Unangebrachte Sprache & Mikroaggressionen

Zalando veröffentlicht Untersuchungsergebnisse zu Rassismus-Vorwürfen

Veröffentlicht: 20.08.2020 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 20.08.2020
Zalando Webseite Lupe

Ein ehemaliger Zalando-Mitarbeiter, Art Director Fernando Torres, hatte sich auf Instagram mit konkreten Rassismus-Vorwürfen an Zalando gewandt: Eine Bookerin hätte ihm beispielsweise gesagt, dass viel zu viele Schwarze auf der Seite seien und weitere rassistische Äußerungen getätigt. Sein Posting veröffentlichte Torres am 4. Juni 2020, dem Blackout-Tuesday, um den herum sich viele Menschen und Unternehmen in den sozialen Netzwerken gerade auch aufgrund des einige Tage zuvor von US-Polizisten getöteten Schwarzen George Floyd öffentlich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung solidarisierten

Zalando reagierte zügig auf die Vorwürfe und gab bekannt, diese Angelegenheit sowohl intern durch das eigene Compliance Team zu analysieren als auch von externen Anwälten, der Rechtskanzlei Pohlmann & Company, prüfen zu lassen. Nun liegen die Ergebnisse dieser Untersuchungen vor. 

Kernvorwürfe konnten nicht bestätigt werden

Die „Kernvorwürfe“ von Torres, die sich auf das Jahr 2018 beziehen, habe Zalando sehr ernst genommen. Insgesamt führte der Modehändler dazu 26 Interviews mit aktuellen sowie ehemaligen Mitarbeitern durch und sichtete relevante Materialien, heißt es in der entsprechenden Unternehmensmitteilung. So seien etwa Hunderte Fotos von Models vor und nach der Bearbeitung sowie Richtlinien zur Buchung von Models angeschaut worden. Darüber hinaus habe das Unternehmen auch relevante Kommunikation per Chat und E-Mail ausgewertet. Laut einem Bericht von Business Insider zu diesem Fall hatte Zalando nach dem Posting auch mit Torres selbst das Gespräch gesucht. 

„Die Untersuchung hat die Kernvorwürfe nicht bestätigt“, schreibt der Online-Händler nun. Bekannt wurde im Rahmen der Untersuchung aber, dass 2018 in Einzelfällen eine diskriminierende oder unsensible Sprache verwendet worden sei. Hier hätte das Unternehmen bereits damals  „umgehend“ eingegriffen und „in Gesprächen mit den Beteiligten über Missverständnisse und Achtlosigkeit im Sprachgebrauch“ aufgeklärt. 

Mitarbeiter sollen Verstöße gegen Zalando-Ethikkodex melden 

Im Zuge der Untersuchung wurden die Interviewten auch gebeten, gegebenenfalls weitere Vorfälle anzusprechen. Diese berichteten dann auch tatsächlich von zusätzlichen Fällen unangebrachter Sprache in den Zalando Studios, teilt der Händler weiter mit. Allerdings habe man diese Fälle keinen Einzelpersonen zuordnen können. Auch registriert wurden auf diese Weise sechs weitere Beschwerden zu sogenannten Mikroaggressionen, also Äußerungen bzw. Handlungen, die unterschwellig und mitunter nicht mit Absicht Vorurteile gegenüber Personen aus unterrepräsentierten Gruppen anzeigen. 

„Wir sind uns darüber bewusst, dass Diskriminierungsfälle leider oft gar nicht zur Sprache gebracht werden“, räumt Zalando deshalb ein. „Deshalb wollen wir unsere Mitarbeiter in Zukunft noch mehr darin bestärken, jeglichen Verstoß gegen unseren Ethikkodex zu thematisieren und/oder zu melden – egal, ob sie selbst betroffen sind, oder ein solches Verhalten bei anderen beobachten.“

Keine Disziplinarmaßnahmen

Auf Empfehlung der Rechtskanzlei gibt es keine disziplinarischen Maßnahmen anlässlich der Vorwürfe. Allerdings werde Zalando künftig eine klare interne Top-Down-Kommunikation gegen Rassismus vornehmen und Prozessabläufe etwa bei der Buchung von Models vereinheitlichen und transparent gestalten. Zudem sollen auch Anti-Diskriminierungs- und Kommunikationstrainings für alle Mitarbeiter verpflichtend und Führungskräfte zum Thema inklusive Führung geschult werden.   

„Rassismus hat bei Zalando keinen Platz. Das ist schon immer unsere Position gewesen und wir wollen sicherstellen, dass das auch die Erfahrung aller ist“, bekräftigt dazu Zalando-Mitgründer und Co-CEO Robert Gentz. „Die Erkenntnisse aus der Untersuchung haben uns mehr Klarheit darüber gegeben, wo wir als Unternehmen stehen. Wir haben konkrete Ideen und Ansätze aus ihnen abgeleitet, wie wir noch besser gewährleisten können, dass jeder – ganz gleich ob Mitarbeiter, Kunde, Model oder Markenpartner – sich gleichermaßen wertgeschätzt, gehört und unterstützt fühlt.“ 

Verstärkter Einsatz für Vielfalt und Inklusion

Darüber hinaus hat Zalando weitere Programme zur Förderung von Vielfalt und Inklusion angekündigt, beispielsweise werden Teams, die sich mit Diversity & Inclusion und Gleichberechtigung beschäftigten, erweitert. Zudem wurde ein verbessertes „Whistleblowing-Tool“ versprochen, durch das Vorfälle leichter gemeldet werden können. Auch in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Partnern wolle man verstärkt in Marken investieren, deren Gründer Mitglieder unterrepräsentierter Gruppen sind. Dazu zähle auch die Entwicklung und Implementierung einer umfassenden Inklusionsstrategie für die Black Community, die zunächst in Berlin starten soll. 

Über die Autorin

Hanna Behn
Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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