierzu Aufschluss. Am populärsten sind bei den französischen Kunden Bekleidung und Schuhe. Bedenkt man, welchen Wert Mode generell für die französische Kultur hat, wundert es nicht, dass vor allem diese Produkte im Online-Handel en vogue sind. Doch auch die Bereiche Unterhaltungselektronik und physische Medien, Lebensmittel sowie Möbel, Haushaltswaren und Haushaltsgeräte verbuchen Zuwächse nur nicht in der Höhe wie die Modebranche. Eine Besonderheit in diesem Kontext: Die Kunden des erfolgreichen Mode-Marktplatzes La Redoute sind zu 90 Prozent Frauen.

Welche Artikel kaufen französische Kunden am liebsten online?
© Statista 2016

Marktplätze legen immer mehr zu

Apropos Marktplätze. Diese machen auf dem französischen Marktplatz das Gros des Umsatzwachstums aus. Nach Angaben von Lengow wuchs das Verkaufsvolumen der Marktplätze seit 2014 um bis zu 58 Prozent. Wie schon erwähnt, hat Amazon hier die Nase vorn und verweist damit Cdiscount knapp auf den zweiten Platz. Genau wie Amazon ist der Online-Gigant, der sich selbst gern im Webseitentitel als „französische Nummer Eins“ bezeichnet, auch in anderen Ländern aktiv. Ansonsten folgen Ebay und Fnac. Hierbei lohnt es sich auch, im Social Commerce aktiv zu werden. Denn viele französische Kunden informieren sich im Internet, d.h. lesen Kommentare und Erfahrungsberichte, eher sie einen Kauf tätigen.

Payment: Nicht ohne meine Kreditkarte

Eine hervorstechende französische Besonderheit ist die Beliebtheit der Zahlung per Kredit- oder Debitkarte. So vertraut die Mehrheit der Franzosen auf dieses Zahlungsmittel. Alle anderen Payment-Verfahren landen laut Katja Flinzner regelrecht „abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.“ Interessanterweise ist bei den Franzosen jedoch auch das Relikt der Bezahlung per Scheck nach wie vor angesagt. Womöglich hängt dies damit zusammen, dass für diese Bezahlmethode im Gegensatz zu Online-Überweisungen keine Gebühren anfallen. Zumindest die Zahlmethode Kartenzahlung sollten Händler jedoch unbedingt in ihr Portfolio aufnehmen, damit sie der französische Kunde auch ins Herz schließen kann.

Beliebteste Bezahlmethoden in Frankreich
© Statista 2016

Mobile Commerce wächst

Wie sollte es anders sein? Auch in Frankreich wird Mobile Commerce immer wichtiger. Shopping über Smartphone und Tablet wird immer beliebter genau wie in anderen großen europäischen Staaten, wenngleich der Zuwachs etwas geringer als in Deutschland ausfallen soll. Allerdings liegt hier ein möglicher Schlüssel, um eventuell sogar französische Konkurrenten zu überholen. Denn viele französische Shops entscheiden sich entweder für einen „klassischen“ oder einen mobilen Online-Shop, anstelle einer kombinierten Strategie. Dennoch sind die um die sieben Milliarden Euro erzielter Umsatz durch Mobile Verkäufe kein Pappenstiel, sondern zeigen, dass es sich lohnt, eine mobile Shop-Version im Responsive Design bereitzustellen.

Besonderheiten: Verbindung von Online-Handel für Lebensmittel mit Click & Collect

Und wie sieht es zum Beispiel bei der Lieferung aus? Click & Collect und Hauszustellung werden von der französischen Bevölkerung bevorzugt. Insbesondere Strategie Nummer Eins zeigt, dass sich in Frankreich auch ein Omnichannel-Konzept lohnen kann. Eine weitere Besonderheit stellt der Online-Lebensmittelhandel dar. Katja Flinzner berichtet, dass sich in Frankreich viele Supermärkte ins Online-Geschäft wagen und dann auf stationäre Drive-in-Filialen setzen. Vielleicht das beste Beispiel für den Erfolg von Click & Collect bei den französischen Nachbarn.

Und dann wären da noch die rechtlichen Belange zum Beispiel beim Thema Schlussverkauf. Denn Schlussverkäufe im Internet müssen sich an den gleichen Zeitplan halten wie Schlussverkäufe im stationären Geschäft. Hierfür gibt es passenderweise genau zwei typische Zeiträume, nämlich das Wintergeschäft im Frühjahr sowie das Sommergeschäft in der warmen Jahreszeit. Halten sich Händler an die besagten Zeiträume, haben Sie jedoch sehr gute Chancen, speziell in diesem Tagen Umsätze zu machen.

Fazit

Gemeinsam mit Großbritannien und Deutschland zählt Frankreich zu den großen europäischen Staaten, auch was den Online-Handel betrifft. Händler sollten in Frankreich Wert auf die französische Sprache legen und darüber hinaus auch die rechtlichen Kriterien beachten. Ansonsten sind Marktplätze eine beliebte Option zum Einstieg in den französischen Markt. Und ein kleines aber feines Geheimnis hat uns die E-Commerce-Expertin Katja Flinzner ebenfalls verraten. Sie meinte nämlich, „wenn die Franzosen außerhalb der eigenen Landesgrenzen einkaufen, dann tun sie das am allerliebsten in Richtung Deutschland.“ Eine Chance, die Händler beim Schopf packen sollten, wenn sich ihnen die Möglichkeit dazu bietet.

Geschrieben von Martin Gaitzsch
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