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Interview

Arbeiten mit Sand unter den Füßen: Ein digitaler Nomade im Gespräch

Veröffentlicht: 23.01.2019 | Autor: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 23.01.2019
Frau am Strand mit Laptop

Wenn Giampiero Sirianni früh morgens seinen Arbeitstag beginnt, kann dies in Thailand, China, Japan, Myanmar, Indonesien oder Hong Kong sein. Der digitale Nomade hat schon einige Flecken dieser Welt bereist und betreibt nebenbei sein Online-Geschäft. Wir haben mit ihm über die Herausforderungen einer solchen Lebensweise gesprochen und warum sich sein Arbeitsalltag möglicherweise gar nicht so sehr von einem normalen Bürojob unterscheidet.

Was genau machst du beruflich bzw. was ist dein Geschäft?

In erster Linie produziere und vertreibe ich Einwegartikel. Von Einwegsocken über Nitrilhandschuhen zu Unterlagen für Krankenhausbetten. Sowas wie Trinkhalme und Plastiktüten aber nicht. Außerdem gibt es einen Online-Shop für Bowlingartikel, der sich an Privatkunden richtet, und seit Kurzem einen Shop für Weine & Spezialitäten, der sich an Gastronomen und Privatkunden gleichermaßen richtet.

Wie bist du dazu gekommen, ein digitaler Nomade zu werden?

Nach dem Studium in Wien bin ich erst wieder nach Deutschland gezogen und habe dann irgendwann gemerkt, dass es gar nicht so wirklich wichtig ist, ob ich meine Arbeit zu Hause, im Büro oder aus dem Urlaub erledige. Durch die (irgendwann endlich auch praktikablen) Möglichkeiten, den Versand über z.B. FBA oder DHL Logistikzentren abwickeln zu können und das Outsourcen der Produktion war ich (dank weniger Personal) auch irgendwann in der Lage, länger dem Geschäftssitz fernzubleiben.

Bali ist ebenfalls toll, auch wenn da alles voller Instagrammer ist 

gianni profilbild

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei dir aus?

Womöglich gar nicht so untypisch. Ich stehe auf, hole mir einen Kaffee und laufe ins Coworking-Büro. Mein Büro ist super gelegen und durch die Zeitverschiebung bekomme ich entspannt viel erledigt, bevor das Telefon anfängt zu klingeln. Meine deutsche Büronummer wird über Satellite (von Sipgate; sehr zu empfehlen) umgeleitet und kein Anrufer merkt, wo ich gerade bin. In der Mittagspause treffe ich mich mit Kollegen und Freunden, gehe irgendwo essen (Bangkok ist, was das angeht, super) und anschließend verbringe ich noch ein paar Stunden im Büro und kümmere mich um mein Tagesgeschäft.

Welche Länder hast du als digitaler Nomade schon bereist?

Puh... Dieses Jahr war ich bisher in Thailand, China, Japan, Myanmar, Indonesien, Malaysia, Hong Kong, Macau und Singapur; und ein bisschen in Europa unterwegs. 

Welche davon sind deiner Meinung nach geeignet für digitale Nomaden und welche nicht?

Wirklich ungeeignet ist eigentlich keines der Länder, in denen ich bisher gewesen bin. Südamerika hat, finde ich, nicht unbedingt das schnellste (mobile) Internet und Länder wie z.B. China, in denen man ein VPN benötigt, um anständig arbeiten zu können, sind auch schwierig. Wirklich gut funktioniert es tatsächlich in Thailand. Coworking-Spaces liegen vom Standard her Welten über denen in Europa, es ist nicht so grausam verhipstert wie in den europäischen Metropolen und es ist einfach verhältnismäßig günstig. Bali ist ebenfalls toll, auch wenn da alles voller Instagrammer ist.

Die zwei Ks digitaler Nomaden: Kompromissbereitschaft und Kohletabletten

Welche Hilfsmittel (Apps, spezielle Programme, o.ä.) brauchst du, um dein Geschäft am laufen zu halten?

Mail, Todoist, Slack, Satellite.

Welche Eigenschaften muss ein digitaler Nomade mitbringen, um erfolgreich zu sein?

Ich denke das hängt massiv davon ab, was man unter Erfolg versteht. Gelassenheit, Kompromissbereitschaft und Kohletabletten helfen auf jeden Fall ;)

Was war dein bestes/schlimmstes Erlebnis als digitaler Nomade?

Etwas wirklich Schlimmes ist mir bisher nicht passiert. Man muss halt mal ins Krankenhaus, etwas geht kaputt, man verpasst Flüge oder vermisst die Familie; aber das alles rückt wieder in den Hintergrund, wenn man sich vor Augen führt, dass das, was man da gerade macht, für einen funktioniert und man immer wieder etwas Neues erlebt. Wirklich schön ist, wenn man Anschluss findet und auch den Kontakt zu Freunden nicht verliert.

Wann warst du das letzte mal zu Hause und was ist mit deiner Familie und Freunden? Vermisst man sie bei einem solchen Lebensstil nicht?

Ich bin alle paar Monate in Deutschland und dank Facetime und sowas fühlt man sich auch nie wirklich isoliert.

Stichwort Zeitverschiebung: Beeinträchtigt dich das in deinem Geschäft?

Überhaupt nicht! Wir produzieren u.a. in China und da kommt mir die Zeitzone in Thailand sehr gelegen.

Was sind deine Pläne für die Zukunft? Willst du irgendwann wieder ein „normales“ Leben in Deutschland?

In Deutschland zu leben, kann ich mir aktuell nicht vorstellen. Da überwiegen gerade in Asien die Vorteile. (Lebensstandard, Chancen, Gesundheitswesen, Sonne).

Vielen Dank für das Gespräch!


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Über den Autor

Corinna Flemming Experte für Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

Sie haben Fragen oder Anregungen?

Kontaktieren Sie Corinna Flemming

Kommentare  

#1 Stephan 2019-01-25 10:03
"Arbeiten mit Sand unter den Füßen" haben die echt Sand im Coworking-Büro?
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