Bilanz und Strategie

So will Zalando in Europa das Google für Mode werden

Veröffentlicht: 16.03.2021 | Geschrieben von: Hanna Behn | Letzte Aktualisierung: 16.03.2021
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Für Zalando war 2020 ein starkes Geschäftsjahr mit schnellem Wachstum: Das Bruttowarenvolumen (Gross Merchandise Volume, GMV), das die Gesamtausgaben der Zalando-Kunden einschließlich Umsatzsteuern und abzüglich Stornierungen und Retouren umfasst, wuchs in 2020 um ein Drittel auf 10,7 Milliarden Euro. Beim Umsatz verzeichnet der Modehändler 23,1 Prozent mehr als noch im Vorjahreszeitraum und konnte diesen auf auf rund 8 Milliarden Euro steigern. Der Konzerngewinn ohne Zinsen und Steuern (Ebit) konnte deutlich erhöht werden, dieser lag bei 420,8 Millionen Euro – im Vorjahr waren es noch 224,9 Millionen. 

Bereits vor der offiziellen Vorstellung der aktuellen Geschäftsbilanz gab der Konzern zudem seine ambitionierten Wachstumsziele bekannt: Für das laufende Geschäftsjahr soll das Bruttowarenvolumen nochmals um etwa 27 bis 32 Prozent auf 13,6 bis 14,1 Milliarden Euro ansteigen, die Umsätze nochmals mindestens um ein Viertel wachsen. Als langfristiges Ziel wolle Zalando künftig über zehn Prozent des europäischen Modemarktes einnehmen.

So will Zalando erste Anlaufstelle für Mode werden

Verantwortlich für das starke Wachstum sind deutlich mehr Kunden: Im letzten Jahr gewann Zalando rund ein Viertel mehr aktive Käufer hinzu und kommt damit nach eigenen Angaben nun auf 38,7 Millionen Kunden. Die Anzahl der Bestellungen hat um 28 Prozent auf 185,5 Millionen zugelegt, wie den Kennzahlen und dem Geschäftsbericht weiter zu entnehmen ist. 

Im Rahmen der Pressekonferenz stellte Zalando auch die Strategie vor, mit der man künftig die ambitionierten Ziele erreichen wolle. Diese gründe sich auf drei Säulen – eine davon ist, dass Zalando zum „Starting Point for Fashion“ werden wolle. Dieser Claim prangte während der Konferenz in großen Lettern hinter den Geschäftsführern. Im Detail heißt das, die Berliner werden in weitere Märkte expandieren – u. a. noch in diesem Jahr nach Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Slowakei und Slowenien und 2022 nach Rumänien und Ungarn.

Außerdem wolle man gewissermaßen zum „Google für die Modewelt“ zu werden: „Wer auf Google etwas nicht findet, wechselt nicht etwa zu einer anderen Suchmaschine, sondern glaubt eher, dass er nicht richtig gesucht habe“, zog Co-CEO Robert Gentz einen Vergleich. Eben dieses Prinzip der ersten Anlaufstelle für Mode in Europa wolle man auch für Zalando. Darüber hinaus soll die Kundenbeziehung verstärkt werden, etwa mit Marken – Kunden, die bestimmten Brands auf Zalando folgen, würden 2,3 Mal öfter dort kaufen – oder besonderen Angeboten wie dem Shopping-Club Zalando Lounge. 

Erfolg durch Partnerprogramm und Connected Retail 

Der Ausbau des Portals vom Händler zur Plattform hat maßgeblich zum aktuellen Geschäftserfolg beigetragen – gepaart mit der Notwendigkeit des Online-Geschäfts in Zeiten von Corona: „Von heute auf morgen hat sich die gesamte Branche die Frage gestellt: ,Wie digitalisiere ich mein Geschäft? Und zwar schnellstmöglich.’ Eine Herausforderung, die sich mit unseren eigenen Zielen – die Transformation zur Plattform entschieden voranzutreiben – gedeckt hat“, lautet daher das offizielle Resümee des Co-CEO Robert Gentz zur aktuellen Bilanz.

