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Händlerbund-Studie: Scheinprivate Händler bedrohen fairen Online-Handel

Veröffentlicht: 15.03.2016 | Geschrieben von: Julia Ptock | Letzte Aktualisierung: 16.03.2016

Der Händlerbund hat die Ergebnisse seiner Studie zu scheinprivaten Händlern veröffentlicht. Ergebnis: Rund 86 Prozent der Befragten stießen schon auf scheinprivate Händler im Netz. Die meisten davon tummeln sich dabei auf Ebay und Ebay Kleinanzeigen und zeigen sich nur bedingt einsichtig, wenn sie auf ihr wettbewerbswidriges Verhalten hingewiesen werden.

Händlerbund Studie Scheinprivate Händler
© Händlerbund

Knapp 1200 Online-Händler haben sich an der Umfrage des Händlerbundes zu scheinprivaten Händlern beteiligt. Das Ergebnis: Händler, die eigentlich gewerblich handeln, ihre Geschäfte aber als scheinbar private Händler abwickeln, sind eine ernst zu nehmende Bedrohung für den fairen Online-Handel.

Ebay ist Lieblingsplatz für scheinprivate Händler

Von den insgesamt 1187 befragten Händlern gaben 86 Prozent an, schon einmal scheinprivate Händler im Netz entdeckt zu haben. Vor allem auf Ebay und Ebay Kleinzeigen (83 Prozent) treiben die scheinprivaten Händler ihr Unwesen. Aber nicht nur die klassischen E-Commerce-Marktplätze sind Schauplatz des scheinprivaten Handels – auch in sozialen Netzwerke wie Facebook bieten die scheinbar privaten Händler ihre Waren an.

Wer sich als ehrlicher gewerblicher Händler die Mühe macht, etwas gegen scheinprivate Händler zu unternehmen, stößt dabei jedoch oft auf taube Ohren. So haben 32 Prozent der Befragten scheinprivate Händler schon mehrere Male auf das wettbewerbswidrige Verhalten hingewiesen. Doch diese scheinen uneinsichtig. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Mehrzahl derjenigen, die angegeben haben, bereits gegen scheinprivate Händler vorgegangen zu sein, zunächst auf sanfte Methoden zurückgreifen. Während 32 Prozent die angeblichen Privathändler mit einem Hinweisschreiben kontaktieren, sind es gerade einmal acht Prozent, die die Steuerbehörde einschalten, bzw. zwei Prozent, die das Ordnungsamt informieren.

Bedrohung für fairen Wettbewerb

Dabei sind scheinprivate Händler ein echtes Problem für den gewerblichen Online-Handel. Denn wenn Käufer einen Mangel an der Ware feststellen, haben sie bei einem Privatkauf kein Widerrufsrecht und können das erworbene Produkt weder reklamieren noch vom Kauf zurücktreten. Die Missachtung der Käuferrechte bemängeln 85 Prozent der Befragten. Der Großteil der Teilnehmer stimmt der Aussage zu, dass scheinprivate Händler den fairen Wettbewerb gefährden (80 Prozent) und ein schlechtes Licht auf den Online-Handel werfen (65 Prozent).

Die weiteren Ergebnisse der Händlerbund-Studie „Scheinprivate Händler im Jahr 2016“ können Sie hier als PDF herunterladen oder gleich hier einsehen.

 

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Außerdem wird der Händlerbund aufgrund der Studienergebnisse in Kürze ein Angebot bereitstellen, das Betroffenen konkrete Beratung und Hilfestellung zum Thema bietet. Das entsprechende Kontaktformular wird unter www.fair-commerce.de eingerichtet. „Ich freue mich, dass der Händlerbund sich dem Thema annimmt, denn viele KMU haben erhebliche Nachteile durch scheinprivate Konkurrenten, das hat ja auch die Studie gezeigt“, so Mark Steier von Wortfilter. Er hatte den Händlerbund zur Beschäftigung mit dem Thema und zu der Studie angeregt.

Kommentare  

#17 Werner 2016-03-20 13:44
Nun setzt ebay noch einen "drauf".
Keine Gebühren mehr bei den Versandkosten für "Private"

Gute Neuigkeiten für private Verkäufer:
eBay senkt die Gebühren
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#16 Nadine 2016-03-17 10:51
Ich kenne beide Seiten:

Privatverkäufer dürfen bei ebay doch nur soundso viele Verkäufe je Monat tätigen.... merke ich gerade als Privatperson schmerzlich da ich umziehe und meine Wohnung ausmiste (und aus der Zielwohnung auch noch... Stichwort zusammenziehen. . vieles doppelt) und eben jetzt temporär mal sehr viele Verkäufe habe... aber eben einmaliges entrümpeln - nichts hinzugekauft - alles privat ...
da bin ich auch über 200 Artikel im Moment gekommen... (allerdings davor die 2 Jahre nichts verkauft) ... bin trotzdem 100% Privat...

