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Interview mit Gambio-Chef Felix Hötzinger

So können Online-Nutzer Fake-Shops erkennen

Veröffentlicht: 09.11.2020 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 11.11.2020
Online-Nutzer vor Laptop mit Shop-Seite

Gambio dürfte Online-Händlern vor allem durch das gleichnamige Shopsystem bekannt sein. CEO Felix Hötzinger erklärt im Interview unter anderem, wie sich die Corona-Pandemie ausgewirkt hat, warum Händler auf Multichannel setzen müssen und wie Online-Shopper im Weihnachtsgeschäft vermeiden können, auf gefälschte Webshops reinzufallen.

OnlinehändlerNews: Durch die Corona-Pandemie mussten sich viele Händler dem E-Commerce annähern – konnte auch Gambio mit seinen derzeit rund 22.000 Kunden davon profitieren? Gab / gibt es spezielle Angebote zum Einstieg?

Felix Hötzinger: Als Deutschland in den ersten Lockdown gegangen ist, haben wir schnell ein Angebot entwickelt, um Händlerinnen und Händlern, die bisher noch nicht mit einem Online-Shop zugegen waren, den Einstieg zu erleichtern. Wir konnten dabei nicht nur verstärkte Registrierungsdaten verzeichnen, sondern es machte sich auch innerhalb der Shops ein starker Zuwachs an Interaktion bemerkbar. Auch die neuen Händlerinnen und Händler konnten sich schnell eingewöhnen, da es Teil unseres Angebotes ist, dass wir mit kostenlosem Support unterstützen und bei der Einrichtung helfen. 

Was unterscheidet Gambios Shopsystem von der Konkurrenz wie Magento und Co.?

Wir haben uns eins zur Maxime gemacht: „Gambio hilft!“ Seit der Gründung von Gambio haben wir größten Wert darauf gelegt, dass wir den HändlerInnen in allen Phasen dabei helfen, erfolgreich zu werden und zu bleiben. Im Gegensatz zu anderen Anbietern haben wir einen direkten Support über viele verschiedene Kanäle wie Facebook oder per Telefon – das heißt, die Händler können sich an uns wenden, wenn sie Fragen haben oder Unterstützung brauchen – sogar bei Designfragen –, ohne dass eine Agentur dazwischen hängt. Außerdem ist Gambio für alle deutschen bzw. europäischen Belange optimiert: Abmahnsicherheit, Datenhaltung in Europa sowie der Checkout. 

„Ich muss als ShopanbieterIn nicht alles perfekt können“

Auch im E-Commerce ist die Plattform-Ökonomie – siehe Amazon – entscheidend. Wie ist Gambio als Shopsystem-Anbieter in diesem Bereichen angesiedelt?

Der Plattform-Gedanke ist auch für uns sehr wichtig, auch und gerade, weil dies kleineren AnbieterInnen die Chance gibt, mit größeren Shops mitzuhalten. Die Plattform-Ökonomie ermöglicht eine Rückbesinnung auf Kernkompetenzen: Ich muss als ShopanbieterIn nicht alles perfekt können, denn es gibt auf dem Markt viele verlässliche PartnerInnen, die z. B. Versand und Zahlungsangebot optimiert haben. So kann ich Wertschöpfungsketten verlängern und meinen KundInnen den besten Support bieten, um sie langfristig an mein Unternehmen zu binden, ohne all das Know-how für diese Services selbst inhouse abbilden zu müssen.

Welcher Trend wird künftig für den E-Commerce entscheidend sein und warum?

Felix Hötzinger / Gambio

Ganz klar Multichannel – also der Webshop als zentrales Element für die HändlerInnen und die Möglichkeit, über verschiedene Kanäle wie Marktplätze oder direkt über den Webshop zu verkaufen. Auch ein optimierter Marketingmix wie Google- oder Facebook-Anzeigen, über Banner oder LinkedIn sowie Affiliate usw. gewinnt an Bedeutung und wird ein integraler Bestandteil im E-Commerce.

Bleiben wir bei Zukunftstrends: Gambio wollte eine dezentrale, auf Blockchain-Technologie basierende Verkaufsplattform aufbauen – wie ist da der Stand?

