Themenwoche Handmade: Woonder – „Bei uns findet man keine Hobby-Bastler“

Veröffentlicht: 09.09.2015 | Geschrieben von: Tina Plewinski | Letzte Aktualisierung: 06.05.2021

Etsy und Dawanda sind hierzulande wohl die bekanntesten Handmade-Portale. Doch es gibt durchaus auch andere Unternehmen und Marktplätze, die sich um die Gunst der Shopper bemühen. Woonder ist eines von ihnen – und das Unternehmen hat höchste Ansprüche und große Ziele: Es hat sich auf die Produkte professioneller Designer, Handwerker und Künstler spezialisiert und gibt Shoppern nicht nur die Möglichkeit, Handgemachtes zu kaufen, sondern auch, ihre eigenen Ideen und Träume zu verwirklichen. Im Interview mit Leo Schwarzgorn und Ira Brinckmann haben wir mehr über Woonder erfahren.

Nahaufnahme Tischlern

(Bildquelle Tischlerei Nahaufnahme: NorGal via Shutterstock)

 

Was macht Woonder anders als andere Online-Marktplätze?

Was Woonder von anderen Marktplätzen unterscheidet, ist eine Kombination aus folgenden Aspekten: Alle Hersteller auf unserer Plattform sind professionelle Designer oder Handwerkskünstler, sei es mit eigenem Unternehmen oder als Freiberufler. Bei uns findet man keine Hobby-Bastler, womit wir uns bewusst von unseren Mitbewerbern abgrenzen wollen. Wir legen außerdem großen Wert auf eine gute Kuration, sowohl unserer Hersteller als auch deren Produkte. Wir erleichtern unseren Kunden das Finden ihrer Lieblingsprodukte und präsentieren nur die Besten der Besten auf Woonder.

Neben der Möglichkeit, bestimmte Aspekte eines Produktes, wie beispielsweise die Farbe, selbst zu bestimmen, bieten wir unseren Kunden mithilfe eines einfachen Tools an, eigene Ideen auf unser Jobboard zu posten. Da viele unserer Hersteller auch Einzelstücke anfertigen, bilden wir diese Option mit Woonder ebenfalls ab.

Wie wird man als Händler zum Woonder Maker? Welche Voraussetzungen gibt es?

Zunächst einmal ist es wichtig festzuhalten, dass sich auf unserer Plattform weder Händler noch Wiederverkäufer finden lassen. Wir arbeiten direkt mit den Herstellern zusammen, die die Produktion teilweise selbst übernehmen. Jeder Maker, der sich bei uns bewirbt, muss bestmöglich nachweisen können, dass der Manufakturgedanke in seinem Unternehmen Priorität hat.

Grundlegend kann sich aber zunächst jeder bei Woonder bewerben. Unser Team prüft im Anschluss jede einzelne Bewerbung auf die 4 Woonder-Kriterien: Qualität, Design, Handmade und direkt vom Hersteller. Erfüllt der Hersteller die Punkte, wird er von uns freigegeben und wir prüfen im Anschluss, welche seiner Produkte zu Woonder passen. Meistens sind das fast alle, manchmal aber nur eine ganz bestimmte Auswahl.

Welches Feedback erhalten Sie aus dem Kundenbereich?

Für unser Konzept, dessen Umsetzung, unsere Maker und deren Produkte bekommen wir stets positives Feedback. Unsere Kunden schätzen außerdem das schlichte Design unserer Seite, das Stöbern erleichtert und die Produkte in den Vordergrund stellt. Auch die Tatsache, dass Kunden je nach Produktart manchmal auch mitbestimmen können, wie das Designstück gefertigt wird, stößt auf Begeisterung.

Welche Marketingstrategien verfolgen Sie um Woonder populärer zu machen?

Bisher haben wir uns im Bereich Marketing verstärkt auf Kanäle wie Social Media, Newsletter und unser Online-Magazin konzentriert. Das Brandbuilding war uns im ersten Schritt besonders wichtig. Wir fokussieren uns außerdem stark auf klassische PR und verschiedene Kooperationsmodelle mit Bloggern aus den Bereichen Lifestyle und Fashion.