Aber was ist mit den sogenannten Handmade Plattformen.. gerade auf DaWanda und Co. sind so viele "Hobbyverkäufer " die an der Steuer vorbei produzieren und sich auch nicht an Deutsche bzw. EU Gesetze und Regeln inkl. Verbraucherschu tz halten... da ist man als ehrlicher Händler auch auf dem Verliererposten ...

und so Sachen wie nur mit Steuernummer.. viele gewerblich korrekt handeln Kleinunternehme r haben trotzdem keine Umsatzsteuernum mer so als Beispiel ..also verkauf nur mit Steuernummer klappt so auch nicht... und jeder könnte da eine Fake Nummer angeben...

da ich - nicht auf ebay - zum Beispiel auch Nebenberuflich gewerblich Handel kenne ich mich da auch gut aus... aber leide auch massiv unter den "Hobbymutties" die eben keine Verpackungslize nzgebühren bezahlen und Ware unter dem Materialpreis verkaufen... und "gehäkelte Spielzeug" natürlich ohne Materialangabe oder CE Zeichen

Was hilft: abmahnen... einziges wirksames Mittel macht man aber dann doch nicht :-(
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#15 S.Weber 2016-03-16 18:35
Verkaufen nur mit Angabe der Steuernummer möglich. Ups...
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#14 Werner 2016-03-16 16:56
Ich habe Ebay besonders dreiste Verkäufer mit 150 - 160 Angeboten privater Art gemeldet. Die haben nichts gemacht. Die privaten Verkäufer sind immer noch mit so vielen Angeboten da.
Auch Anschreiben der Verkäufer ist sehr kritisch. Oft wir man angemault - das ginge einen gar nichts an. Das ist aber noch harmlos!
Wenn ich dagegen sehe, dass sich Verkäufer mit 35 Produkten als geweblich anmelden mit selbst hergestellten Sachen, denke ich - es ist ein Anfang. Die Dumping-Preise der großen Privaten machen alles kaputt!
Wenn ich nicht so human denken würde, würde ich die Finanzämter informieren. da hab ich aber kein gutes Gewissen dabei. Ich bin selbst von diesen Verkäufen stark betroffen und verkaufe in diesem Sektor deshalb nichts, weil meine Preise zu hoch sind.
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#13 Robert 2016-03-16 16:37
Ebay wird keine Schritte gegen scheinprivate Verkäufer unternehmen, schließlich bezahlen die fast die doppelten Verkaufsprovisi onen und bringen Ebay damit massig Geld. Ob jemand gewerblich handelt, würde ich dennoch vom Umsatz abhängig machen und nicht von der Anzahl der Artikel. Man denke nur an den Verkauf von "nur" 10 Autos pro Monat...

Da Ebay nichst dagegen macht, muss man selbst etwas unternehmen. Hat jemand von euch Erfahrungen mit der Wirksamkeit von Meldungen ans Finanzamt oder Ordnungsamt? Haben die Scheinprivaten weiter verkauft oder hat sich das Problem damit erledigt? Welche Umsätze haben die Scheinprivaten gemacht, die ihr gemeldet habt?

Ich habe schon einige Adressen durch Testkäufe und würde mich sehr über Erfahrungsberic hten freuen, bevor ich diesen Weg gehe.
Vielen Dank im Voraus!
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#12 Reiner 2016-03-16 16:09
Wenn ein Händler seine Verkäufe als "Privatverkäufe " tätigt, besteht die Gefahr für eine kostenintensive Abmahnung durch Anwälte/Wettbew erbszentrale. Führt er einen richtigen Handel, darf er seine Ware nicht steuerfrei innerhalb der EU veräußern.