Gambio selbst war bzw. ist nicht der Initiator des geplanten Marktplatzes. Wir haben diesen Aufbau aber als eines von vielen Zukunftsprojekten unterstützt. Mit der neuen Version unserer Software ist es möglich, auf dem Marktplatz Produkte hochzuladen und dort zu verkaufen. Dieser Marktplatz ist aus der damaligen Initiative entstanden.

Fake-Shops erkennen – darauf muss man achten

Derzeit läuft das Weihnachtsgeschäft an, nicht nur jetzt tauchen immer mehr Fake-Shops auf. Woran kann man diese erkennen und was kann man tun, wenn man bereits in die Falle gegangen ist?

Nicht nur der Shopping-Wahn vor Weihnachten steht vor der Tür, sondern auch der Black Friday und aufgrund der aktuellen Situation wird wohl noch öfter online als in den Geschäften in potenziell vollen Innenstädten eingekauft werden. Da das Angebot riesig ist, tummeln sich auch immer mehr Fake-Shops in der Menge, die mit besonderen Angeboten locken. Wer jetzt denkt, dass das ein Problem von unerfahrenen InternetnutzerInnen ist, täuscht sich gewaltig: 4,4  Millionen Menschen in Deutschland sind bisher Fake-Shops zum Opfer gefallen, denn auf den ersten Blick sehen diese „Online-Shops“ gar nicht verdächtig aus und die BetrügerInnen lassen sich immer wieder was Neues einfallen, um mit ihrer Masche erfolgreich und unentdeckt zu bleiben. Es gibt jedoch einige Anhaltspunkte, wie man einen Fake-Shop als solchen entlarven kann: 

  • Erscheint ein Angebot beispielsweise zu gut, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Mit super Schnäppchen-Angeboten versuchen die BetrügerInnen, KäuferInnen über’s Ohr zu hauen.
  • Fake-Shops sind auch oft lieblos und unvollständig gestaltet: Die BetreiberInnen geben sich oft keine Mühe, Unterseiten wie „Über uns“ zu erstellen.
  • Häufig verwenden sie geklaute Daten anderer Unternehmen im Impressum. Hier rate ich dazu, nach der Steuernummer oder anderen Merkmalen zu googeln. Taucht zum Beispiel eine Steuernummer bei verschiedenen Unternehmen auf, ist Vorsicht geboten.
  • Man sollte zudem nur Zahlarten benutzen, bei denen ein seriöser Payment-Dienstleister die Zahlung abwickelt oder den Kauf auf Rechnung nach Erhalt der Ware. Es gilt: Nie per Überweisung zahlen.
  • Auch auf echte Siegel wie das HB-Käufersiegel oder solche des TÜVs achten, aber Achtung: Das Siegel selbst kann einfach nur ein Bild sein. Beim Klick auf das Siegel sollte man jedoch zum Siegel-Anbieter geleitet werden. Dort kann man prüfen, ob der angegebene Shop tatsächlich zertifiziert ist.
  • Die meisten Fake-Shops sind auch telefonisch nicht erreichbar, da viele von ihnen aus dem Ausland betrieben werden. Die Shops sind daher auch oft schlecht übersetzt – ein weiteres Indiz.

Gambio will Store für Drittentwickler öffnen

Welche technische Neuerung können Gambio-Nutzer als nächstes im Shopsystem erwarten?

Unser Gambio Store wird weiter ausgebaut. Hier haben neue HändlerInnen die Möglichkeit, im ersten Schritt verschiedene Themes zu erwerben und als Designvorlage für ihren Shop zu nutzen. Später werden wir den Store für Drittentwickler öffnen, sodass diese nützliche Apps als Shop-Plug-Ins den HändlerInnen direkt über den Store anbieten können. 

Zu guter Letzt: Was bedeutet Gambio eigentlich bzw. wie ist es zu dem Namen gekommen?

Der Name Gambio hat keine wortwörtliche Bedeutung. Gambio steht bewusst für sich selbst. Wir haben uns damals dagegen entschieden, mit Wortkombinationen wie „Shop“, „Store“ „Online“ etc. zu arbeiten, da sich unsere Lösung laufend weiterentwickelt und erweitert und diesen Begriffen gar nicht mehr gerecht werden würde. Als wir mit Gambio gestartet sind, war die Software eher das zentrale Element. Heute sind wir ein Ökosystem mit verschiedenen Bausteinen, die es unseren Händlerinnen und Händlern ermöglichen, erfolgreich online zu verkaufen – mit allem, was dazugehört.

Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Autor

Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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