Warnung der Verbraucherzentrale Hamburg

So tricksen China-Händler mit deutschen Webshops

Veröffentlicht: 08.06.2022 | Geschrieben von: Markus Gärtner | Letzte Aktualisierung: 09.06.2022
Pakete aus China auf einem Fließband

Susanne Schmidt kommt aus Berlin, hat Modedesign studiert und verkauft jetzt über ihren Webshop susannes-beauty.de Schönheitsprodukte und Co. Einladend lacht die hübsche Frau den Shop-Besucher an, man kann lesen, dass sie ihre Produkte „durch den Einzelhandel teilen“ möchte und es schon immer geliebt habe, „verschiedene Kleidungsstücke, Make-up und andere Arten von Produkten zu pflücken“. Laut Impressum betreibt die geborene Berlinerin ihren Shop vom „19H Maxgrand plaza No.3 Tai Yau Street San Po Kong, Kowloon Hong Kong“ aus. Vermutlich ist Susanne so echt wie manche Original-Markenartikel aus China.

Der Beauty-Shop gaukelt den Nutzern vor, von einem deutschen Unternehmen zu stammen – der Anbieter und auch die Waren stammen aber wohl aus China. Über derartige Shops häufen sich die Beschwerden bei der Verbraucherzentrale Hamburg, die jetzt davor warnt.

China-Shop sieht deutsch aus – Ware aus Fernost

„Die Online-Shops sind professionell aufgemacht: Sie haben einen deutschsprachigen Namen wie zum Beispiel „Wolf Fashion“, „Susannes Beauty“ oder „Hallo BH“. Die Webadressen tragen mit .de die länderspezifische Top-Level-Domain für Deutschland. Im Impressum steht manchmal sogar eine deutsche Anschrift“, heißt es. „Immer wieder greifen Verbraucherinnen und Verbraucher zu und fühlen sich später getäuscht, denn erst im Nachhinein wird klar, dass sie Ware im Ausland bestellt haben.“

Die Probleme mit Bestellungen von chinesischen Händlern sind dabei – auch von Amazon und anderen Marktplätzen – altbekannt: Beschreibung und Artikel stimmen nicht überein, lange Lieferzeiten, die Qualität ist oft schlecht, eine Rücksendung nicht möglich oder teuer. Kunden solcher Shops haben berichtet, dass der Zoll bei ihren Paketen etwa gefälschte Turnschuhe entdeckte – und sie sowohl die Kosten für die Vernichtung als auch für den Anwalt des Markenrechteinhabers tragen mussten!

Vorsicht vor diesen Webshops!

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt aufgrund der Beschwerden generell vor dem Einkauf in diesen Webshops bzw. Marktplätzen: 

  •  A – F: airydress.com, augennstern.com (Pearlyo), baowudipl.com, berlin-outlet.com, chicsoso.com, edressit.com, draussenfeet.de, elencoco.com, fashion-traum.com, fillamoda.com, floryday.com, freesuniy.com
  • G – L: genialbau.com, hallobh.de, hoffmann-boutique.com, jagute.de, jjshouse.de, juretro.com, konrad-mode.com, lightinthebox.com, lisias4u.com, luckmia.de
  • M – R: melody-barker.com, milanoo.com, modetalente.com, muttermode.com, onecozyday.com, premium-garderobe.com, realyiyi.com, rosasommer.com, rudolf-karl.de
  • S – Z: sommerbiene.de, susannes-beauty.de, traum-moden.com, traumwolke.shop, veryvoga.com, wish.com, wolffashion.de, wowperucken.de, wunschau.de, zamoda.com

Wir haben über das Geschäft der Billig-Marktplätze rund um auch das hier genannte Wish in einem eigenen Beitrag berichtet. 