Ist es eine Privatperson, sollte die Anzahl der Verkäufe auf eBay reduziert werden können. Der Fiskus verliert nur den Differenzbetrag zwischen MWSt und der bezahlten Vorsteuer, denn die Privatperson bekommt die Vorsteuer nicht erstattet.
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#11 Christian 2016-03-16 14:17
@Sascha Ballweg es ist ein leichtes, Ebay müsste nur mal einen Algorithmus einbauen, welcher die angebotenen Produkte eines Users vergleicht. Bietet er gerade mehr als 20 Artikel an und das immer wieder, ist er gewerblich tätig. Bietet er die "gleichen" Artikel immer wieder an ist er gewerblich tätig. Bietet er von einem Artikel mehr als 20Stück an und das auch immer wieder ist er gewerblich tätig.

Ebay ist das jedoch schei... ganz egal. Genauso wie Ebay sich nicht um die illegalen Elektroartikel kümmert die ohne WEEE verkauft werden. Nur mal so, die ElektroG Norm gibt es seit 2015 und Ebay bekommt es nicht hin, für Elektroartikel von gewerblichen Händlern ein WEEE Abfragefeld einzubauen. Aber auch hier will Ebay das sicherlich ganz einfach nicht, denn dann würde der Umsatz massiv einbrechen. Man nehmen sich einfach mal ein Netzteil für Leds da findet man kaum einen Anbieter der unter 20EUR ein Netzteil mit WEEE Registrierung anbietet.

Ebay sperrt also mal hin und wieder einen kleinen Verkäufer aber im Grunde darf sich dieser inoffiziell wieder unter anderem Namen anmelden. Wieso? Weil ich meine Pappenheimer auf Ebay kenn, die ich alle paar Wochen unter anderem Namen anschreiben muss, weil es genau die gleichen Verkäufer sind. Auch hier prüft Ebay scheinbar nicht einmal die Bankdaten.

Das gleiche gilt auch für Amazon, hier ist der Verkauf unserer Chinesischen 1Zimmer Wohnung-Lagerha llen Verkäufer gestiegen.
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#10 Andre 2016-03-16 11:35
... wie wäre es denn wenn der Gesetzgeber Verkaufsplattfo rmen in die Pflicht nimmt und diese dazu anhält Verkäufer, die ein bestimmtes Verkaufsvolumen in einer Zeit X abwickeln dem Finanzamt zu melden?
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#9 Peter Kemper 2016-03-16 11:06
Na klar wäre eine faire Welt schöner, aber ist es fair, dass der Verbraucher in seinen Produkten möglichst viel Steuern zahlen soll? Diese sind bei jedem gewerblichen Händler, der egal wo er verkauft, natürlich extrem viel höher sind, als wenn er einen privaten Verkauf bekommt.
Als Beispiel: 19% Mehrwertsteuer, dann Gewerbesteuer oder für die GmbH vom "Gewinn" 20%, dann bis zu 45% vom restlichen Gewinn Einkommensteuer . Das sind zusammen also über 60% Steuern für diese 3 Grundsteuern.
Rechenaufgabe: Wir viel teurer muss also nach Adam Riese das Produkt bei einem gewerblichen Händler mindestens sein, wenn dieser gemäß dem FA und um irgendwann mal bei der Bank einen Kredit für Existenszerweit erung zu erhalten, sein???
So ist es doch auch bei IKEA. Der deutsche Michel und auch die oberen Geistesakrobate n in den höheren Stellungen schimpfen und meckern - durch die Mecker-Presse aufgebracht - darüber, dass die Ihre Steuern als Provision ins Ausland verschieben und dann wieder dem Unternehmen zufliessen lassen und beachten dabei gar nicht, dass dieses Geld nicht etwa ins Portemonaie irgendwelcher Leute fliesst, sondern den Kunden wieder mit günstigeren Preisen entgegenkommt.
Ich möchte dies mal so den Lesern hier erklären, damit die Ihren einseitigen und kurzsichtigen Blick, durch dei Preisse mal überdenken.
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#8 Braun 2016-03-16 09:50
Sehr geehrtes hb-Redaktionsteam,
bitte leiten Sie die Studie über die hb-Medienstelle an die Wirtschaftsreda ktionen von publikumswirksa men Printmedien und TV-Sendern, z. B. FAZ, Handelsblatt, Wirtschaftswoch e, Süddeutsche, n-tv und die Redaktionen der IHK-Zeitungen (ca. 60 Stück in Deutschland) und an dpa weiter, denn wenn die Zeitungen die Studie mit fast 1.200 Teilnehmer veröffentlichen , wird ein zweistelliger Anteil der Gesamtbevölkeru ng über diese Scheinprivatver kauf-Seuche Kenntnis bekommen.
Freundliche Grüße
Stefan Braun
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