Der frühe Vogel

Gesunkener Umsatz und hohe Verluste: Otto steckt in der Krise

Veröffentlicht: 30.05.2024 | Geschrieben von: Corinna Flemming | Letzte Aktualisierung: 30.05.2024
Otto Schriftzug

Guten Morgen!
Zum Start in den Tag gibt es die aktuellsten Meldungen aus der Branche im Überblick:

  • Otto schreibt rote Zahlen
  • Konsumstimmung wird besser
  • Teuerungsrate nimmt leicht zu

 

Bei Otto herrscht Krisenstimmung: Das Hamburger Unternehmen musste im Geschäftsjahr 2023/24 erneut Verluste hinnehmen, unterm Strich stand ein Minus von 426 Millionen Euro nach 413 Millionen Euro im Vorjahr. Auch der Gesamtumsatz ging um sechs Prozent auf 15 Milliarden Euro zurück, das Deutschlandgeschäft sank um 5,6 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro. Dementsprechend unzufrieden zeigte sich Vorstandsvorsitzender Alexander Birken jetzt bei der Bilanzpräsentation, wobei er jedoch betonte, dass das Unternehmen für künftige Herausforderungen konsolidiert sei. Er kündigte an, kurzfristig wieder profitabel werden zu wollen. Im Geschäftsjahr 2021/22 hatte Otto noch einen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro erzielt.

Die Otto Group führt die schwachen Ergebnisse auf das schwierige makroökonomische und geopolitische Umfeld sowie hohe Zinsen und Inflation zurück. Trotz des Umsatzrückgangs konnte das operative Ergebnis verbessert werden, was Finanzchefin Petra Scharner-Wolff hervorhob. Das Ebitda stieg um 155 Millionen auf 744 Millionen Euro. Maßnahmen wie ein Einstellungsstopp und eine Reduzierung des Marketingbudgets in den letzten 18 Monaten trugen zur Ergebnisverbesserung bei.

Um in Zukunft wieder profitabel zu arbeiten, schaut sich Otto auch bei der Konkurrenz um, allen voran den chinesischen Billigmarktplätzen rund um Temu. „Beim Einsatz von künstlicher Intelligenz für die persönliche Ansprache der Kunden kann man sich viel abschauen“, erklärt Birken in der Wirtschaftswoche. Um den gestiegenen Kundenanforderungen gerecht zu werden, hat sich Otto im vergangenen Jahr außerdem auch externen Partnern geöffnet und bietet seither auf seinem Marktplatz Produkte von Dritthändlern an – eine ähnliche Strategie, wie sie eben auch Temu, Shein und Wish fahren.  

Für das laufende Geschäftsjahr blickt CEO Alexander Birken optimistisch in die Zukunft und rechnet mit einem Anstieg des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern (Ebit) maximal auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag.

Kauflaune der Deutschen nimmt wieder zu

Gute Nachrichten für die deutsche Wirtschaft: Die Stimmung der Verbraucher befindet sich derzeit auf einem kleinen Höhepunkt, das Barometer für das Konsumklima kletterte für Juni überraschend stark an, um 3,1 auf minus 20,9 Punkte. Das geht aus aktuellen Zahlen der GfK und des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) hervor. Ausschlaggebend für die positive Kauflaune ist der Rekordanstieg bei Reallöhnen. Diese wuchsen laut aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Januar bis März um durchschnittlich 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Das war der vierte Anstieg in Folge und das stärkste Reallohnwachstum im Vorjahresvergleich seit Beginn der Zeitreihe 2008“, schreibt die Behörde zu den Zahlen.

Hinzu kamen Inflationsausgleichsprämien, welche sich positiv auf die Kaufkraft der Deutschen ausgewirkt haben. Dennoch warnen Experten vor zu viel Euphorie. „Bis sich die Stimmung nachhaltig aufhellt und der Verbrauch wieder zum wichtigen Faktor für die konjunkturelle Erholung in Deutschland wird, ist noch Geduld gefragt. Die schwerste Zeit liegt allerdings hinter uns“, heißt es von Michael Herzum von der Union Investment bei der Tagesschau.

Leichter Anstieg der Inflationsrate

Während sich die Konsumstimmung hebt, nahm die Inflationsrate im Mai wieder leicht zu. Das Statistische Bundesamt rechnet für den Mai mit einem Plus von 2,4 Prozent, eine Steigerung von 0,1 Prozent im Vergleich zum April. Besonders in den Bereichen Lebensmitteln (0,6 Prozent) und Dienstleistungen (3,9 Prozent) ging es mit den Preisen wieder nach oben. Ein weiterer Preistreiber ist die erhöhte Flugticketsteuer, welche seit Beginn des Monats fällig wird. „Es ist davon auszugehen, dass die Fluggesellschaften aufgrund der hohen Nachfrage diese Kosten auf die Passagiere abwälzen können“, bestätigen die Ökonomen der Landesbank Hessen-Thüringen laut einem Bericht der Tagesschau.

Artikelbild: http://www.depositphotos.com

Über die Autorin

Corinna Flemming
Corinna Flemming Expertin für: Internationales

Nach verschiedenen Stationen im Redaktionsumfeld wurde schließlich das Thema E-Commerce im Mai 2017 zum Job von Corinna. Seit sie Mitglied bei den OnlinehändlerNews ist, kann sie ihre Liebe zur englischen Sprache jeden Tag in ihre Arbeit einbringen und hat sich dementsprechend auf den Bereich Internationales spezialisiert.

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