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Kritik von Verdi

Thalia entwickelt neues Vergütungsmodell ohne Tarifbindung

Veröffentlicht: 11.01.2021 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 11.01.2021
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Angestellte von Thalia Mayersche sollen deutschlandweit künftig nicht länger nach Tarif bezahlt werden. Seit dem 1. Januar hat das Unternehmen eine reguläre Mitgliedschaft im Handelsverband, sprich: ohne Tarifbindung, heißt es in der entsprechenden Mitteilung. Der Buchhändler wolle demnach mithilfe eines eigenen Leistungs- und Vergütungssystems „langfristig eine einheitliche Vergütung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Vertrieb erreichen“. Es sei zudem „eine Frage der Fairness“ gegenüber all jenen, die derzeit in unterschiedlichen Vertriebsgesellschaften und -strukturen für das Unternehmen tätig sind. So sollen einheitliche Jobprofile und Vergütungsstrukturen entstehen.

„Wo der Tarif galt, bleibt das bisherige Gehalt unverändert“, schreibt Thalia. Allerdings werden Tariferhöhungen in Zukunft dann nicht mehr automatisch umgesetzt, der neue Vergütungssatz enthalte hingegen eine Erfolgsbeteiligung – die Höhe von Gehaltssteigerungen kopple man also an den Unternehmenserfolg.

Corona als Extremsituation

Insbesondere reagiert Thalia damit auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Diese Extremsituation, aber auch der Strukturwandel im Buchhandel habe gezeigt, dass man „mehr Flexibilität und eine schnelle durchgängige Steuerbarkeit“ brauche, um auf Veränderungen am Markt oder auch auf die Digitalisierung zu reagieren. „Der Vorschlag soll Arbeitnehmerinteressen und unternehmerische Wirklichkeit zeitgemäß miteinander verbinden“, so Thalia Pressesprecherin Claudia Bachhausen-Dewart zu den Änderungen. 

Da die Strukturen im stationären Vertrieb zudem heterogen und nicht wettbewerbsfähig seien, wurden außerdem Anfang des Jahres auch die Berliner Buchhandlungen mit der Vertriebsgesellschaft Thalia Nord zusammengeführt. Indem man „immer mehr zu einer offenen Plattform, an der auch Dritte teilhaben können“ werde, wolle man man sich bewusst gegen multinationale Wettbewerber – vermutlich Amazon – stellen.

Verdi wirft Thalia Tarifflucht vor

Sobald das neue System mit den relevanten Gremien abgestimmt ist, erhalten die Beschäftigten die Möglichkeit, in das neue Leistungs- und Vergütungssystem zu wechseln, so Thalia. 

Scharf kritisiert wurde dieses Vorgehen von der Gewerkschaft Verdi. Mit der Aufspaltung und den Betriebsübergängen in zwei verschiedene, nicht tarifgebundene Gesellschaften stelle Thalia „die 220 Beschäftigten kurzerhand vor vollendete Tatsachen“, zerschlage die Sozialpartnerschaft und begehe Tarifflucht, heißt es vom Verdi-Landesbezirk Berlin-Brandenburg. „Das Unternehmen nutzte in infamer Weise die Widrigkeiten der Corona-Pandemie und den Jahreswechsel, um in grober Missachtung der gesetzlichen Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats eine derart gravierende Betriebsänderung zum Nachteil der Beschäftigten durch die Hintertür durchzuziehen“, kritisierte die zuständige Verdi-Landesfachbereichsleiterin Erika Ritter. 

Über die Autorin

Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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