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Online-Händler sollten ihre Pakete immer im Auge behalten. Mit einem Packet-Tracking kein Problem. Im Interview erklärt Paqato warum das der Fall ist.
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Paqato: „Die Bedürfnisse der Endkunden werden zunehmend an Relevanz gewinnen.“
| Kategorie: Interviews

Bereits vor zwei Monaten haben wir über „RePack“ berichtet, doch da ging es um die Idee von Studenten des Royal College of Art in London, wiederverwertbare Verpackungen für Online-Bestellungen anzubieten. Nun der Skandal: Die Idee war geklaut. Und zwar von einem Unternehmen in Finnland.

Wiederverwertbare Versandverpackung von RePack

Gleicher Name, gleiches Konzept und ähnliches Design von Produkt und Website. All das war bei den RePack-Projekten aus Großbritannien und Finnland zu finden. Der britische Student wurde nun des Plagiats schuldig gesprochen und seine Website ist offline. Demnach hat das Vorrecht auf die Idee das Unternehmen Peruste aus dem hohen Norden Europas. Mit ihrem Projekt „RePack“ haben sie bereits einige Preise gewonnen, darunter auch – als eines der ersten StartUps – den finnischen Fennia Prize 2014 für Designer.

Vor einer Weile hatte RePack OnlinehändlerNews darauf aufmerksam gemacht, dass das Konzept von einem britischen Studenten kopiert wurde und OnlinehändlerNews hat nachgehakt. Was steckt hinter RePack und wie wird mit dem Plagiarismus umgegangen? RePack-Manger und Mitgründer Jonne Hellgren hat uns Rede und Antwort gestanden.

OnlinehändlerNews: Herr Hellgren, woher kam die Idee für Ihre wiederverwertbaren Pakete?

Jonne Hellgren: Der Erfinder in unserem Team, Juha Mäkelä, kam auf die Idee als er in den 90ern als Austauschstudent  in Kopenhagen wohnte. Er war sehr beeindruckt von der dortigen Wiederverwendung und -verwertung von Flaschen und dem hohen Pfandwert – er konnte drei leere Flaschen zurückbringen und sich dafür wieder eine volle Flasche kaufen. Das Recyclen von Flaschen existiert auch in Finnland schon seit den 1980ern, doch der Pfandwert war nicht so wertvoll wie in Dänemark. Wiederverwertung lohnte sich dort wirklich.

Seit 2010 arbeitet unser Team bereits mit der Finnischen Post an einem nachhaltigen Verpackungssystem für den E-Commerce.

Als Juha uns die Idee zuerst vorstellte, verstanden wir das Konzept zuerst nicht. Auch, als er uns diese ein zweites und ein drittes Mal vorstellte, bestanden wir darauf, dass er sich auf andere Projekte konzentriert. Wochen, womöglich Monate vergingen und Juha hielt an seiner Idee mit der Mehrweg-Versandverpackung fest. Er nannte sie RePack und nach und nach verstanden auch seine weniger talentierten Team-Mitglieder (Jonne Hellgren selbst und sein Kollege Petri Piirainen, Anm. d. Red.) das Konzept dahinter.

Nun ist unser Plan, das brillante Verpackungsmodell im E-Commerce zu integrieren. Wir wissen, dass solche Modelle im Kommen sind und dass unseres nur eine kleine Lösung für ein Modell ist, welches die gesamte Welt umsetzen sollte.

Wie funktioniert das System hinter RePack und wie oft können Ihre wiederverwendbaren Verpackungen genutzt werden?

RePack ist ein nachhaltiger Verpackungs-Service für Online-Händler und Verbraucher, wobei die Lieferverpackung ganz bequem und einfach zurückgegeben und schließlich wieder zu verwenden ist. Die Endverbraucher wählen RePack anstelle von Einwegverpackungen für ihre Sendungen und zahlen einen kleinen Pfand von 3 bis 5 Euro, je nach Online-Shop.

Dann erhalten RePack-Nutzer ihr Paket in einer nachhaltigen Verpackung und ihren Pfand automatisch in bar oder als Gutschein zurück. Der Gutschein kann dann in allen Online-Shops eingelöst werden, die RePack anbieten. Unsere Nachforschungen haben ergeben,  dass die Nutzer von RePack somit 30 Prozent mehr Geld in Online-Shops ausgeben als durchschnittliche Käufer.

Momentan konzentrieren wir uns auf Fashion-Produkte, da unsere Verpackungen dort bis zu 30 Mal verwendet werden können und somit 90 Prozent Abfall eingespart wird. In anderen Bereichen kann unsere Verpackung RePack erhält den Fennia Prize 2014natürlich auch verwendet werden. Im September werden wir zum Beispiel auf Finnlands größter Design-Messe „Habitare 2014“ unsere wiederverwertbaren Verpackungen für Möbel vorstellen und arbeiten außerdem bereits am Vertrieb von Verpackungen für Elektrogeräte.

Was passiert mit einer Verpackung, die ausgedient hat?

Da Repack eine Dienstleistung ist, bedeutet dies, dass die Verpackungen uns gehören, nicht den Online-Shops, und diese somit Geld sparen. Wir managen das Rückgabe- und Wiederverwertungs-System und kümmern uns um die Verpackung, wenn deren Lebenszyklus abgelaufen ist. Jeder RePack wird nach jeder Nutzung kontrolliert und bewertet, ob er wiederverwendet werden kann. Wird eine Verpackung aus diesem Kreislauf genommen, recyclen wir sie. All unsere Verpackungen besten aus 100 Prozent wiederverwertbarem Material (Polypropylen oder Pappe) oder sind durch Upcycling von PVC und anderen Materialien entstanden.

