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Kolumne: Arbeitsbedingungen als Aggressor des Glücks?

Veröffentlicht: 28.06.2013 | Autor: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 06.06.2014

Mag man den Meldungen der letzten Wochen Glauben schenken, fühlen sich viele Arbeitnehmer in ihren Jobs nicht wohl. Ob schlechte Arbeitsbedingungen, noch schlechtere Bezahlung, Angst vor Entlassungen oder schlichte Überarbeitung zuungunsten des privaten Glücks: Die Gründe für Unmut und Missstimmung sind so mannigfaltig wie häufig. Sind wir in solchem Maße verwöhnt und unsere Anforderungen an einen Arbeitsplatz so gestiegen, dass Arbeitgeber diese nicht mehr erfüllen können? Oder schrauben die Chefs und Manger die Forderungen und Ansprüche so hoch, dass wir sie – trotz aller Bemühungen und Anstrengungen – gar nicht mehr erfüllen können?

Die jüngsten Forderungen und Protestgründe der Amazon-Mitarbeiter scheinen naheliegend. Als schier unangefochtener Versandhandels-Riese bietet das Unternehmen seinen Kunden eine gewaltige Produktpalette, die keine Wünsche offen lässt. Und genau nach diesen Kriterien wollen die Arbeiter bezahlt werden: Nach Konditionen des Einzel- und Versandhandels. Das Unternehmen lehnt jedoch ein Entgegenkommen entschieden ab und bekräftigt seine Einstellung mit der Begründung, dass die Arbeiter Tätigkeiten der Logistik-Branche wahrnehmen. Man fragt sich, wo die Quelle dieser Probleme sitzt: Sind es definitorische Schwierigkeiten oder einfache Profitgier des Arbeitgebers?

Der Unmut chinesischer Arbeitnehmer über die betrieblichen Verhältnisse und die Angst vor Entlassungen wuchs diese Woche ins Unermessliche und konstruierte eine fast absurde Situation: Die Mitarbeiter nahmen ihren US-amerikanischen Chef kurzerhand gefangen und verweigerten ihm die Freilassung. Über mehrere Tage musste der Mann in seinem eigenen Büro ausharren und über Entschädigungsleistungen für die Angestellten disputieren. Erst nach Abschluss der Verhandlungen wurde der Unternehmer wieder freigelassen. Diese Nachricht wirkte so konstruiert und abwegig, dass man sich fragt, wie weit ein Mensch eigentlich getrieben werden muss, dass er seinen eigenen Chef kidnappt und ihn zur Besserung nötigt.

Auch Neon, die „junge Variante“ der Zeitschrift Stern, beschäftigt sich in der aktuellen Ausgabe mit der Problematik. Unter dem Titel „Glück statt Karriere“ wird von einer künftigen „Revolution auf dem Arbeitsmarkt“ berichtet. Durch die geburtenschwachen Jahrgänge und den generellen demographischen Wandel bleiben schon in wenigen Jahren viele Stellen unbesetzt und die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften steigt. Der Regisseur für Dokumentarfilme Konstantin Faigle verweist darauf, dass viele Menschen die Arbeit als „weltliche Ersatzreligion“ sehen, in der man sich selbst verwirklicht und über die man sich definiert. Zukünftigen Generationen von Arbeitnehmer werden laut Neon-Artikel zufriedener sein, denn sie müssen durch die geringere Konkurrenz keine Kompromisse mehr eingehen.

Die Frage nach der Arbeit und dem privaten Glück lässt sich weder einfach noch pauschal beantworten. Es gibt Menschen, die sich durch das ewige Streben nach Höherem selbst im Weg stehen. Andere leiden tagtäglich unter beruflichen Missständen, die sich auf ihr Privatleben auswirken, ohne dass sie den Versuch unternehmen, daran etwas zu ändern.

Schlussendlich muss sich jeder seine eigenen Verhältnisse vor Augen halten und abwägen, inwieweit Änderungen vonnöten sind, um das Glück zu finden und auch zu halten.

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