Gerade die persönliche Meinung von Redakteuren und Bloggern fernab von rein informativem Inhalt kommt sehr gut an. Die nächsten beiden großen Schritte werden die Performance-Kanäle sein und Investitionen in SEO und SEM. Obwohl wir ein Online-Marktplatz sind, befassen wir uns aktuell auch sehr stark mit dem Thema Offline-Marketing, wie klassische Plakate oder die Platzierung verschiedener Printmedien an relevanten Orten unserer Zielgruppe.

Inhaltlich reduziert sich unsere Marketing-Strategie auf die Arbeit mit teils lustigen, teils provokanten aber auch selbstironischen Sprüchen und Claims. Unsere Zielgruppe ist jung und wählt Produkte weniger nach dem Preis aus, sondern achtet sehr bewusst auf nachhaltige Materialien, qualitativ hochwertige Verarbeitung und möchte sich klar von Produkten des Massenkonsums abgrenzen.

Wieso spielen Handmade-Produkte im Online-Handel eine so große Rolle?

Aus Kundensicht gesehen erleben Handmade-Produkte gerade wieder ein großes Comeback. Wie oben beschrieben legt die Generation der 18- bis 35-Jährigen wieder verstärkt Wert auf Qualität und nachhaltige Herstellung. Handmade deshalb, weil es immer ein Einzelstück und etwas Besonderes ist, womit wir uns abgrenzen können und das Produkt einzigartig ist. Unsere Kunden interessiert die Geschichte hinter dem Produkt. Wer ist der Hersteller, was hat ihn zum Design des Produktes inspiriert und wie wird es gefertigt?

Bislang waren Handmade-Produkte verstärkt ein Offline-Geschäft, die Prozesse online abzubilden ist die Herausforderung, der wir uns gerne stellen. Handmade-Fans haben bei uns die Möglichkeit, ständig neue Designs und Produkte online zu entdecken, auch aus der ganzen Welt und sind nicht auf das Angebot von Offline-Shops angewiesen.

Für die Hersteller wiederum ist ein Online-Marktplatz wie Woonder eine gute Möglichkeit, ihre Produkte auch online einem breiten Kundenkreis zu präsentieren und zu verkaufen. Fast alle haben heute zwar eine eigene Website, das Einrichten eines Online-Shops und dessen Pflege ist allerdings eine Zeit- und Geldfrage, mit der sich viele kleine Designer oftmals nicht befassen können.

Gibt es noch etwas, das Sie loswerden möchten?

Uns ist es wichtig, nicht nur unseren Kunden mit besonderem Designanspruch den Zugang zu handgefertigten Produkten wieder zu ermöglichen, sondern auch unseren Herstellern ein Sprachrohr nach Außen zu sein. Wir setzen uns mit ihnen zusammen dafür ein, das Bewusstsein für Handgefertigtes noch weiter zu etablieren.

Dass das Thema im Online-Handel eine große Rolle spielt, zeigt sich spätestens durch die Tatsache, dass jetzt auch Amazon in den USA eine eigene Plattform für Handmade-Produkte eröffnet hat, die dort sehr gut angenommen wird.

 

 

 

Diese Artikel sind in der Reihe „Themenwoche Handmade“ erschienen:

  1.  Infografik zu DaWanda und Etsy
  2.  Das Widerrufsrecht bei individualisierten Produkten
  3.  Interview Woonder – „Bei uns findet man keine Hobby-Bastler“
  4.  Bilderreihe: Kuriose Produkte bei DaWanda und Etsy
  5.  Handmade-Quiz: Testen Sie Ihr Wissen!
  6.  DaWanda gibt Tipps für Händler

Kommentare  

#1 Stella 2015-09-09 13:54
Ein schönes Interview zu einem sehr interessanten neuen Online-Marktpla tz, der auf den ersten Blick mehr wie ein Shop den ein Marktplatz wirkt; schönes Design und klare Einteilungen machen hier Lust aufs Shoppen. Wer selber mit der Idee spielt mit seinen Produkten Online zu gehen, sollte passend dazu folgenden Artikel zu Online-Marktplä tzen lesen: http://www.netzaktiv.de/wie-frauen-ihre-zukunft-im-e-commerce-selber-stricken/
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