Wie viele (Finnische) Online-Shops verwenden RePack bereits?

Momentan nutzen fünf finnische Online-Shops RePack, doch jetzt im September stellen wir „RePack 2.0“ vor, was bedeutet, dass es überall in der EU genutzt werden kann, zu 100 Prozent automatisiert ist und verschiedene Verpackungsgrößen mit viel Volumen angeboten werden. Derzeit führen wir den Service in 10 weiteren Finnischen Online-Shops ein und arbeiten hart daran, dies auch mit internationalen Shops zu tun, vor allem in Deutschland. Finnland haben wir als „Testgelände“ genutzt, um unser Konzept zu entwickeln. Jetzt wissen wir wie es von der Unternehmensseite und der Funktionsweise her klappt und können nun international expandieren.

Wie haben Sie reagiert als Sie herausgefunden haben, dass Ihre Idee von einem britischen Studenten kopiert wurde?

Seine Verpackungen sehen wirklich gut aus, aber gleichzeitig war uns klar, dass es nur ein Konzept war. Wir selbst haben mit Online-Shops und Logistikunternehmen zusammengearbeitet, um ein Produkt zu entwerfen, welches in allen Punkten der Lieferkette gut funktioniert – Verpackung, Lieferung, Rücksendung und Wiederverwertung. Außerdem haben wir es mithilfe verschiedener Unternehmen und verschiedenen Designs getestet.

Selbstverständlich waren wir nicht sehr erfreut darüber, unser Produkt, unseren Namen und die Texte von unserer Website eins zu eins bei einem Design-Studenten wiederzufinden, der auch noch behauptet, er hätte dies alles selbst entwickelt, was tatsächlich wir erarbeitet hatten. Wir haben ihn kontaktiert und ihm zu seinem Konzept und dem guten Zuspruch gratuliert, den er erhalten hatte, und haben ihm vorgeschlagen, mit uns über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Wir sind nicht wütend auf den Studenten, wir denken nur, dass es nicht richtig ist, wenn jemand dreist eine Idee kopiert und behauptet, es wäre die eigene. Wenn er ein guter Designer ist, würden wir sogar gern mit ihm zusammenarbeiten. Was er getan hat, ist natürlich ethisch nicht korrekt und wir wollten natürlich auch seine Reaktion testen, ob er zugeben würde, die Idee als seine eigene ausgeben zu haben. Seine Antwort war:

Nice to meet you!! Your RePack is awesome, too!!Really happy to see your success of putting reuse concept in the real world. It's interesting that both of us are focusing on the same area and have the same name!! Co-operation sounds interesting. I would love to have a try!” („Schön euch kennen zu lernen!! Euer RePack ist auch großartig!! Ich bin echt froh, dass jemand das Konzept der Wiederverwertung in der realen Welt einsetzt. Interessant, dass wir uns beide auf das gleiche Gebiet konzentrieren und auch noch den selben Namen haben!! Eine Zusammenarbeit hört sich interessant an. Ich würde es gern versuchen!“; Anm. d. Red.).

Und dennoch: andere Designer und Studenten sind nicht unser Feind, sondern Einwegverpackungen. Wir und die ganze Welt sollten mehr Verpackungen nutzen, die wiederverwendbar und nicht zum Wegwerfen gedacht sind.

Wird es eine Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem britischen Studenten geben, wie Sie es ihm vorgeschlagen haben?

Natürlich ist das möglich, da er offensichtlich ein talentierter Designer ist, doch noch haben wir uns auf nichts geeinigt.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Sie haben erwähnt, dass Sie RePack in Deutschland einführen möchten…

In der Wiederverwertbarkeit liegt definitiv die Zukunft. Einwegverpackungen aus Plastik wurden bereits in einigen Ländern verboten, wie zum Beispiel in Irland. Erst letzte Woche hat Kalifornien ein ähnliches Verbot ausgesprochen. Die Nachfrage und Notwendigkeit für wiederverwertbare Dinge wird also in Zukunft noch wachsen. Umfragen belegen, dass Verbraucher nachhaltige Lösungen haben wollen und RePack treibt diese Nachfrage für grüne Lösungen an.

Finnland ist nur ein kleiner Markt, weshalb wir so schnell wie möglich global expandieren wollen. Das Land funktioniert super als Testgebiet, aber internationale Online-Shops zeigen bereits ein noch größeres Interesse als Finnische.

Das heißt, wir befinden uns momentan in Verhandlungen mit innovationsbegeisterten Deutschen Online-Händlern, um RePack auch auf dem deutschen Markt einzuführen.  Außerdem sind wir im größten Klima-Innovations-Programm der EU, Climate KIC, involviert, welches in Hessen stationiert ist. Wir beweisen, dass Wegwerf- und Einwegverpackungen auf dem absteigenden Ast sind und Wiederverwertung nicht nur aus Sicht der Umwelt Sinn macht, sondern auch aus unternehmerischer Sicht. Wir haben verschiedene Märkte untersucht und glauben, dass die nordeuropäischen Länder die sind, in denen die Menschen der Wiederverwertung am offensten gegenüberstehen. Deshalb würden wir uns gern mit mehr deutschen Unternehmen auseinander setzen.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview wurde von uns ursprünglich in englischer Sprache geführt.

 

Über RePack

RePack ist ein Produkt von Peruste, einem Unternehmen für nachhaltige Designs. 2014 erhielt das RePack-Team, bestehend aus dem Unternehmensleiter Jonne Hellgren, Juha Mäkelä, Petri Piirainen den finnischen Fennia Prize 2014 für Designer. RePack wurde bereits in Finnland als Patent angemeldet.

 

 

Geschrieben von Nadja Naumann
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