Darauf sollten Online-Shopper achten

Online-Shopper sollten beim Kauf im Web auf verschiedene Punkte achten, wie die Verbraucherzentrale anmerkt:

  • Achten Sie vor der Bestellung darauf, wer Ihr Vertragspartner wird. Eine Endung auf .de bedeutet nicht, dass Sie es mit einem in Deutschland ansässigen Unternehmen zu tun haben.
  • Zahlen Sie bei Bestellungen im Internet möglichst nicht per Vorkasse (Überweisung, Kreditkarte).
  • Informieren Sie sich im Voraus über mögliche Rückgabemöglichkeiten.
  • Nutzen Sie – wenn möglich – die Filterfunktionen großer Anbieter, um den Standort der Ware zu bestimmen.
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Über den Autor

Markus Gärtner
Markus Gärtner Experte für: Local Commerce

Markus ist 2018 zum OHN-Team dazugestoßen und berichtet unter anderem über aufstrebende StartUps im E-Commerce. Zuvor hat er beim Branchendienst Location Insider die digitalen Ideen des stationären Handels beleuchtet und für mobilbranche.de den Online-Handel via Smartphone und Apps ins Auge gefasst. Die Digitalisierung der Medienbranche konnte er in seiner Zeit bei dem Branchendienst turi2 beobachten.

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Kommentare  

#5 gunnar 2022-06-11 09:38
grundsätzlich sollten die marktplätze bei angabe ,, deutschland ,, dann rücksendungen die ins ausland müssen.
einfach die zahlung für den käufer stornieren, dem käufer den artikel überlassen und dem verkäufer die lange zunge zeigen.
der zoll sollte bei käuferbeschwerd en, das die sendung eigentlich in deutschland gekauft wurde, einfach auch vernichten und der käufer auch das geld zurückbekommen.
es müßte auch ebay / amazon usw auffallen, wenn die lieferzeit 2-8 wochen dauert, das es nicht in deutschland gelagert wird.!
und man sollte china nicht mehr als entwicklungslan d ansehen, milliarden € an entwicklungshil fe zahlen ( ja, das macht deutschland wirklich ) und dann die postsendungen genauso teuer machen wie unsere.
wir zahlen bei dhl 50.- die 5.- für die gleiche arbeit.! bei der gleichen firma.
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#4 Fischer 2022-06-09 11:40
Diese Trickserei geht doch schon Jahre. Nach der Devise "Wandel durch Handel" wird nicht hingeschaut oder geschlafen oder läßt es einfach laufen. - Kennt man ja schon aus aktuellem Anlass, Stichwort Gas. - Und beim Onlinhändler liest man ja auch eher etwas vom Brand in einem Amazon-Lager.
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#3 Heidemann 2022-06-09 11:10
und was macht zum Beispiel ebay:
nach Beschwerden über Fake-Festplatte n (zwar aus China - aber Deutschen Sitz und Steuernummer) ?
löscht nicht etwa den Anbieter, oder schickt mal eine Warnung (als minimum)
NEIN !
Sie löschen Diesen Artikel aus Deiner Einkaufsstatist ik !
Die Firma ist weiter Aktiv, mit wohl erstmal "vernünftigen" Artikeln - könnten ja schließlich einiges an Umsatz verloren gehen (.00.000 ???)
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#2 Voxtrade 2022-06-09 11:00
Auch in unserem Segment ist es ganz schlimm. Oft auch mit Deutschlandfahn e im Profilbild und Dumpingpreisen.
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#1 Iris Fiala 2022-06-08 16:13
Es kam sogar noch schlimmer. Eine chinesische Firma hat mal meine frühere shop-domain benutzt (www.iris-fiala.de) benutzt, um "Designerschuhe " zu verkaufen.
Sah alles sehr professionel aus, jedoch kein impressum und keine e-mail adresse.
Ich hatte sie dann über das Kontaktformular angeschrieben und mir wurde in englisch geantwortet, dass alles Originale sind.

Ich hatte vergessen, meine domain nach Schließung meines Onlineshops zu resevieren.

Nach ein paar Wochen war dieser shop glücklicherweis e wieder offline, und ich konnte meine domain wieder für mich verwenden.
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