Das Interesse am Partnerprogramm wuchs im Vergleich zu 2019 um das Dreifache, führte Co-CEO David Schneider aus. Insgesamt seien nun über 4.000 Marken und über 900.000 Produkte auf dem Marktplatz zu kaufen. „Wenn ich ein Teil nicht auf Zalando finden kann, existiert es nicht“ – so die Maxime, die dann ebenfalls wieder an einen großen Suchmaschinenkonzern erinnern dürfte.

Schneider hob zudem die positive Entwicklung des Bereiches Connected Retail hervor, wodurch das Plattform-Modell verstärkt auch in den stationären Bereich dringe. Ende 2020 nutzten mehr als 2.400 stationäre Geschäfte das Programm, bis Ende Februar 2021 waren es sogar schon mehr als 3.400. Dies zeige, „welchen Wert die Kombination aus Offline und Online für Händler*innen haben kann“, so Schneider. Hier gebe es weiterhin sehr großes Potenzial, betonte er. 

Nachhaltigkeit als Investition

Zur dritten Säule in der eigenen Wachstums- und Konzernstrategie erklärte Zalando das Thema Nachhaltigkeit: „Wir haben die Möglichkeit und die Verantwortung, unsere Größe und Plattform-Position zu nutzen, um die Modeindustrie positiv zu verändern. Wenn wir der Starting Point for Fashion sein wollen, dann müssen wir unsere Kund*innen überzeugen, dass wir die Herausforderungen lösen können, die das Thema Nachhaltigkeit mit sich bringt“, betonte Co-CEO Rubin Ritter. Es handele sich also nicht um einen Kostenfaktor, sondern um eine Investition, etwa auch in die Kundenbindung: Etwa 50 Prozent der Kundschaft hatte Ende 2020 mindestens ein nachhaltigeres Produkt gekauft – zu Beginn des Jahres waren es 18 Prozent.

Die Nachhaltigkeitstrategie wolle Zalando aber auf unterschiedliche Weise verfolgen: durch Ziele und Maßnahmen zur Senkung von Emissionen, mit nachhaltigen Verpackungen und nachhaltiger Mode, der Einhaltung von Menschenrechten in den Lieferketten, Weiterbildungen oder dem Fokus auf eine Kreislaufwirtschaft statt auf eine lineare Industrie. „Unser Ziel für den Anteil nachhaltigerer Produkte an unserem Bruttowarenvolumen für das Jahr 2023 erhöhen wir von 20 auf 25 Prozent. Gleichzeitig heben wir die Standards an, nach denen Produkte in unserem Shop als nachhaltiger gekennzeichnet werden,“ kündigte Kate Heiny, Director Sustainability im Zuge der Veröffentlichung des Nachhaltigkeitsberichts an. 

Umbau im Konzernvorstand

Für Rubin Ritter war es eine der letzten großen Konferenzen des Unternehmens, er verlässt das Unternehmen bekanntermaßen nach der Hauptversammlung Mitte Mai – unter anderem, um mehr Zeit mit der eigenen Familie zu verbringen. „Es ist der richtige Schritt zur richtigen Zeit“, erklärte Ritter während der Pressekonferenz.

Zalando gab auch bekannt, wie der Vorstand nicht zuletzt wegen seines Austritts aus dem Unternehmen künftig umgestaltet wird. Neben den Co-CEOs David Schneider und Robert Gentz wurde zudem Astrid Arndt als Chief People Officer in den Vorstand berufen. Sie ist seit 2018 im Konzern und führt seit 2019 die Abteilung People & Organisation. Zudem wird der Chief Technology Officer Jim Freeman in der neu geschaffenen Rolle des Chief Business and Product Officer die Entwicklung, Vermarktung und das Wachstum zentraler Angebote verantworten. CFO bleibt David Schröder und soll neben der finanziellen Entwicklung auch die Themen Logistik und Payments vorantreiben. 

Über die Autorin

Hanna Behn Expertin für: Usability

Hanna fand Anfang 2019 ins Team der OnlinehändlerNews. Sie war mehrere Jahre journalistisch im Bereich Versicherungen unterwegs, dann entdeckte sie als Redakteurin für Ratgeber- und Produkttexte die E-Commerce-Branche für sich. Als Design-Liebhaberin und Germanistin hat sie nutzerfreundlich gestaltete Online-Shops mit gutem Content besonders gern.

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