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Insolvenz und Zeitdruck

Lesara: Darum ist das StartUp insolvent

Veröffentlicht: 15.01.2019 | Autor: Christoph Pech | Letzte Aktualisierung: 15.01.2019
Lesara-Gründer Kirsch

Im November musste das Mode-StartUp durchaus überraschend Insolvenz anmelden. Im Herbst erhoffte man sich zehn Millionen Euro von den Altinvestoren, die aber nicht bereit waren, diese Summe bereitzustellen. Daher sollte das Unternehmen zunächst in einem Eigenverwaltungsverfahren saniert werden. Kurze Zeit später aber wechselte man in ein klassisches Insolvenzverfahren.

Und dabei drängt offenbar die Zeit. „Bis Ende Januar muss eine Einigung mit einem Investor erzielt werden", so ein Sprecher des Insolvenzverwalters Christian Graf Brockdorff gegenüber der Wirtschaftswoche. Gelingt dies nicht, drohe die Abwicklung des Online-Händlers, der derzeit noch 350 Mitarbeiter beschäftigt und bislang darauf verzichtet hat, Teile der Belegschaft zu entlassen. 

Lesara soll seit dem Start insgesamt Investments in Höhe von 67 Millionen Euro erhalten haben, schwarze Zahlen konnte man bislang nicht schreiben. Diese seien auch mittelfristig vorerst nicht zu erwarten. Ohne verbindliche Finanzierungszusagen gelte eine Weiterführung des Unternehmens nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im Februar daher als nahezu ausgeschlossen, so die Wirtschaftswoche. Insolvenzverwalter Brockdorff ist aber optimistisch. Gespräche mit interessierten Investoren laufen

Investment für Logistikzentrum zu spät

Lesara-Gründer Roman Kirsch äußerte sich nun auch zu den Gründen für die Insolvenz. Grundsätzlich konnte man mit der Umsatzentwicklung zufrieden sein, auch wenn das Ebit-Minus von 30 Prozent im Jahr 2017 groß wirkt. Bis zur Profitabilität hätte es noch „zwei bis drei Jahre gedauert. Diese Entwicklung ist in unserem Bereich aber auch nicht ungewöhnlich, wir waren eigentlich auf einem vernünftigen Pfad", so Kirsch im Interview mit Gründerszene.

Als eines der Hauptprobleme stellte sich wohl das Logistikzentrum heraus, dass man 2018 in Erfurt eröffnete und das etwa 40 Millionen Euro gekostet hat. Man entschied sich für eine eigene Lösung, „weil die weitere Zusammenarbeit mit einem externen Partner uns langfristig bei unserer Größenordnung permanent 30 bis 40 Prozent mehr gekostet hätte. Aber natürlich erfordert der Aufbau dieses Logistik-Zentrums erst einmal ein bestimmtes Investment, welches sich erst mittelfristig rentiert". Dafür wurden etwa 17,5 Millionen Euro Eigenkapital investiert, der Rest kam von Investoren. 

Das Geld musste Lesara Kirsch zufolge aber zunächst vorstrecken, um es „zeitnah" refinanziert zu bekommen. „Vereinbart war, dass dieses Geld früher und schneller ausgezahlt wird. Dies ist jedoch nicht geschehen und hat somit zu einem Engpass geführt", sagt Kirsch. Vor allem die Auszahlung der örtlichen Sparkasse, die Gründerszene zufolge einen Großteil des Investments ausmachte, kam zu spät.

Fehlende Brückenfinanzierung

Die notwendige Brückenfinanzierung in den Wochen vor der Insolvenz kam nicht zu Stande, obwohl sich das Investment der Bank lediglich zeitlich verzögerte. Kirsch stellt sich trotzdem vor die Investoren: „Dafür muss man unsere Investorenbasis verstehen. Wir haben keinen Investor wie Softbank oder Rocket Internet, die schnell Millionen nachschießen können. Es sind bei uns viele kleinere bis mittelgroße Investoren, die das nicht mal eben so machen können. Zudem war die Verzögerung mit der Bank ein Faktor, wenn auch ein Großer, aber nicht der Einzige."

Der Betrieb läuft vorerst weiter, die Kunden würden dem Unternehmen die Treue halten, das Weihnachtsgeschäft sei gut gelaufen. Lesara musste Kirsch zufolge keine Umsatzrückgänge verzeichnen und habe noch Ware bis mindestens Februar. Wie es danach weitergeht, entscheiden das Insolvenzverfahren.

Über den Autor

Christoph Pech Experte für Digital Tech

Christoph ist seit 2016 Teil des OHN-Teams. In einem früheren Leben hat er Technik getestet und hat sich deswegen nicht zweimal bitten lassen, als es um die Verantwortung der Digital-Tech-Sparte ging. Digitale Politik, Augmented Reality und smarte KIs sind seine Themen, ganz besonders, wenn Amazon, Ebay, Otto und Co. diese auch noch zu E-Commerce-Themen machen. Darüber hinaus kümmert sich Christoph um den Youtube-Kanal.

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