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Kolumne: Auf Schnupperkurs im E-Commerce

Veröffentlicht: 20.09.2013 | Autor: Doreen Rothmann | Letzte Aktualisierung: 20.09.2013 | Gelesen: 3244 mal

Zalando, Amazon, eBay & Co. – als Verbraucher nimmt man all diese Plattformen als gegeben hin. Welche Prozesse dahinter ablaufen, worin die Arbeit eines Online-Händlers besteht, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat und was der boomende E-Commerce für den stationären Handel bedeutet, blieb ungefragt – also war es Zeit, die Perspektive zu wechseln.

E-Commerce – was ist das überhaupt?

Laut Definition ist E-Commerce die Gesamtheit des Elektronischen Handels via Internet – Für mich bedeutete dies bisher lediglich, gemütlich mit dem Tablet auf der Couch zu sitzen und online einzukaufen. Als Kind des digitalen Zeitalters ist es für mich selbstverständlich, bei Wissenslücken erst einmal Google zu befragen, die Shoppinglust bei Zalando zu stillen und Bücher über Amazon zu bestellen. Online einzukaufen ist ja auch viel einfacher als das ewige Umherirren durch die Ladengeschäfte. Kein Anfahrtsweg, kein Anstehen an den Kabinen, keine überlaufenen Geschäfte. Egal was ich suche – ob Bücher, Drogerieartikel, Schuhe oder Kleidung – erster Anlaufpunkt ist das Internet. Unbeachtet dabei blieben mir immer die Prozesse, die hinter einem Online-Shop stehen. Wie sieht die Arbeit eines Online-Händlers aus? Mit welchen Problemen haben sie zu kämpfen? Wie funktioniert eigentlich die Finanzierung? Solche und ähnliche Fragen hatte ich mir bis dato als Verbraucher nicht gestellt.

Von großen und kleinen Online-Händlern

In den letzten Monaten hatte ich die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und als Praktikantin in der Redaktion von OnlinehändlerNews die Dimension des E-Commerce kennenlernen. Thema war dabei immer wieder der Kampf kleiner Online-Händler gegen die Online-Riesen Amazon, eBay & Co.

Es gibt unzählige Online-Shops für jedes denkbare Produktsortiment und dabei gehen immer wieder neue kuriose StartUps mit innovativen Ideen und Konzepten an den Start. Ob Überraschungsboxen für Hunde, Erlebnisgeschenke wie Fallschirmsprünge, Ganzkörperanzüge oder Kaffee aus fernen äthiopischen Waldgebieten – man kann nahezu alles online kaufen.

Auf der anderen Seite stehen Amazon & Co.: Als größtes Online-Kaufhaus der Welt ist Amazon in nahezu allen Bereichen Marktführer. Dabei wird eines klar – kleinere Online-Händler haben es schwer, gegen diese Monopolstellung anzutreten. Deshalb gilt es für die kleineren Händler, um weiterhin bestehen zu können, sich durch Qualität von den Konkurrenten abzusetzen, aktive Kundenpflege zu betreiben, Nischen zu finden und vor allem im Servicebereich zu überzeugen.

Oft vergessen wird, dass auch der stationäre Handel mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat. Große Warenhausketten wie Karstadt oder Galeria Kaufhof haben das nötige Kapital, um ein Ladengeschäft in zentraler Lage zu betreiben und ein umfassendes Produktsortiment anzubieten. Kleinere Händler mit einem eingeschränkten Warensortiment haben es dabei schwer, gegen diese Großunternehmen anzutreten und weichen zumeist in dezentralere Nebenstraßen aus.

Der ewige Kampf: E-Commerce vs. stationärer Handel

Eine Diskussion an der es ebenfalls kein Vorbeikommen gibt, ist die, ob der Online-Handel das Aus für den stationären Handel bedeutet. Schon seit Längerem halten sich diese Vorwürfe vehement, denn unumstritten gewinnt der Online-Handel immer mehr an Bedeutung. Für Verbraucher bedeutet der Online-Handel naheliegende Vorteile: keine Öffnungszeiten, keine Warteschlangen, ein umfassendes Produktsortiment und und und. Es gibt aber auch klar zu benennende Nachteile: Von verschiedenen Betrugsvorfällen abgesehen, muss sich der Verbraucher auf die Produktbeschreibungen und Abbildungen, die der Online-Händler zur Verfügung stellt, verlassen. Die Qualität kann erst überprüft werden, wenn die Ware geliefert wurde. Ein weiterer Negativaspekt ist die zwingende Angabe persönlicher Daten und Bankverbindungen vor der sich viele Verbraucher aus Angst vor Missbrauch fürchten.

Ebenso verhält es sich mit dem stationären Handel, der seinerseits wiederum Vor- und Nachteile besitzt: Neben der persönlichen Beratung durch einen Verkäufer, kann sich der Verbraucher das gewünschte Produkt vor Ort genau ansehen und sich einen Eindruck von der Qualität des Produkts verschaffen. Klare Nachteile bestehen aber in den festgesetzten Öffnungszeiten, dem begrenzten Produktsortiment oder in überfüllten Geschäften, die das Einkaufserlebnis trüben.

Ein persönliches Fazit?

Festzuhalten bleibt dabei, dass es kein Entweder-Oder-Verhalten gibt. Beide Vertriebswege haben durchaus ihre Existenzberechtigung. Die Herausforderung für die Händler besteht in der Kombination beider Absatzkanäle, denn die zunehmende Veränderung des Einkaufverhaltens und der immer stärker werdende Konkurrenzdruck machen ein Umdenken der Online-/Händler notwendig. Den gemeinsamen Shopping-Tag mit der liebsten Freundin möchte man doch ungern vor dem Computer verbringen.

Während der vergangenen Monate konnte ich viele spannende StartUps und Unternehmen der E-Commerce-Branche kennenlernen, Einblicke in die Arbeit eines Online-Händlers erhalten und die für einen Verbraucher ungeahnten Dimensionen des E-Commerce erblicken.

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